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17.07.2014

16:17 Uhr

Emissionen

Klimaschutz ade?

VonHeinz-Jürgen Schürmann

Weltweit steigen die CO2-Emission. In gegenseitigen Schuldzuweisungen sind die Staaten groß, doch bei der Vermeidung von Emissionen machen sie ihre Hausaufgaben nicht. Auch die EU sollte mehr Anreize schaffen.

Das RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem bei Bergheim: Wetweit steigen die CO2-Emissionen – und keiner unternimmt etwas dagegen. dpa

Das RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem bei Bergheim: Wetweit steigen die CO2-Emissionen – und keiner unternimmt etwas dagegen.

BerlinDie Experten sind sich ausnahmsweise mal in einer Prognose einig: Die weltweite Emission von Kohlendioxid wird in den nächsten vier Jahrzehnten noch kräftig zunehmen. Mit den von menschlichen Aktivitäten verursachten Zuwächsen klimarelevanter Spurengase sind wachsende ökologische Risiken verbunden. Die Schuldzuweisungen werden international hin und her geschoben.

Allerdings sollte unbestritten sein, dass die reichen Industrieländer als Hauptverursacher in der Vergangenheit nun in der Pflicht stehen, eine Vorreiterrolle im Aufbau CO2-armer Strukturen der Energieversorgung freiwillig zu übernehmen. Dabei lautet die Gretchenfrage, auf welche Weise der zweifellos mit Umstellungsproblemen verbundene Umbau der Volkswirtschaften möglichst effizient und flexibel gelingen kann.

Heinz-Jürgen Schürmann: Der Gastkommentator ist Energieexperte. Claudia Buhmann

Heinz-Jürgen Schürmann: Der Gastkommentator ist Energieexperte.

Die EU-Kommission probt seit knapp einem Jahrzehnt das von Marktökonomen empfohlene Instrument der Verknappung und Versteigerung von CO2-Emissionslizenzen für Unternehmen. Die Notierungen der Zertifikate sind in dieser Dekade so stark gesunken, dass überhaupt keine Anreize für Firmen existieren, CO2-arme Innovationen auf breiter Basis voranzubringen.

Der marktökologische Hebel bedarf grundlegender Reformen, damit die Weichen für einen klimaverträglichen Strukturwandel von Europa ausgehend bis Ende dieser Dekade gestellt werden können. Eine solche Vorreiterrolle bedeutet keineswegs Stagnation.

Erstens muss die EU bis 2030 verbindliche Verringerungen ihrer Treibhausgasemissionen um mindestens 45 Prozent beschließen.

Zweitens sollten Mindestpreise für die CO2-Emissionszertifikate vereinbart werden, um konjunkturell bedingten Einbrüchen der Notierungen durch staatliche Aufkäufe der ausgegebenen Lizenzen vorzubeugen. Diese Mindestpreise müssen schon kurz- bis mittelfristig viermal höher gesetzt werden als die heutigen Größenordnungen von rund fünf Euro pro Tonne je CO2-Emissionszertifikat. Sonst bleiben die Anreize allzu gering.

Drittens bleibt eine forcierte internationale Klimadiplomatie geboten, um weitere Partner für Allianzen in der Installation von Handelssystemen der CO2-Emissionszertifikate zu gewinnen. Gleichzeitig ist es sinnvoll, die Gutschriften für die Anrechenbarkeit von CO2-Einsparungen in Schwellen- und Entwicklungsländern so als werthaltige Zertifikate zu verbuchen, dass entsprechende Investitionen attraktiv bleiben. Allerdings sind die ökologischen Voraussetzungen nach anspruchsvollen Maßstäben möglichst transparent zu gestalten.

Was ist aus Ihrer Sicht das größte Argument für die Energiewende?

Gelingt die Neuorientierung der Systeme des Handels mit CO2-Emissionszertifikaten mit den aufgezeigten Reformschritten, dann existieren nachhaltige marktkonforme Anreize für die Klimaschutzvorsorge. Europa könnte ein Wunschkonzert mit immer mehr wachsender internationaler Beteiligung organisieren – ruinöser ökologischer Standortwettbewerb würde dadurch wesentlich unattraktiver.

Und außerdem: Die teuren nationalen Subventionen für erneuerbare Energien würden dann überflüssig. Brachliegende Energieeffizienz-Potenziale würden gleichzeitig attraktiv.

Kommentare (26)

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Herr Rainer Feiden

17.07.2014, 18:02 Uhr

Grundsätzlich:
Wer das Klima und die Ressourcen schonen will, der belohnt Energieeffizienzmaßnahmen und entwickelt entsprechend dimensionierbare Speicherkapazitäten, um die volatilen Erneuerbaren in die Grundlast zu bringen.
Wer den Bürgern Steuern und Abgaben abknöpfen will, der erhebt halt CO2-Abgaben und EEG-Entgelte, oder welchen Namen man immer dem Kind geben will. Womit wäre nun dem Klima mehr geholfen?
Nun, wo sind die „klimarettenden“ Bemühungen der Staaten bei den Themen Energieeffizienz und Speicherbau? Wo. Die wären jedenfalls wichtiger als wieder Steuern eintreiben via CO2-Zertifikaten.

In Deutschland boomt das Erheben von Steuern und Abgaben auf alle Energiearten incl. der Erneuerbaren! Was hilft das dem globalen Klima? Tendenziell gar nichts!

Warum: weil Deutschland so klein ist.

Schauen Sie sich mal die Seiten 200, 478, 528 und 541 dieser Dokumentation der IEA an. Auf das Verbrauchsverhalten großer Nationen wie China, Indien, die USA hat das kleine Deutschland als Nabel der Welt wohl wenig Einfluss.

http://www.iea.org/publications/freepublications/publication/EnergySupplySecurity.pdf

Diese „Ablassbriefe“ zu verteuern wird die Energierechnung der kleinen Verbraucher weiter ansteigen lassen. Und beim Strom sind ja schon so viele staatliche Kostenbestandteile (EEG-Umlage, KWK-Umlage, §19-Umlage, Offshore-Haftungsumlage, Stromsteuer, Mwst. auf alles, demnächst noch die –wohl auch umsatzsteuerpflichtige Bereithaltungssubvention für konventionelle Kraftwerke..) vorhanden, da kommt es doch auf das CO2-Zertifikat ja auch nicht mehr an……

Herr Holger Narrog

18.07.2014, 07:36 Uhr

Die Europäer suchen mit ihrer neuen Ökoreligion und der dazugehörigen Weltuntergangskatastrophe „Klimawandel“ den Rest der Welt zu missionieren.

Auf der „Klimakonferenz“ in Kopenhagen hat man den Höhepunkt dieser Bemühungen und deren Scheitern erlebt. Europa hat nicht mehr die Kraft seine Werte und Religion dem Rest der Welt aufzuzwingen. Der linksökologische US Präsident Obama konnte Europa aufgrund des skeptischen Parlaments nicht unterstützen. Chinesen und Inder waren gerne bereit dies mit freundlich unverbindlichen Gesten zu unterstützen, mehr nicht. Mittlerweile sind die meisten aussereuropäischen Staaten wie Australien und Kanada ausgetreten.

Der „Klimawandel“ scheint auf dem Weg ins Archiev zu sein wo er dann „Endliche Rohstoffe“, Waldsterben, Ozonloch und andere ökologische Endzeitkatastrophen trifft.

Herr Holger Narrog

18.07.2014, 07:45 Uhr

Frage...Gibt es abseits sozialistischer Ideologievorstellungen und ökoreligiöser Visionen einen sachlich, nüchternen Grund Energie- und Resourcenverbrauch zu begrenzen/reduzieren?

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