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17.07.2013

10:09 Uhr

Energie-Genossenschaften

Agentur für Erneuerbare Energien stellt Umfrage vor

Die Energiewende hat der gut 150 Jahre alten Genossenschaftsidee ein Revival beschert. In immer mehr Orten schließen sich Bürger zu Energiegenossenschaften zusammen, etwa um Solarparks oder Windräder zu betreiben.

Der Ausbau von Windkraft und Co: Bürgerbeteiligungen soll helfen. dpa

Der Ausbau von Windkraft und Co: Bürgerbeteiligungen soll helfen.

Schlöben/JenaDie Agentur für Erneuerbare Energien stellt am Mittwoch in Berlin eine Umfrage zur Bürgerbeteiligung in Energiegenossenschaften vor. Schon seit einigen Jahren schießen solche Genossenschaften wie Pilze aus dem Boden. Grund ist die Energiewende, die es den Bürgern ermöglicht, selbst Energieproduzenten zu werden. Noch vor einigen Jahren galt die Idee von Volksbanken und Wohnungsgenossenschaften als Auslaufmodell. Gleiches Stimmrecht unabhängig davon, wie viele Anteile ein Mitglied besitzt, mutete als Relikt aus dem 19. Jahrhundert an.

Ein Beispiel für eine dieser neuen Genossenschaften findet sich in Schlöben: Über sechs Ortsteile verstreut zählt die thüringische Gemeinde knapp 1000 Einwohner. Etliche von ihnen haben sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und eine Biogasanlage samt Holzhackschnitzelheizung, Blockheizkraftwerken und Wärmenetz gebaut. „Unser Ziel ist es, umweltfreundlich Wärme zu vernünftigen Preisen zu erzeugen und Wertschöpfung in der Region zu halten“, sagt Bürgermeister Hans-Peter Perschke (SPD), zugleich Vorstand der Genossenschaft. Im Herbst 2009 gegründet, hat sie inzwischen mehr als 100 Mitglieder.

Rund 4,5 Millionen Euro wurden investiert. „Wir decken für zwei Orte - Zöttnitz und Schlöben - 80 Prozent des Wärmebedarfs“, erklärt Perschke. Über den Anschluss des Ortsteils Mennewitz werde gerade diskutiert. „Wir haben in der Gesamtgemeinde ungefähr 600 Haushalte, erzeugen aber Strom für 2000.“ Inzwischen kämen Interessenten sogar aus Japan und Korea, um sich über das Projekt zu informieren.

Damit liegt der Ort, der im vergangenen Jahr im Bundeswettbewerb Bioenergiedörfer ausgezeichnet wurde, im Trend. Deutschlandweit habe es Ende 2012 etwa 650 Energiegenossenschaften mit rund 130 000 Mitgliedern gegeben, berichtet Andreas Wieg, Leiter Vorstandsstab beim Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband. „Hatten wir vor zehn Jahren in einem guten Jahr 30 Genossenschaftsgründungen, so hat sich die Zahl bis heute vervielfacht.“ Voriges Jahr waren es 236 - das Gros (150) davon im Sektor Umwelt, Energie und Wasser.

Doch wie erklärt sich dieser Boom? „Er hat auch ökonomische Ursachen, weil man mit Investitionen in erneuerbare Energien Geld verdienen kann“, sagt der Wirtschaftssoziologe Klaus Dörre von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das erklärt aber nicht die Wahl der Genossenschaft als Unternehmensform. „Da steckt der Gedanke dahinter, dass immer mehr Bürger ein so wichtiges Feld wie die Energieerzeugung nicht mehr allein großen Unternehmen überlassen wollen.“ Es gehe auch um alternative Formen des Wirtschaftens, um kollektive Produktion, die sich nicht ausschließlich dem Dogma eines „immer mehr und nie genug“ unterwerfe.

Kommentare (5)

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17.07.2013, 06:56 Uhr

"Einige von ihnen sollen auch daran verdienen - mit Hilfe von Bürgerbeteiligungen an Energiegenossenschaften"

Ist ja nett, daß die Büger daran verdienen dürfen.

Account gelöscht!

17.07.2013, 06:59 Uhr

"Schließlich gestehe die Bundesnetzagentur den Netzbetreibern eine garantierte Eigenkapitalrendite von über neun Prozent zu. "Die Bürger, die ihr Geld dafür investieren, will man dagegen mit höchsten fünf Prozent abspeisen", klagt der Vereinsvorsitzende Aribert Peters."

Und diese 5% will man den Netzbetreibern noch zuLasten der Stromkunden erstatten. So bleibt den Netzbetreibern ihre 9%-Rendite ohne jedes Risiko erhalten! Gehts noch? Alles im Namen und auf Kosten der EE - das ist ja schon verbrecherisch!

Schmidt

17.07.2013, 07:34 Uhr

Es nimmt immer sonderbarere Züge an. Jetzt sollen die Netzkosten in die Höhe schießen. 50hertz zahlt den Gemeinden bis zu 40.000 EUR pro Kilometer Leitung, die durch die Landschaft gelegt werden muss. Jetzt soll der Bürger, der durch Hochspannungsleitungen, Windkrafträder oder nachbarliche "Bio"gasanlagen bereits einen gehörigen Wertverlust seiner Immobilie hinnehmen muss, auch noch sein Erspartes hergeben und hat im Endeffekt eine noch höhere Stromrechnung. 5% Zinsen mögen in der heutigen Zeit viel klingen. Doch wie lange ist die Laufzeit, wer garantiert eine Rückzahlung der Einlage oder der Zinsen? Vor allem aber: wer zahlt das alles? Mal wieder der Stromkunde? Doch diesmal nicht über das EEG sondern über die Netzumlage!
Vielleicht sollte man den Bürgern nicht Sand in die Augen streuen mit vermeintlich gut klingenden 5% Zinsen, sondern eine Energiewende so gestalten, dass die "Erneuerbaren" nicht das zerstören, was eigentlich geschützt werden soll. Und auch nicht, dass einige sich eine goldene Nase auf Kosten der Anderen verdienen. Dann gibt es auch Akzeptanz durch die Bürger.

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