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10.06.2013

15:51 Uhr

Energieagentur-Bericht

Kohlendioxid-Ausstoß erreicht Rekordhoch

Die USA und China gelten nicht als vorbildliche Klimaschützer. Doch laut der neuesten Statistik der Energieagentur IEA haben sie bei der CO2-Reduzierung Fortschritte gemacht. Deutschland bekommt ein schlechtes Zeugnis.

Klimaschädliche Gase: Deutschland hat dem IEA-Bericht zufolge seinen Kohlendioxid-Ausstoß 2012 um 2,2 Prozent erhöht. dpa

Klimaschädliche Gase: Deutschland hat dem IEA-Bericht zufolge seinen Kohlendioxid-Ausstoß 2012 um 2,2 Prozent erhöht.

Düsseldorf/LondonDer weltweite Ausstoß von Kohlendioxid bei der Energiegewinnung ist im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch von 31,6 Gigatonnen geklettert. Das gab die Internationale Energie-Agentur (IEA) am Montag in London bekannt. „Wir sind dabei, unser Ziel einer Erderwärmung von nicht mehr als zwei Grad Celsius aus den Augen zu verlieren“, sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol. Gebe es kein Umdenken, steuere die Welt auf eine Erwärmung um etwa vier Grad Celsius bis 2100 zu, schlechtesten Falls sogar um bis zu 5,3 Prozent. „Das ist nicht so, dass man da mal so eben das Jackett auszieht und dann ist es wieder angenehm“, sagte Birol in Anspielung auf die Folgen.

Aus China und den USA gebe es ermutigende Signale, sagte er. In den Vereinigten Staaten habe ein entschiedener Wechsel von der Energiegewinnung aus Kohle zu Gas dazu geführt, dass die Ausstöße auf das Level von Mitte der 1990er Jahre zurückgegangen sind. Die Förderung von Erdgas und Öl aus bislang unerreichbaren Vorkommen hatte den US-amerikanischen Energiemarkt völlig umgekrempelt.

In China hat sich zumindest der Anstieg des Ausstoßes mit 3,8 Prozent im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Bisher hatten sich die Länder eher als Blockierer des weltweiten Klimaschutzes gezeigt.

„Aber wir sind noch lange nicht am Ziel“, sagte IEA-Exekutivdirektorin Maria van der Hoeven. Die IEA berät 28 Regierungen in aller Welt, darunter die deutsche Bundesregierung und das Weiße Haus in Energiefragen.

Europa gebe Anlass zu verstärkter Sorge, sagte Birol. Deutschland hat dem Bericht zufolge seinen Kohlendioxid-Ausstoß 2012 um 2,2 Prozent erhöht, Großbritannien sogar um 4,5 Prozent. Grund seien vor allem niedrige Preise für Kohle.

Fracking: Segen oder Umweltverbrechen?

Erbitterter Streit

Neue Technologien sind oft umstritten. Doch beim Fracking geht der Streit weit über das normale Maß hinaus. Ist die Fördertechnik für Erdgas der Umweltfeind Nummer eins seit der Atomkraft? Oder doch nur eine missverstandene, aber vielversprechende Technologie?

Die Technik

Beim Fracking wird kilometertief in die Erde gebohrt - und dann noch einmal horizontal, zuweilen sechs Kilometer weit. In die Kanäle wird ein Chemiecocktail gepresst, der den Boden aufreißt. Sand in der Flüssigkeit sorgt dafür, dass sich die Risse nicht wieder schließen. Durch sie treten das Erdgas - oder andere Rohstoffe - aus, die dann wie üblich gefördert werden können.

Die Szenerie

Im kanadischen Dawson Creek stand erst ein Bohrturm, 50 Meter hoch. Danach kam das eigentliche Fracking: Sechs gewaltige Trucks stehen dicht nebeneinander und pumpen die Lauge in die Bohrlöcher, 100.000 Kubikmeter pro Bohrfeld. Man versteht sein eigenes Wort nicht, aber die Arbeiter schauen fast gelangweilt auf die Messinstrumente. Ihre Schichten sind hart, der Lohn sind 70.000 bis 140.000 Euro im Jahr. Sind sie weg, ist auch der Lärm weg. Dann soll das Gas 20, 30 Jahre leise aus der Erde in die Pipelines steigen.

Die Gegner

Don Vander Velde ist 68 Jahre alt. Sein ganzes Leben hat er auf dem Land in Alberta, Kanada, gelebt, das seiner Familie seit 1904 gehört. Seit einem Jahrzehnt wird in der Nähe gefrackt. „Manchmal bebt der Boden“, sagt der Farmer. „Und was für Chemikalien kommen da rein?“ Don ist beunruhigt, weil er Kinder, Enkelkinder und eine Urenkelin hat. Die kleine Aspen ist zehn Monate. „Ich bin alt, aber ich möchte nicht ihre Zukunft verspielen.“ Dabei habe er nichts gegen die Förderung. „Ich will auch Energie. Alberta braucht das Gas, so wie es uns Farmer braucht. Also fördert! Aber macht es sicher!“

Das Unternehmen

Encana ist ein Fracking-Riese und Kellen Foreman ist seit elf Jahren dabei. „Wir wollen Transparenz“, beteuert der 29-Jährige. Deshalb würden für Millionen Dollar Zehntausende Wasserproben untersucht. „Und bei nicht einer einzigen ist irgendwo in Kanada eine Verunreinigung des Trinkwassers nachgewiesen worden.“ Und die Erschütterungen? Nur mit feinen Instrumenten messbar. Er könne die Sorgen der Menschen völlig verstehen. „Aber es steckt eine Menge Wissenschaft hinter Fracking. Wir sind keine Cowboys, die da rausgehen und die Erde aufwühlen. Das ist Hochtechnologie.“

Die Politikerin

Hannelore Kraft ist 8000 Kilometer weit gereist, um sich selbst ein Bild zu machen. Mit rotem Overall und weißem Helm steht die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen im Matsch von Dawson Creek in der Wildnis Kanadas, spricht mit den Arbeitern, untersucht die Bohrköpfe und befühlt die Chemielauge, die verpresst wird. „Ich kann mir das im Münsterland nicht so recht vorstellen“, sagt sie. Kraft ist beeindruckt, das merkt man ihr an. Auch von der Offenheit der Arbeiter und der Bohrfirma - in den Augen vieler doch „die Bösen“. Aber kann die Technik auch in Deutschland eingesetzt werden, einem Land das mehr als doppelt so viele Einwohner wie Amerika auf einem Dreißigstel der Fläche hat? „Es ist noch nicht reif, das zu entscheiden. Aber ich kann mir das im dicht besiedelten NRW kaum vorstellen.“

Der Wissenschaftler

Uwe Schneidewind ist einer der wenigen Fracking-Experten in Deutschland. Der Professor und Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie sieht vier Punkte zur Beurteilung von Fracking: klimapolitisch („Unkonventionelle Kohlenstoffvorkommen möglichst nicht anrühren“), volkswirtschaftlich („Arbeitsplatzeffekt ist vorhanden, aber beschränkt“; „Gaspreis sinkt, aber in Europa nicht nachhaltig“), geostrategisch („Abhängigkeit von anderen sinkt, bleibt aber bestehen“) und ökologisch („selbst bei Lösung vieler Probleme in Europa nicht wirklich attraktiv“).

Die Filme

„Gasland“ war ein Welterfolg. Der Dokumentarfilm von Josh Fox aus dem Jahr 2010 wurde nicht nur für den Oscar nominiert, sondern er hat das Thema Fracking auch für die breite Öffentlichkeit erst auf die Tagesordnung gesetzt. In der Schlüsselszene wird ein Wasserhahn aufgedreht und das Wasser angezündet – es brennt. Scharfe Kritik kam von der Branche, aber auch durch einen Kollegen: In „FrackNation“ bezichtigt Filmemacher Phelim McAleer seinen Kollegen Fox, wissentlich ungenau gewesen zu sein. So habe es Berichte über entzündetes Leitungswasser lange vor Fracking gegeben. Inzwischen gibt es „Gasland II“. Als die Dokumentation im April auf dem New Yorker Tribeca-Filmfestival gezeigt wurde, wurden Fans von „FrackNation“, trotz Karten, nicht eingelassen.

Auch in Japan stieg der Ausstoß wegen des Ersatzes von Kernenergie durch Kohle nach dem Fukushima-Unglück. Insgesamt wurde der Ausstoß in Europa aber wegen der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent reduziert. Gleichzeitig seien 2012 aber auch die Investitionen in erneuerbare Energien zurückgegangen.

Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass die Welt – ohne wirtschaftliche Nachteile in Kauf zu nehmen – auf den Pfad des Zwei-Prozent-Zieles zurückkehren kann. Es müssten effiziente Energiesparmaßnahmen ergriffen werden, sowohl bei Gebäuden, als auch bei der industriellen Fertigung. Der Neubau von Kohlekraftwerken müsse begrenzt, die am wenigsten effizienten müssten vom Netz genommen werden. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die IEA in einem Bericht zur Rolle der Energieträger gewarnt, dass die Bedeutung von Kohle wächst. Binnen zehn Jahren werde Kohle Öl als wichtigster Energielieferant überholen, hieß es. Vor allem der wachsende Energiehunger von Schwellenländern treibt die Nachfrage nach dem Rohstoff. „Die Welt wird 2017 rund 1,2 Milliarden Tonnen mehr Kohle verbrauchen als heute“, sagte IEA-Chefin Maria van der Hoeven.

IEA-Chefökonom Birol sagte bei der Vorstellung des aktuellen Berichts am Mittwoch, dass allein 18 Prozent des globalen CO2-Sparzieles erreicht werden könnten, wenn Öl- und Gaskonzerne bei der Gewinnung der Rohstoffe kein unnötiges Methan in die Atmosphäre freisetzten. Zwölf Prozent seien zu sparen, wenn die Regierungen zumindest teilweise aufhörten, den Verbrauch von fossilen Brennstoffen zu subventionieren. „Das alles ist möglich mit bereits existierenden Technologien und mit Maßnahmen, die in einzelnen Ländern bereits greifen“, sagte Birol.


Kommentare (5)

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vandale

10.06.2013, 16:13 Uhr

Steigende weltweie CO2 Emissionen sind abseits der destruktiven Oekoreligion mit ihren Weltuntergangspophezeihungen eine sehr gute Nachricht!

Die Industriegesellschaften basieren auf der Nutzung fossiler Energie. Ein erhöhter CO2 Ausstoss bedeutet eine grössere wirtschaftliche Aktivität und damit Wohlstand für die Menschheit

Die Pflanzen können bei höherem CO2 Gehalt, besser CO2 aufnehmen. Viele Pflanzen wachsen bei höherem CO2Gehalt besser. Das bedeutet höhere Ernten und damit weniger Hunger auf der Erde.

Die bedauerliche Enticklung in China und den USA ist nicht auf eine ökoreligiöse Bekehrung zurückzuführen.

Die Industrie Chinas wächst deutlich schwächer als in den vorangegangenen Jahren. Gem. einiger Quellen scheint diese zu stagnieren. Das schlägt sich in einem niedrigerem CO2 Ausstoss nieder.

Durch das Fracking hat sich das Gasangebot auf dem US Markt soweit erhöht, dass die Erdgaspreise zusammengebrochen sind. Reihenweise wurden Kohle- und Kernkraftprojekte gestrichen und die Stom- und Wärmeezeugung auf Gas umgestellt. Erdgas emittiert bei der Verbrennung weniger CO2 als Kohle, oder Erdöl.

Vandale

Account gelöscht!

10.06.2013, 16:19 Uhr

Dieses Rekordhoch am "Klima-GIFT" CO2 ist vermutlich schuld an unserem kalten Winter, weil uns das Kühlhausgas CO2 so furchtbar abgekühlt hat:

http://www.iknews.de/2013/05/25/klimawandel-wissenschaft-als-letzten-stand-des-irrtums/

http://www.propagandafront.de/1170780/erderwarmung-widerlegt-nasa-studie-bestatigt-dass-co2-die-atmosphare-in-wirklichkeit-abkuhlt.html

Account gelöscht!

10.06.2013, 18:32 Uhr

Der Anstieg der CO2-Emissionen ist auch aus folgendem Grund eine gute Nachricht: Das Erdklima denkt ausweislich des Durchschnitts der gemessenen Temperaturen - siehe http://www.cru.uea.ac.uk/cru/ - offensichtlich keinen Augenblick daran, sich nach den Weltuntergangsprognosen der Klimaalarmisten zu richten.

Irgendwann wird auch der Letzte merken (sogar die Redaktionen in den Mainstreammedien und am Ende sogar die Politiker), dass es überhaupt keinen kausalen Zusammenhang zwischen Erdklima und CO2-Gehalt der Atmosphäre gibt.

Der Klimaschwindel wird in sich zusammenfallen, und irgendwann werden die westlichen Gesellschaften mit Deutschland natürlich als Schlusslicht wieder lernen, dass Technik, Industrie und Wohlstand zur Grundvoraussetzung eine ausreichende und bezahlbare Energieversorung haben. Dann werden die CO2-"Verschmutzungsrechte" auf den Müllhaufen geworfen werden, so sie hingehören, und die künstliche Verteuerung der Energie wird ein Ende haben. Elektroautos wird man dann nur noch im Museum sehen können.

Die Menschen können dan wieder aufatmen, und die Wirtschaft kann wieder auf Wachstumskurs einschwenken.

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