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04.06.2014

16:14 Uhr

Energieagentur IEA

Zwei Billionen Dollar gesucht

VonJürgen Flauger, Carsten Herz

Die Energieagentur IEA sieht Europas Stromversorgung gefährdet – wenn die Kraftwerke nicht lukrativer werden. Die Agentur schätzt den Aufwand für die Stromerzeugung auf 1,6 Billionen Dollar und warnt vor einem Blackout.

Es wird teuer: Der Investitionsbedarf im Energiesektor ist hoch. dpa

Es wird teuer: Der Investitionsbedarf im Energiesektor ist hoch.

London, DüsseldorfDass die Energiewende nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa vor enorme Herausforderungen stellt, ist bekannt. Seit Dienstag ist diese Herausforderung aber in eine konkrete Zahl gefasst - und die ist gewaltig: Zwei Billionen Dollar sind nötig, um die Stromversorgung der Europäischen Union (EU) bis zum Jahr 2035 grüner und sauberer zu machen.

Umgerechnet fast 1,5 Billionen Euro müssen investiert werden, um die erneuerbaren Energien auszubauen und gleichzeitig die Stromnetze zu ertüchtigen sowie alte Kohle- und Gaskraftwerke zu ersetzen. Die Zahl stammt nicht von einem Energiekonzern, einer Lobbyorganisation oder einer EU-Regierung, die ein Interesse haben, die Kosten der Energiewende zu über- oder zu untertreiben. Sie wurde von der Internationalen Energieagentur (IEA), der autonomen Energieabteilung der OECD, im Rahmen einer umfangreichen Marktanalyse ermittelt.

Die Eckpunkte des Reports

Investitionen

Die Staaten müssen weltweit bis 2035 insgesamt 48 Billionen Dollar in die Energieversorgung investieren, um die Nachfrage decken zu können. Heutzutage lägen die jährlichen Investitionen bei 1,6 Billionen US-Dollar. In den nächsten zwei Dekaden müssten sie aber stetig auf zwei Billionen US-Dollar gesteigert werden.

Energieeffizienz

Auch die Ausgaben für Energieeffizienz müssen laut IEA von derzeit etwa 130 Milliarden Dollar jährlich auf etwa 550 Milliarden Dollar pro Jahr gesteigert werden. Den ausgewerteten Daten zufolge haben sich seit dem Jahr 2000 die jährlichen Investitionen in die Energieversorgung bereits mehr als verdoppelt.

Politik

Die IEA fordert die Regierungen auf, für stabile Investitionsbedingungen zu sorgen. Sonst würden Geldgeber abgeschreckt. Laut IEA sind von den 48 Billionen Dollar allein 40 Billionen Dollar für den Bau neuer Kraftwerke notwendig. Nach den Erwartungen der IEA werden zudem bis 2035 insgesamt 23 Billionen US-Dollar in den Bau neuer fossiler Kraftwerke fließen.

Knapp 1,6 Billionen Dollar müssen der IEA zufolge in die Stromerzeugung fließen, gut 600 Billionen Dollar in die Stromnetze. Europa hat in den kommenden zwei Jahrzehnten den größten Investitionsbedarf weltweit - nach dem Boomland China. Die IEA sieht den Bedarf von 740 Gigawatt an zusätzlichen Kapazitäten in Wind-, Solar- und Wasserkraft, aber auch mit Kohle- und Gaskraftwerken. Zum Vergleich: Ein großes Kohlekraftwerk kommt auf eine Leistung von einem Gigawatt. Gleichzeitig müssten neue Stromleitungen in einer Länge von knapp einer Million Kilometer gebaut werden. Zudem müssten die bestehenden Leitungen auf einer Länge von 5,5 Millionen Kilometern erneuert werden.

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Die Zahlen sind nicht nur gewaltig, für Fatih Birol, den Chefvolkswirt der IEA, sind sie auch Anlass zur Sorge: „Der europäische Strommarkt gerät in gefährliches Fahrwasser“, warnte Birol bei der Präsentation der Studie. „Der Markt muss neu gestaltet werden, sonst gehen die Lichter aus - und das ist kein Witz.“ Nach Birols Worten setzt der Markt derzeit die falschen Anreize. Insbesondere der Bau von neuen Kohle- und Gaskraftwerken sei nicht attraktiv - und von diesen würden auch noch 100 Gigawatt an neuen Kapazitäten benötigt.

Schließlich steigt zwar die Produktion an Solar- und Windstrom, zur Absicherung sind aber konventionelle Kraftwerke nötig, weil Windräder und Solardächer vom Wetter abhängig sind. Gleichzeitig kommen aber viele fossile Kraftwerke in die Jahre und müssen vom Netz genommen werden, insbesondere in Ost- und Südeuropa.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

04.06.2014, 17:44 Uhr

Zitat:
„Der europäische Strommarkt gerät in gefährliches Fahrwasser“, warnte Birol bei der Präsentation der Studie. „Der Markt muss neu gestaltet werden, sonst gehen die Lichter aus - und das ist kein Witz.“

Das sehe ich genauso - und nicht erst seit gestern. Dem europäischen Strommarkt fehlt ein konkludentes Marktdesign, ein in sich schlüssiges, funktionierendes Konzept. Und dies ist alleine dem deutschen Energiewende-Alleingang zu verdanken, den die Grünen begonnen haben und mit dem dann nach Fukushima unsere BK die letzte BT-Wahl gewonnen hat. Wahrscheinlich werden wirklich erst Sachlösungen gesucht werdenm, wenn Europa nachts im Dunkeln liegt. Und das vielleicht für länger als 1 Nacht.

Im Artikel ist mal von 1,6 Bio USD, dann von 2 Bio USD und dann wieder von 1,5 Bio Euro die Rede??? Bis 2035! 1,5 Bio Euro sollten finanzierbar sein, denn alleine die Zahllasten der deutschen Gesellschaft aus dem EEG belaufen sich bis 2034 auf rd. 500 MRD Euro (Quelle: wikipedia, Eingabe "Strompreis" Hochrechnung der Differenzen aus den EEG-Lasten auf 20 Jahre). Und diese Lasten "versüsst" der deutsche Staat noch mit 7,00 MRd Stromstuer und 7,5 MRD Mwst. auf all den Käse, also noch mal 14,5 MRD. Macht bis 2034 nochmal 290 MRD!
Nachweis:
http://www.bdew.de/internet.nsf/id/123176ABDD9ECE5DC1257AA20040E368/$file/131120_BDEW_Strompreisanalyse_November%202013.pdf

Sie Seite 29, beachten Sie das*.

Also, wenn Ihr wirklich etwas für eine funktionsfähige und bezahlbare Stromversorgung tun wollt, entwickelt billige und effiziente Speicher für die deutschen Zufallsstromgeneratoren (Solar und insbes. WKA)! Und wenn Ihr das nicht könnt, dann stampft das EEG schnellsmöglichst ein und baut neue konventionelle Kraftwerke statt die alten Dreckschleudern weiter betreiben zu müssen. Denn ansonsten gehn hier wirklich irgendwann die Lichter aus. Und das meine ich nicht nur energietechnisch.

Account gelöscht!

04.06.2014, 20:44 Uhr

Der Kommentar ist ein wenig polemisch.

Speicher die geeignet sind den umweltschädlichen Strom aus Wind- und Sonne im erforderlichen Ausmass zu wirtschaftlich erträglichen Kosten zu speichern sind nirgends bekannt.

"Alte Dreckschleudern" ist gleichfalls ein polemischer Begriff. Ein KBei Kohlekraftwerken beträgt diese ca. 40 Jahre. In den letzten Jahren werden diese meist als Reserve mit ca. 1000 Betriebsstunden im Winter genutzt. Es wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll Neubauten als Reserve zu nutzen. raftwerk hat wie ein Auto eine Lebensdauer.

Account gelöscht!

05.06.2014, 08:18 Uhr

Erneuerbare Energien/Energiewende/EEG = Armut, Mangel und Rückschritt.

Ein Kraftwerkmixpark aus den Energieträgern Kohle, Gas und Uran/Thorium = sozialer Wohlstand, Wirtschaftstärke und innovativer Fortschritt für eine gute und starke Industriebasis und die zum Wohl durch einen freien Markt für das deutsche und europäische Volk.

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