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18.09.2013

10:35 Uhr

ENERGIEEFFIZIENZ

Contracting – Stromsparen ohne Risiko

VonMalte Laub

Um Kosten zu senken, beauftragen immer mehr Firmen externe Anbieter damit, Gebäude und Werkshallen energieeffizienter zu machen. Sie vermeiden so hohe Investitionen und geben stattdessen einen Teil der Einsparungen ab.

Dampf aus den Kühltürmen eines Kohlekraftwerks: Das Geschäft von Contracting-Anbietern boomt. dpa

Dampf aus den Kühltürmen eines Kohlekraftwerks: Das Geschäft von Contracting-Anbietern boomt.

KölnSeit die Energiewende beschlossene Sache ist, bekommen es Unternehmen immer wieder zu hören: Die deutsche Wirtschaft muss energieeffizienter werden. Und allmählich findet die Forderung aus Berlin tatsächlich Anklang in den Produktionsstraßen und Werkshallen der Republik.

Immer öfter nutzen Firmen dabei das sogenannte Einspar-Contracting, sie lagern Energieeffizienzmaßnahmen also aus. Ein externer Anbieter plant, baut, betreibt und finanziert das Projekt. Im Gegenzug behält er über einen vertraglich festgelegten Zeitraum von meist zehn bis 15 Jahren einen Teil der gesparten Energiekosten. Für den Auftraggeber entfallen Investitionskosten, zudem muss er sich nicht um die Wartung kümmern.

Der Verband für Wärmelieferung, in dem nach eigenen Angaben 60 Prozent der Contracting-Anbieter vertreten sind, verzeichnet seit Jahren eine stetig steigende Nachfrage. Allein von 2011 auf 2012 sei die Anzahl der Verträge, von denen es neben dem Einspar-Contracting weitere Spielarten gibt, um acht Prozent auf 45.900 gestiegen. Die Verbandsunternehmen machen damit inzwischen einen Umsatz von 2,18 Milliarden Euro.

Paradoxien der Energiewende

Ökostrom-Umlage

Sie wurde vollgepackt mit immer weiteren Industrierabatten - die Bürger müssen dies über ihren Strompreis schultern. Sie steigt 2014 auf bis zu 6,5 Cent je Kilowattstunde, obwohl laut des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien 2,6 Prozent weniger Wind- und Solarstrom produziert wurden. Der Zubau neuer Anlagen macht nur 0,2 bis 0,3 Cent des Anstiegs um bis zu 1,2 Cent aus. Hauptgrund sind die massiv gefallenen Börsenstrompreise – sinkt der Verkaufserlös für Ökostrom, wächst die Differenz zu den festgelegten Vergütungssätzen für den Grünstrom.

Stromversorger

Sie profitieren von niedrigen Einkaufspreisen, während die Versorger durch diverse Energiewende-Umlagen immer mehr bezahlen, auch die Netzentgelte steigen. Das Beratungsunternehmen Energy Brainpool hat für die Grünen-Fraktion errechnet, dass sich für 2014 eine mögliche Senkung der Beschaffungskosten zwischen 0,57 und 1,97 Cent je Kilowattstunde abzeichnet. Damit könnte womöglich der gesamte Anstieg der Ökostrom-Umlage kompensiert werden, wenn die Versorger diese Ersparnisse im Stromeinkauf weitergeben würden.

Klimaschutz ade?

Gaskraftwerke stehen still und sollen vom Netz genommen werden. Alte, klimaschädliche Braunkohlekraftwerke laufen hingegen oft durch, da der Preis für CO2-Verschmutzungsrechte extrem niedrig ist. Trotz immer mehr Ökostrom sind daher im vergangenen Jahr die CO2-Emissionen in Deutschland um 2,2 Prozent gestiegen. Ohne Reformen – etwa einer Verteuerung der CO2-Ausstoßrechte – könnte der Kohleanteil weiter steigen und diese Kraftwerke den Atomausstieg kompensieren. Eigentlich sollen dies CO2-ärmere Gaskraftwerke tun.

Kraftwerks-Probleme

Insgesamt funktioniert der Strommarkt bei 25 Prozent massiv gefördertem Ökostrom nicht mehr richtig. Soll es Sonderprämien dafür geben, dass Kraftwerke, die sich nicht mehr rechnen, am Netz gehalten werden? Denn gerade im Winter wird deren Leistung gebraucht. Doch ein solches System – für das hochmoderne Gaskraftwerk Irsching in Bayern wurde das bereits eingeführt – würde die Strompreise noch weiter steigen lassen. Daher muss eine Reform der Ökoenergie-Förderung zusammen mit einer Strommarktreform angegangen werden. Einzige Gewissheit: Es wird nicht billig.

Verheddert im Interessendickicht

Jeder will etwas anderes. Die Länder im Norden und Osten wollen die Windkraft massiv ausbauen, Bayern träumt von einer weitgehenden Energieautarkie. Auch die Parteien haben unterschiedliche Ansätze, zudem kämpfen die großen Versorger gegen immer mehr dezentrale Akteure. Ein gemeinsamer Konsens ist bisher nicht in Sicht. Das macht Reformen so schwer. Gerade das Kostenproblem droht die Akzeptanz der Energiewende zu gefährden – über die mittelfristigen Vorteile redet kaum noch jemand.

Rund 500 Dienstleister gibt es derzeit nach Angaben der Energieagentur NRW in Deutschland. Zu den Anbietern gehören neben großen Energieversorgern wie RWE
oder EnBW auch Stadtwerke, Energieberatungen und Technologieriesen wie Siemens oder Johnson Controls. Bei Krankenhäusern, Schulen und anderen öffentliche Einrichtungen ist Contracting längst etabliert. Nun wächst das Interesse der Privatwirtschaft. „Vor allem kleine und mittlere Unternehmen können von Contracting profitieren, da sie so Aufwand und Know-how auslagern können“, sagt Stefan Meßmer, Partner in der Stuttgarter Kanzlei Menold Bezler und Spezialist für Energiewirtschaftsrecht.

Zu den Vorteilen gehört auch, dass sich Unternehmen nicht um komplizierte Förderanträge kümmern müssen, da dies zumeist der Dienstleiser übernimmt. Er trägt außerdem das Risiko, wenn die vorher vereinbarte Energiespargarantie nicht eingehalten wird.

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