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05.07.2013

09:43 Uhr

Energiemarkt

Britischen Unternehmen droht Stromrationierung

VonKatharina Slodczyk

Dem Land droht eine Stromkrise, wie es sie zuletzt vor vier Jahrzehnten gegeben hat. Denn viele britische Kraftwerke müssen demnächst vom Netz gehen – und für Ersatz ist noch nicht wirklich gesorgt.

Kraftwerk in England: Eine Energiekrise muss verhindert werden. AFP

Kraftwerk in England: Eine Energiekrise muss verhindert werden.

LondonEs waren Zustände wie in einem Entwicklungsland: Bis zu neun Stunden täglich fiel der Strom aus, Fabriken konnten nur noch drei Tage pro Woche betrieben werden und die Menschen haben nur einen kleinen Teil ihrer Wohnung beheizen können.

Gut vier Jahrzehnte ist es jetzt her, dass britische Bergbauarbeiter mit ihrem Streik die gesamte Energieversorgung des Landes lahmlegten. Doch solche Stromausfälle und ein Stillstand der Wirtschaft könnten sich wiederholen, warnen Experten jetzt - wenn die britische Regierung nicht schnell handele und die Energiekrise noch verhindere.

Wie ernst die Lage ist, machte vor wenigen Tagen der britische Energiemarktregulierer Ofgem deutlich. Bereits 2015 nehme das Risiko, dass es zu Engpässen bei der Energieversorgung kommen könne, schneller zu als erwartet, teilte die Behörde mit. Denn die Reserven würden dann deutlich niedriger ausfallen.

Gleichzeitig forderte der Stromnetzbetreiber National Grid die Unternehmen bereits für den kommenden Winter auf, ihren Stromverbrauch am späten Nachmittag und am frühen Abend zu drosseln. Um sie zu motivieren, sich auf die Rationierung einzulassen, sollen sie Geld erhalten.

Der Grund für die sich abzeichnenden Einschnitte: Kraftwerke, deren Laufzeit endet oder die die Auflagen der EU nicht erfüllen, müssen in Großbritannien demnächst vom Netz gehen. Das Land verliert bis zum Jahr 2020 etwa 20 Prozent der Energieerzeugungskapazitäten - und die Regierung tut sich schwer damit, für Ersatz zu sorgen.

Ohnehin ist klar: Alternative Energien wie sie der Meereswindpark "London Array" liefern wird, werden nicht ausreichen. Die Regierung setzt daher auf den Bau neuer Atomkraftwerke.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

05.07.2013, 10:49 Uhr

"Um das Projekt voranzubringen, hat die britische Regierung jetzt zugesagt, den Bau mit Steuermitteln zu unterstützen."

Ich denke im Land des Neoliberalismus läuft alles privatwirtschaftlich super?

Wie kann es dann sein, dass alles marode und verschlissen ist? Kürzlich hat doch die Regierung angekündigt Milliarden in die Infrastruktur zu stecken. Wo bleiben denn da die privaten Investoren? Die kommen erst wieder aus ihren Löchern gekrochen, wenns ans privatisieren - sprich verramschen - geht, um alles auf Verschleiss zu fahren.

Habnix

05.07.2013, 10:57 Uhr

Ja ja die Regierungsschulden eben.Die treiben halt Inflation und die Depresion.Ursache, wie immer die Verbrecheriche Umverteilung von Unten nach Oben.

Ehrlich währt am längsten.

Account gelöscht!

05.07.2013, 11:04 Uhr

Aktuell zeichnet sich ein (Schnäppchen-)Preis von umgerechnet 11ct./kWh bei den Verhandlungen zwischen dem französischen Energieversorger EDF und der Britischen Regierung als Einspeisepreis für Strom aus dem AKW Hinkley Point C ab. Natürlich nicht mit einer Kostenreduzierung über die Laufzeit, sondern mit einer Koppelung an die Inflation. Ähnlich dürften sich die Einspeise-Kosten für den Europäischen Druckwasserreaktor im finnischen Olkiluoto entwickeln. Die Baukosten stiegen seit Baubeginn 2005 für einen Reaktor der zum Festpreis angeboten wurde von 3 auf 8,5 Mrd.€. Beim 2007 begonnenen Reaktor im französischen Flamanville ging man von 3,3 Mrd.€ aus. Aber 8,5 Mrd.€ werden es bestimmt. Nach neusten Sichtungen in die Glaskugel ist eine Fertigstellung 2016 noch nicht auszuschließen. Ein Einspeisepreis unter 8,5 ct./kWh gilt als ausgeschlossen.
Ohne stattlich kaschierte Zuschüsse zeigen sich schon weit vor Endlagerversuchen welche Preise zu bezahlen sind. Mit steigender Tendenz wie sich wohl versteht.

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