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16.12.2013

10:21 Uhr

Energiepolitik

Hohe Strompreise treiben Mittelstand ins Ausland

Viele Mittelständler sind sehr heimatverbunden. Doch die hohen Energiekosten machen den Unternehmen zu schaffen. Viele von ihnen überlegen sich deshalb Alternativen zum Standort Deutschland.

Hohe Energiekosten machen den Standort Deutschland für Mittelständler unattraktiv. dpa

Hohe Energiekosten machen den Standort Deutschland für Mittelständler unattraktiv.

MünchenWerner Borgers ist frustriert. „Erst“, klagt der Unternehmer, „haben sie die arbeitsintensive Produktion aus Deutschland vertrieben. Jetzt ist auch noch die hochautomatisierte Fertigung dran.“ Sie, das sind die Politiker, die den Strompreis in den vergangenen Jahren mit ihrer Energiewende in die Höhe getrieben haben. Borgers sieht sich selbst als Patriot, einer, der gerne in seiner Heimat wirtschaftet.

Doch die gigantische Stromrechnung hierzulande zwinge ihn als Chef und Eigentümer des westfälischen Autozulieferers Borgers geradezu, jenseits der Landesgrenzen zu investieren. „Rein unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten“, zetert der Diplom-Kaufmann, „rentiert sich die Produktion am Stammsitz in Bocholt nicht mehr.“

So wie Borgers geht es vielen Mittelständlern. Sie lieben ihre Heimat, und bauen doch Werke jenseits der Landesgrenzen auf, vor allem in Osteuropa. In seinen Werken in Tschechien zahle er gerade mal die Hälfte für den Strom, meint Borgers, der mit knapp 5000 Mitarbeitern mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz im Jahr erzielt. Wenn unter dem Strich in guten Jahren eine Marge von nur zwei Prozent bleibe, sei der Spielraum eben gering.

„Nicht konkurrenzfähige Energiepreise führen auf Dauer unweigerlich zu einer irreparablen Industriebrache“, warnt Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Diese hat die Strompreise für mittelgroße Betriebe in 18 Industrieländern verglichen. Deutschland rangiert auf Platz 15, nur in der Slowakischen Republik und in Italien müssen die Fabrikbesitzer mehr hinlegen. In den letzten zehn Jahren hat sich der Strompreis für die Industrie verdoppelt.

Dabei sind es nicht die Stromkosten allein, die den Unternehmern das Leben schwermachen. Vor allem das ständige Hin und Her in der Energiepolitik sei eine Katastrophe, meint der Münchener Unternehmer Fritz Homann. „Uns fehlt in Deutschland die ausreichende Planungssicherheit“, ärgert er sich. Homann stellt Holzfaserplatten her, wie sie unter anderem für die Rückseite von Schränken verwendet werden. Er leidet unter den Folgen der Energiewende zweifach. Einerseits ist für ihn der Strom teurer geworden, so dass sich seine Fabrik im Saarland immer weniger lohnt. Weil die Regierung die Holzverbrennung fördert, wird auch noch der wichtigste Rohstoff knapp. Allein dieses Jahr sei der Holzpreis um 40 Prozent geklettert, sagt Homann.

Homann baut daher seine beiden Werke in Polen aus. Dort ist nicht nur der Strom sehr viel günstiger. „In Polen ist der Wald zu 95 Prozent in Staatshand. Das sind verlässliche Lieferanten“, betont Homann, der im Jahr rund 200 Millionen Euro Umsatz erzielt.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

16.12.2013, 10:36 Uhr

Dazu paßt, was ich ähnlich schon anderweitig geschrieben habe:

Die Deindustrialisierung Deutschlands ist in vollem Gange. Windmühlchen sind eine Uralttechnologie, die es schon in Babylon gab, runde 3800 Jahre b.p.
Und sie zeichneten sich schon immer durch Zufallsbetriebsbereitschaft aus:
"Dazu kam, dass Müller keine geregelten Arbeitszeiten kannten, sie mussten mahlen, wann der Wind wehte, also zu allen Tages- und Nachtzeiten und am Wochenende."
(Wikipedia)
Tagelange Flaute: Kein Brot auf dem Tisch, so einfach war das!
Heute ist es nicht besser: Wertloser Flackerstrom, der Schattenkraftwerke gleicher Leistung benötigt, eines High Tech Landes absolut unangemessen. Z.B. braucht die Alu- und Edelstahlproduktion (für Sonderstähle ist Deutschland durchaus bekannt) 100% sichere Grundlastenergiequellen rund um die Uhr.
Das ganze EEG war von vorne herein sehr teurer Murks mit zudem schlimmem Folgen für Landschaft und Natur. Statt Aberzigmilliarden in EEG-Subventionen zu verpulvern und zugleich Netzinstabilitäten inkauf zu nehmen, hätte man diese Multimilliarden besser in die Fusionsforschung gesteckt und dort geklotzt statt rumgekleckert. *Das* ist nämlich die Energie der Zukunft, wenn die grundlegenden Probleme gelöst sind, nicht eine Energieversorgung, die man mit Fug und Recht als vorsintflutlich bezeichnen kann.
Deutschland hat sich ohne Not, dafür völlig hysterisch, ohne Sinn und Verstand und ideologisch verblendet von der technologischen Entwicklung der Kernkraft (egal ob Fusion oder Fission) abgekoppelt und wurde so zur Lachnummer der ganzen Welt. Die Zeche zahlen Bürger *und*
Industrie und ich kann Herrn Borgers sehr gut verstehen, wenn er seine Produktion ins Ausland verlagert. Den GrünSozialisten sei ewiger Dank für "Zurück in's Mittelalter!"
Denn merke: Ökoreligion ist kein Ersatz für technische Entwicklung und hat auch mit Umweltschutz nichts zu tun.

mcspar

16.12.2013, 12:51 Uhr

Wie lächerlich ist das denn. Der wird von der EEG-Umlage befreit obwohl die Stromkosten nur 1,7% des Umsatzes ausmachen? Das ist eine Feichheit!
Außerdem wäre es nett zu erfahren wie er 90% sparen kann. Das würde bedeuten er bezahlt jetzt weniger als 1 ct/kwh!!!

Account gelöscht!

16.12.2013, 13:15 Uhr

@mcspar: Ja, da stimmt was nicht. Und wenn doch, fehlt die Erklärung. Schade, dass es bei den Zahlen im Artikel wieder in die Hose ging.

Aber in der Grundaussage ist der Artikel schon richtig - und wichtig! Die Energiepolitik in Deutschland muss dringenst geändert werden!


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