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01.04.2014

12:47 Uhr

Energiepolitik

Wende mit Korrekturbedarf

VonTorsten Jeworrek

Die deutsche Energiepolitik braucht mehr Marktwirtschaft und verlässliche Regeln für Investoren. Damit Über- und Unterkapazitäten besser ausgeglichen werden können, muss für die Energiewende eine europäische Lösung her.

Energiewende: Hilfreiche staatliche Regeln drohen an Einzelinteressen zu scheitern. dpa

Energiewende: Hilfreiche staatliche Regeln drohen an Einzelinteressen zu scheitern.

Bereits über 25 Prozent des Strombedarfs in Deutschland wurden 2013 mit erneuerbaren Energien erzeugt, dennoch wird die Energiewende zunehmend heftig diskutiert, auch die vom Bundeswirtschaftsministerium geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Das zügige Vorgehen mit dem zentralen Ziel einer "Kostenbremse" ist zunächst unbedingt zu begrüßen.

Entscheidendes Manko bleibt jedoch, dass der in die Netze eingespeiste Strom aus erneuerbaren Energien nicht ausreichend nach marktwirtschaftlichen Prinzipien erzeugt und vergütet wird. Der Gesetzgeber legt hoheitlich fest, welche Technik welche Vergütungssätze erhält. Daran ändert auch die geplante Reform nichts, wenn sie ein wenig an den Sätzen schraubt und den geförderten Zubau von Wind- und Sonnenenergie begrenzt.

Der Autor: Torsten Jeworrek ist Vorstandsmitglied von Munich Re. dpa

Der Autor: Torsten Jeworrek ist Vorstandsmitglied von Munich Re.

Dabei ist auch innerhalb von staatlichen Fördersystemen mehr Wettbewerb möglich. So sollten nicht Standorte oder spezielle Technik gefördert werden, sondern Ziele wie die erzeugte Strommenge, die Verfügbarkeit oder eine bessere Abstimmung von Angebot und Nachfrage. Zudem könnten dabei Anreize gesetzt werden, um die volatile Stromeinspeisung der erneuerbaren Energien zu glätten. Leider finden sich im Reformkonzept nur wenige derartige Ansätze; die Gefahr einer Fehlsteuerung wird nicht grundsätzlich verringert.

Umgekehrt reicht es nicht, nur einen staatlichen Rahmen zu setzen, denn zahlreiche Entscheidungen sind voneinander abhängig: Windparks und Solaranlagen müssen erst projektiert und genehmigt werden, sie brauchen Netzanschlüsse und Absatzchancen. Ohne ein klares Marktdesign, das solche langfristig tragfähigen Geschäftsmodelle erlaubt, kann vieles nicht realisiert werden.

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Zudem sind Projektierer, Betreiber und Investoren zwingend darauf angewiesen, dass staatliche Entscheidungen auf Dauer verlässlich sind. Projekte wie Windparks vor der Küste benötigen teilweise über fünf Jahre, um geplant und gebaut zu werden. Wer soll dafür unternehmerische Risiken eingehen, wenn er damit rechnen muss, dass Grundlagen seiner Entscheidung rückwirkend geändert werden?

Es sollte aber auch klar differenziert werden: Nicht jedes bestehende Kraftwerk verkommt durch neue Regeln zur Investitionsruine. Zahlreiche Kohlekraftwerke sind zum Beispiel längst abgeschrieben.

Kommentare (6)

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01.04.2014, 13:13 Uhr

Was hier so als "staatliche Fördersysteme" bezeichnet wird, ist in Wahrheit eine staatliche ZWANGSSUBVENTIONIERUNG und verstösst so MASSIV gegen den Markt Wettbewerb im Energiesektor!
Die Folgen dieser stattlichen EEG-Zwangsabgaben Marktmissachtung wird sein, dass erst die Kraftwerke (Kohle, Gas) diesen "staatlichen Förderprogramm" zum Opfer fallen und danach sich gegen die sog. Erneuerbaren Energieerzeuger richtet und diese auch zu Opfern dieser staatlichen Subventions EEG Diktatur machen.
Zum Schluss werden wir eine Gesellschaft haben, die keine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung mehr hat. Alles wurde staatlich Subventionsdiktiert, dank EEG und Öko-Glaubenswahn, dem Erdboden gleichgemacht!
Diese deutsche Energiepolitik regelt unsere Gesellschaft und die Zukunft unserer Kinder zu GRUNDE!

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01.04.2014, 13:46 Uhr

die wende ist nicht korrigierbar: mit ihr sind soviele subventionen and soviele empfänger verbunden, dass es eine allainanz der verhinderer geben wird- es sei denn, alle subventionen entfallen. das in unserer dmokratie mit zentralstaat und ländern durchzusetzen - das fangen doch unsere dünnbrettbohrer nicht an.

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01.04.2014, 14:20 Uhr

@ marc hoffmann
nicht nur bei energiewende, bei €-/ bankenrettung, bei mindestlohn, bei gemeinsamen banken- abwicklungsfond (warunm reicht es nicht, dass die EU vorschreibt, dass jedes land einen solchen rettungsfond aufzubauen hat und die einzahlungen kontrolliert? - das ist ein neuer schritt in richtung €-bonds.)
die EU bringt zusätzliche staatsregulierung auf europäischer ebene und hat die philosophie der südländer mit ihrer staatsgläubigkeit statt der nordeuropäischen lieberalität. das verbunden mit immer weiter von der presse geforderten umverteilungsgerechtigkeit werden wir unseren wohlstand immer stärker reduzieren. und die sozialistin merkel findet das alles gut und präsidiert.





8 wa

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