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28.11.2013

10:47 Uhr

Energiepreise

Wie das EEG deutsche Firmen in die Flucht schlägt

VonMarkus Fasse, Joachim Hofer, Ulf Sommer

Die Sonderabgabe für erneuerbare Energien wird für viele deutsche Unternehmen zum Standortnachteil. Die Wirrungen der heimatlichen Energiepolitik hat vor allem der deutsche Chemiekonzern Wacker zu spüren bekommen.

Anlage von Wacker im oberbayerischen Burghausen: Energiefressende Produktion. PR

Anlage von Wacker im oberbayerischen Burghausen: Energiefressende Produktion.

MünchenEinst glaubte Alexander Wacker den idealen Standort für sein Werk gefunden zu haben. In Burghausen, 100 Kilometer östlich von München, zapfte der Unternehmensgründer 1914 die Wasserkraft des Flüsschens Alz an, um seine Chemieproduktion billig mit Energie zu versorgen. Heute arbeiten 10.000 Menschen in dem riesigen Industriekomplex nahe der österreichischen Grenze. Doch der große Standortvorteil ist weg.

Die eigene Wasserkraft reicht schon lange nicht mehr, auch das später gebaute Gaskraftwerk kann den Energiehunger des Chemiewerks nicht stillen. Wacker muss kräftig am Markt zukaufen. 0,7 Prozent des deutschen Strombedarfs verbraucht das Werk in Burghausen - und das ist in den vergangenen Jahren teuer geworden. Auf gut 200 Millionen Euro beziffert der Konzern die Mehrausgaben, die das Münchener Unternehmen seit 2007 über die Erneuerbare-Energien-Abgabe (EEG) gezahlt hat.

Wie hoch darf die EEG-Umlage Ihrer Meinung nach maximal liegen?

Zwar ist die börsennotierte Firma zum Teil von der ungeliebten Umlage befreit - aber eben nur für 20 Prozent der zugekauften Strommenge. Und Wacker muss wie der Rest der Branche fürchten, dass auch diese Ausnahmen von der sich anbahnenden Großen Koalition in Berlin beschnitten werden. Für Konzernchef Rudolf Staudigl ein Ärgernis: "Die stromintensive, im internationalen Wettbewerb stehende Industrie muss zwingend von der EEG-Umlage befreit sein", sagte der Manager dem Handelsblatt. "Es geht bei den Strompreisentlastungen für die energieintensive Industrie nicht um Wohltaten, sondern um den Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit." Und es könnte noch schlimmer kommen: Sollte die EU-Kommission am 16. Dezember ein Beihilfeverfahren gegen Deutschland eröffnen, droht der Industrie sogar die volle Umlage. Für Staudigl wäre das "eine Katastrophe".

Kaum ein deutscher Industriekonzern hat die Wirrungen der deutschen Energiepolitik so zu spüren bekommen wie Wacker. Denn das Unternehmen ist einer der weltgrößten Hersteller von polykristallinem Silizium, dem Grundstoff für die Solarzellenproduktion. Als in Deutschland der Markt über die massiven Einspeisesubventionen boomte, steckten die Münchener in Bayern und Thüringen zwei Milliarden Euro in neue Anlagen, Wacker wurde zum Börsenstar.

Doch der Kater folgte schnell: 2011 und 2012 stürzten die Siliziumpreise regelrecht ab. Die großen deutschen Abnehmer sind überwiegend pleite. Neben dem Preisverfall kämpft Wacker nun mit den hohen Stromrechnungen der energiefressenden Produktion. Von den Gewinnen der vergangenen Jahre wird 2013 nicht viel übrig bleiben.

Kommentare (29)

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HofmannM

28.11.2013, 11:00 Uhr

Energiewende/EEG = Armut und Mangel!

Softeis

28.11.2013, 11:01 Uhr

Ihr reisserischer Titel schlägt in die Kerbe der versaubeutelten bundesdeutschen Energiepolitik der letzten Jahre: Nicht das im Prinzip hervorragende EEG ist Schuld an den steigenden Kosten (Strom ist so billig wie nie zuvor), sondern a) die Unfähigkeit und b) die Nähe zu den oligopolistischen Stromkonzernen. Klientelpolitik vom Feinsten, die in ihrer Naivität kaum zu überbieten ist (Befreiungen weiter Bereiche, u.a. Golfplätze, von der Ökostrom-Umlage). Der "FDP-Hotel-Soli" ist dagegen ja noch harmlos.

vandale

28.11.2013, 11:06 Uhr

Deutschland war einst Energiezentrale Europas. Mit der Kohleförderung an Ruhr, Oberschlesien, Saar und der Braunkohle war Deutschland z.B. 1943 nach den USA der 2. grösste Energieverbraucher der Welt. Darum gibt es Stahlwerke, Edelstahlverarbeitung, Giessereien, Grosschemie in Deutschland.

In den 80er Jahren trat mit der Oekosaga des Waldsterbens eine neue BIMSCH in Kraft die Kohle- und Schwerölverfeuerung erschwerte. Die Energiepreise liegen höher als anderswo. Seitdem wird in den energieintensiven Branchen nur wenig in D investiert.

Ich hatte ein paar Jahre im Nahen Osten gearbeitet. Industriestrom kostete 3c/kWh, für Erdgas musste lediglich eine Anschlussgebühr bezahlt werden.

Mit Braunkohle, den abgeschriebenen umweltfreundlichen Kernkraftwerken könnte Deutschland einigermassen an solche Kosten herankommen und einen Kern energieintensiver Betriebe halten.

Mit einer auf ökoreligiösen Visionen basierenden Energieversorgung ist das völlig aussichtslos. Die Edelstahlerzeugung wird in D eingestellt, andere Branchen werden folgen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass viele Verarbeiter den Vorproduktherstellern folgen werden.

Viele sehr gut bezahlte Arbeitsplätze werden einer vorzeitlichen, destruktiven Religion geopfert.

Vandale

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