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11.08.2014

13:16 Uhr

Energieversorgung

Vertrauen in Russlands Liefertreue schwindet

VonKlaus Stratmann

Das Energiebarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung belegt wachsende Zweifel. Fachleute sehen allerdings noch keine akute Gefahr für die Versorgung mit Gas und Öl aus Russland.

Rohre für den Transport von Rohöl: In Frankreich ist die Skepsis gegenüber den Energielieferungen aus Russland größer als in Deutschland. dpa

Rohre für den Transport von Rohöl: In Frankreich ist die Skepsis gegenüber den Energielieferungen aus Russland größer als in Deutschland.

BerlinDie Zweifel an der Zuverlässigkeit russischer Energielieferungen wachsen. 59 Prozent der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Energieexperten in Deutschland geben an, ihre Einschätzung der Verlässlichkeit Russlands habe sich angesichts der Ereignisse der vergangenen Wochen leicht oder gar stark verschlechtert. Das ist das Ergebnis des ZEW Energiemarktbarometers, das dem Handelsblatt vorliegt. Für das Energiemarktbarometer werden halbjährlich 200 Energieexperten aus Wissenschaft und Praxis befragt.

In Frankreich ist die Skepsis größer: In den Augen von 76 Prozent der Experten jenseits des Rheins hat sich die Verlässlichkeit der Russen leicht oder gar stark verschlechtert. Das ergibt ein Expertenpanel der Grenoble Ecole de Management, das in enger Abstimmung mit dem ZEW durchgeführt wurde.

Die große Mehrheit der vom ZEW Befragten rät dazu, die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren. Aus Sicht von 88 Prozent der Befragten ist die Steigerung der Energieeffizienz ein Schlüssel zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit, nur 18 Prozent empfehlen die Nutzung der Kernenergie.

69 Prozent der Befragten raten dazu, den Ausbau der Infrastruktur für die Versorgung mit Flüssiggas (LNG) zu forcieren. Deutschland bezieht Erdgas ausschließlich über Pipelines und verfügt über keine LNG-Terminals. Sie sind erforderlich, damit Flüssiggastanker abgefertigt werden können. Belgien, Frankreich, Spanien und die Niederlande haben eigene LNG-Terminals. Flüssiggasexporteure sind Länder wie Katar, Indonesien und Malaysia.

61 Prozent der Befragten raten dazu, Pipelines im EU-Ausland auszubauen. Der Hintergedanke: Ein Zusammenwachsen des EU-Gasmarktes über einen Ausbau des Pipelinesystems könnte die Abhängigkeiten einzelner Länder reduzieren. Die EU fördert entsprechende Projekte.

Der Anteil Russlands an den deutschen Erdgasimporten liegt bei rund 40 Prozent. Davon fließt rund die Hälfte durch ukrainische Leitungen in Richtung Europa.

Eine akute Gefahr für die Versorgung mit Gas und Öl aus Russland sehen Fachleute im Moment allerdings noch nicht. "Die Sorge, dass auch Gas- oder Öllieferungen von russischen Sanktionen betroffen sein könnten, ist nach meiner Überzeugung im Moment nicht berechtigt", sagte DIHK-Außenhandelsexperte Tobias Baumann dem Handelsblatt. "Die Gaslieferungen sind in langfristigen Verträgen geregelt und mit hohen Investitionen in Gaspipelines verbunden. Russland ist auf die Einnahmen dringend angewiesen", sagte Baumann. Das gelte auch für das Ölgeschäft. "Der Ölpreis bildet sich zudem am Weltmarkt. Russland kann beim Öl keine Preise diktieren."

Kommentare (14)

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11.08.2014, 13:29 Uhr

Wenn mal da nicht die USA wieder ihre wirtschaftlichen Finger im Spiel hat....Stichwort Fracking (GAS und OEL) und Flüssiggasterminals in Europa bauen....wer eins und eins zusammenzählen kann, der weis ganz genau, wer den Aufstand in der Ukraine angezettelt hat und wer jetzt daraus Energiewirtschaftlich profitieren möchte. Das US-Frackinggas muss irgendwie vermarktet werden und da stört der Erdgaskonkurrent aus Russland nur. Die Amis treiben mit ihrer Energiepoltik eine Keil in Europa zwischen der EU und Russland.

Herr Fred Meisenkaiser

11.08.2014, 13:33 Uhr

Seit dem 2. Weltkrieg, über all die Jahre des Kalten Krieges beliefert uns Rußland zuverlässig mit Erdgas. Selbst nach den - mittlerweile widerlegten - Anschuldigungen zum Flugzeugabschuß MH-17 und den daraus irrsinnigerweise verhängten Sanktionen übt Rußland verhängte Rußland keinerlei Druck über das Erdgas.
Nein das tun die angeblichen Verbündeten in der Ukraine, während die Verursacher USA gemeinsam mit dem russischen Staatskonzern Roßneft nach Öl in der Arktis bohren.

Ich glaube es liegt ausschließlich an den Europäern, ob sie sich an der Seite der USA lächerlich machen, oder endlich ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen durchsetzen. Dann wäre die Versorgungssicherheit Europas 100% gesichert.

Herr Kurt Küttel

11.08.2014, 13:53 Uhr

@Fred Maisenkaiser und Marc Hofmann, werden Sie eigentlich als Schläfer von Putin bezahlt? An ihnen erkennt man, dass der Mauerfall für die BRD ein Scheissgeschäft war, jetzt haben wir noch mehr Kommunisten im Land. Aber ich habe ihre Daten an die NSA weitergeleitet, sie sollten künftig vorsichtig sein

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