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24.09.2013

11:13 Uhr

Energiewende à la française

In Frankreich hat es sich ausgestrahlt

VonThomas Hanke

Das zögerliche Vorgehen Hollandes bei der Kernenergie wirkt auf den ersten Blick solider als der überstürzte deutsche Beschluss. Doch das behäbige Tempo der Regierung bringt nichts, weil auch in Frankreich die Uhr tickt.

Atomkraftwerk in Frankreich: Das Land lässt sich mit der Energiewende gehörig Zeit. AFP

Atomkraftwerk in Frankreich: Das Land lässt sich mit der Energiewende gehörig Zeit.

Wer hätte das für möglich gehalten? Frankreich fährt behutsam seinen Nuklearsektor zurück. Wurde der angeblich so billige Atomstrom noch vor zwei, drei Jahren als großer Wettbewerbsvorteil verkauft, geht die Regierung nun realistischer an den in die Jahre gekommenen Nuklearpark heran. Am Wochenende hat sie das Ziel bekräftigt, den Beitrag zur Stromerzeugung bis 2025 von 75 auf 50 Prozent zu senken. Vorsichtig in einer Rede versteckte Premier Jean-Marc Ayrault zudem eine Ankündigung, die noch vor kurzem unmöglich gewesen wäre: Die abgeschriebenen Kernkraftwerke sollen durch eine spezielle Abgabe zur Finanzierung der Energiewende beitragen.

Das erinnert an deutsche Versuche, die Supergewinne der Versorger aus ihren abgeschriebenen Altanlagen abzuschöpfen. Der große Unterschied ist, dass es in Frankreich indirekt den Staat selber trifft, der noch immer Hauptaktionär des Energieriesen EDF ist.

Wer erwartet, die französische Regierung hätte Lehren aus dem deutschen Gestolpere in der Energiepolitik gezogen, sieht sich getäuscht. Ähnlich wie in Deutschland ist auch in Frankreich der Umstieg auf eine sichere und umweltverträgliche Energieversorgung ein Spiel mit vielen Unbekannten.

Was ist die größte Baustelle bei der Energiewende?

Immerhin: Das Ziel ist seit dem Wochenende klar. Bis 2050 will Staatspräsident François Hollande den Ausstoß von klimaschädigenden Gasen auf ein Viertel verringern. Doch der Weg dahin liegt im Nebel. Hollande, seit knapp anderthalb Jahren im Amt, nennt die Energiewende zwar "eines der wichtigsten Projekte der ganzen Legislatur", doch er lässt sich ungeachtet dieser Priorität gehörig Zeit damit.

Über Monate ist nun eine "nationale Debatte über die Energiewende" geführt worden. Ergebnis sind viele gute Prinzipien und Handlungsoptionen, aber wenig Konsens oder gar eindeutige Orientierung in den harten Fragen. Ein Beispiel: Als eine der Prioritäten wird der Netzausbau genannt. Dabei gibt es schon heute in der Bretagne und in Südostfrankreich im Winter erhebliche Versorgungsprobleme durch Netzüberlastung. Werden die geplanten großen Windparks vor der bretonischen und normannischen Küste angeschlossen, dürften sich die Probleme verschärfen. Eine Lösung dafür sucht man im Abschlussdokument der nationalen Debatte vergeblich.

Kommentare (12)

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vandale

24.09.2013, 11:41 Uhr

Der Artikel ist schwach und sehr vom ökosozialistischen Wunschdenken des Journalisten geprägt.

Politisch koaliert Hollande mit den Grünen und muss diesen immer wieder Tribut zollen. Andererseits haben die Sozialisten eine wichtige Basis in Gewerkschaften die sich in Frankreich sehr vehement zugunsten der Kernenergie aussprechen. Bislang hat es das F System sehr gut verstanden die Grünen mit allgemeinen, unverbindlichen Aussagen zu beruhigen. Möglicherweise wird man jetzt einige Mrd. € in den Rachen des ökokommerziellen Komplexes werfen müssen.

Die umweltfreundlichen Kernkraftwerke Frankreichs sind meist 20 - 35 Jahre alt. Im Gegensatz zu Deutschland hat man diese nur wenig modernsiert. Für die Dampferzeuger wurde im Gegensatz zu KWU in D ein Werkstoff gewählt der zur Korrosion neigt, Kosten Austausch 50 Mio. $/Stück. Turbinen, Generatoren, Transformatoren und die Leittechnik müssen erneuert werden. Gem. diverser Veröffentlichungen ist mit ca. 1 Mrd. €/Block, oder insgesamt 50 Mrd. € Erneuerungsinvestitionen zu rechnen. Dabei ist allerdings auch wiederum eine Leistungssteigerung von ca. 5% möglich. Aufgrund der geringen Betriebskosten der Kernkraftwerke ist eine solche Modernisierung die für Frankreich preiswerteste Möglichkeit Strom zu erzeugen.

Die technisch/wirtschaftlich sinnvolle Lebensdauer eines grossen LWR Kernkraftwerks liegt vorraussichtlich bei mehr als 60 Jahren. Vielleicht werden einige der heutigen Kernkraftwerke auch noch im kommenden Jahrhundert am Netz sein.

Vandale

HofmannM

24.09.2013, 11:55 Uhr

So ein schwachsinnger Progandaartikel!
Frankreich baut in Flamanville gerade ein neues Kernkraftwerk. Frankreich setzt weiterhin auf die billigste Energieerzeugung aus Kernkraftwerken. Frankreich ist eine Atommacht. Frankreich setzt in der Medizintechnik weiter auf Kerntechnische Diagnose/Bestrahlungs Geräte.
Frankreich ist kein Selbstmörder wie es Deutschland mit seiner Energiewende vormacht! Die deutschen Medien sollten sich lieber mal vor Ort in der Welt umschaun, alles immer auf diese Propaganda Artikel der Ökosozialisten von Greenpeace und Co. zurück zu greifen. Danke!

JosefSpitz

24.09.2013, 12:11 Uhr

Über die oekosozialistische Realitätsferne des Handelsblatts kann man nur noch den Kopf schütteln.
Statt Realismus Ökopropaganda.
Man müsste mal gemerkt haben, dass die deutsche Energiewende mausetot ist, bevor sie richtig angefangen hat.
Für eine Energiewende, das weiß inzwischen jedes Kind, brauchen wir zuallererst Energiespeicher in einer Größenordnung, die wir nie erreichen werden. Kein einziger ist im Bau.
Also bauen wir halt Kohlekraftwerke, weil AKWs ja z.Zt. nicht en vogue sind.
Was ist das für eine Energiewende?

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