Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.03.2014

15:28 Uhr

ENERGIEWENDE

Bürger produzieren Strom selbst

VonKlaus Stratmann

Einer Umfrage zufolge rechnen Energie-Manager für die nächsten Jahre mit einem Stromabsatzverlust. Grund ist der Trend zur Eigenerzeugung, die für Privatleute immer attraktiver wird.

Solarmodule auf einem Hausdach: Für den selbst hergestellten Strom fallen die Umlagen weg. dpa

Solarmodule auf einem Hausdach: Für den selbst hergestellten Strom fallen die Umlagen weg.

BerlinDie Stromproduktion im eigenen Haus wird immer attraktiver und beschert etablierten Energieunternehmen spürbare Absatzverluste. Das zeigt eine Umfrage des Beratungsunternehmens Celron für das Forum für Zukunftsenergien, die dem Handelsblatt vorliegt. Celron hat eine repräsentative Gruppe von Führungskräften aus Energieunternehmen befragt. Die Manager rechnen bis 2020 mit einem Stromabsatzverlust von elf Prozent. Das entspricht einem Umsatzverlust von gut acht Milliarden Euro pro Jahr.

Ausschlaggebend für die Entwicklung ist der Trend zur Eigenerzeugung. Die Kosten für dezentrale Stromerzeugungsanlagen sinken, zugleich fallen die Preise für Batteriespeicher stark. Strom lässt sich daher mittels Photovoltaik auf dem Hausdach oder mit einer Strom produzierenden Heizungsanlage im Keller unterhalb der Kosten für den Strombezug aus dem öffentlichen Netz herstellen.

Ceramic Fuel Cells: Lautloses Kraftwerk für den Keller

Ceramic Fuel Cells

Lautloses Kraftwerk für den Keller

In Heinsberg fertigt ein Startup effiziente Brennstoffzellen-Kraftwerke in Kleinserie.

Die Autoren prognostizieren, die Selbsterzeuger entwickelten sich zu einer neuen "Marktmacht, die einen Platz im Mittelfeld unter den Top Ten der deutschen Energieunternehmen einnehmen wird". Je mehr Strom daheim hergestellt wird, um so attraktiver wird dieses Modell: Für den in kleinen Anlagen selbst hergestellten Strom fallen die Umlagen weg, etwa für die Förderung erneuerbarer Energien und für die Netzentgelte. Im Umkehrschluss steigt die Umlage für die übrigen Verbraucher, die ihren Strom auf herkömmlichem Wege beziehen. Dadurch steigt wiederum die Attraktivität der Eigenerzeugung.

Die Energieunternehmen müssen sich angesichts der Entwicklung nach neuen Geschäftsfeldern umschauen. Die befragten Manager sehen Chancen im Bereich der Energiedienstleistungen.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

06.03.2014, 15:57 Uhr

"Grund ist der Trend zur Eigenerzeugung, die für Privatleute immer attraktiver wird. "
---
Ich glaube kaum, daß sich der Staat dieses Geld auf Dauer entgehen läßt. Es ist, wenn der Trend zu energetischen Selbstversorgung anhält, nur eine Frage der Zeit, bis entsprechende Abgaben und Steuern plus natürlich die MwSt. eingeführt werden.

Account gelöscht!

06.03.2014, 16:30 Uhr

@Wolfsfreund
Sehe ich genauso.
1. Wenn jeder Privatmann in D seinen Strom selbst herstellt, wer bezahlt dnan bitte noch die EEG-Umlage für die 20-Jahres-Subventionen? Die Industrie bestimmt nicht, also wird der Eigenstrom belastet.
Einzige Ausweichmöglichkiet wäre, es einen Dritten zahlen zu lassen, z.B. über die EinkSt. über Energie-Soli.
2. Bevors hier nicht "richtig rumpelt" ändert sich nichts. Es muss einen ja fast wundern, dass es so lange gut ging.

Account gelöscht!

06.03.2014, 17:14 Uhr

@JoergDuerre
"Bürgerinitiative zur Selbständigkeit wird systematisch abgewürgt und durch Abhängigkeit von internationalen Großkonzernen ersetzt."

Genau darum geht es. Das EEG ist imgrunde nur ein gigantisches Umverteilungs- und Steuererhebungsprogramm. Es geht hier nicht um die "saubere Energie" wie vorgegeben. Und das es nicht um sauberen Strom geht, werden Sie spätestens dann erkennen, wenn eine "kritische Masse" von Bürgern sich aus dem Zwangssystem verabschieden will, indem diese den Strom selbst herstellt. Der Staat hat 20jährige Verträge mit den Erzeugern geschlossen. P.a. sind derzeit 23 MRD Euro für die Altverträge zu berappen. Wie sollen die Verpflichtungen aus den Verträgen eingehalten werden, wenn die betroffenen Bürger mit den Füßen abstimmen?
Entweder legt man die Lasten dann um (Griff in welche Kasse? Energie-Soli?, Renten- oder Krankenkasse, wie es dieser Tage wieder passiert?) in andere Haushalte, oder der Eigenstrom wird belastet. Spätestens dann sollte aber jedem aufgehen, wie "grün" diese Politik ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×