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30.07.2013

15:33 Uhr

Energiewende

Der Kahlschlag bleibt aus

Hunderttausende Jobs weg, Abwanderung großer Unternehmen: Die Folgen der Energiewende wurden in dramatischen Farben gemalt. Eingetreten ist das nicht. Doch die Industrie sorgt sich um ihre Sonderkonditionen.

Schaltschutz in einem Kraftwerk: Industriebetriebe erwarten dauerhaft steigende Strompreise. dpa

Schaltschutz in einem Kraftwerk: Industriebetriebe erwarten dauerhaft steigende Strompreise.

BerlinMit dem US-Finanzminister Henry Morgenthau verbindet sich heute vor allem seine 1944 publik gewordene Idee, Deutschland nach dem Krieg in einen Agrarstaat umzuwandeln. Nach dem Abschalten von acht Atomkraftwerken und dem Ausrufen einer forcierten Energiewende sahen Kritiker darin eine Art Morgenthau-Plan 2.0. Es gab Warnungen vor dem Verlust Hunderttausender Jobs in der Industrie, denn über 40 Prozent des Stroms wird in diesem Sektor verbraucht.

Doch die Realität ist eine andere. Zwar gibt es weitaus wichtigere Einflussfaktoren für die weiterhin recht gute Lage in Deutschland, aber zumindest hat die Energiewende keinen Kahlschlag befördert. Laut des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) fürchten jedoch fast alle Industriebetriebe, „dass steigende Strompreise dauerhaft der unerwünschte Begleiter der Energiewende sein werden“. Bereits kleine Steigerungen könnten zu Abwanderungen aus Deutschland führen. Gerne verweisen die Unternehmen auf die auch dank des Booms von Gas-Fracking günstigeren Energiepreise in den USA.

Zuletzt stieg in Deutschland die Zahl der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe auf 5,27 Millionen. Und im Gegensatz zu den Verbraucherpreisen stiegen die Industriestrompreise nur minimal. Bei einem Jahresverbrauch bis 20.000 Megawattstunden sind nach Angaben des Branchenverbandes BDEW inklusive Stromsteuer im Schnitt 14,87 Cent je Kilowattstunde zu zahlen - 2012 waren es 14,33 Cent, zuvor 14,04 (2011) und 12,07 Cent (2010). Dabei profitiert die Industrie derzeit von sinkenden Einkaufspreisen - dank mehr Solar- und Windstrom. Aber bis 20.000 Megawattstunden Verbrauch muss die volle Ökostrom-Umlage gezahlt werden, weshalb hier die staatlichen Belastungen von 0,6 Cent (2000) auf 7,25 Cent gestiegen sind.

Der Positiveffekt sinkender Einkaufspreise schlägt aber für die sehr energieintensive Industrie, also etwa Aluschmelzen, voll durch. Bei einem Verbrauch von 70.000 bis 150.000 Megawattstunden im Jahr gibt es umfassende Rabatte, hier sanken die Stromkosten laut BDEW sogar - von 10,07 (2011) auf 9,26 Cent die Kilowattstunde 2012. Zum Vergleich: Ein Haushalt zahlt in Deutschland derzeit etwa 28 Cent.

Kommentare (13)

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AxelSiegler

30.07.2013, 16:05 Uhr

"weil die Verbraucher, auch der Hartz-IV-Empfänger, dies über ihren weit stärker steigenden Strompreis mitzahlen." - der H4-Empfänger zahlt GAR NIX! Von dem geschenkten Geld bleibt höchstens wg hoher Strompreise weniger übrig - und einem geschenkten Gaul guckt man gefälligst nicht ins Maul! Zahlen muss bei diesen parasitären Elementen letztlich ja immer der Steuerzahler - also wohl letztlich auch wieder diese Unternehmen!

AxelSiegler

30.07.2013, 16:08 Uhr

"Keine Partei hat bisher ein Patentrezept für eine faire Lastenverteilung" > ganz einfach: es sollten nur diejenigen die Lasten der Energiewende tragen, die sie wollten! Unbeteiligte Dritte haftbar zu machen aber ist linker Raub!

SteuerKlasseEins

30.07.2013, 16:13 Uhr

Ein guter und wichtiger Punkt. Bei so viel "Mitgefühl" für die Transferzahlungsempfänger fragt man sich, wo es in diesem Land noch "Mitgefühl" für die Leute gibt, die über 50% ihrer Arbeit (und damit praktisch ihres Lebens) für den Sozialstaat opfern müssen? Geht es diesen Leuten immer noch "zu gut", so daß sie jetzt auch noch die Energiewende auf ihren Rücken packen sollen? Gibt es überhaupt eine Obergrenze für Belastungen, oder ist jeder der noch nicht zusammenbricht immer noch "stark" genug für mehr Steuerlast und mehr grüne Schikanen?

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