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07.01.2014

06:23 Uhr

Energiewende

Höchste Braunkohle-Stromproduktion seit Jahrzehnten

Inzwischen werden fast 25 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen produziert, und trotzdem sinkt die CO2-Bilanz nicht. Denn es wird wieder deutlich mehr umweltschädliche Braunkohle verbrannt.

Ein beleuchteter Schaufelradbagger fördert vor der Kulisse eines Windrades im Tagebau Braunkohle für das Kraftwerk Lippendorf. ZB

Ein beleuchteter Schaufelradbagger fördert vor der Kulisse eines Windrades im Tagebau Braunkohle für das Kraftwerk Lippendorf.

BerlinTrotz der milliardenschweren Förderung erneuerbarer Energien ist die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle 2013 in Deutschland auf den höchsten Wert seit 1990 geklettert. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Demnach wurden 2013 über 162 Milliarden Kilowattstunden Strom in Braunkohlekraftwerken erzeugt – 1990, als noch viele alte DDR-Meiler liefen, waren es knapp 171 Milliarden Kilowattstunden. Dadurch wird trotz eines Ökostromanteils von inzwischen knapp 25 Prozent mit einem erneut gestiegenen CO2-Ausstoß in Deutschland gerechnet. Besonders im Rheinland und in der Lausitz wird der Strom aus Braunkohle produziert.

Die Grünen forderten von Union und SPD, dem Trend rasch entgegen zu wirken, er sei dramatisch für die Klimaschutzbilanz. „Wer es mit dem Klimaschutz ernst meint, muss dafür sorgen, dass immer weniger Strom aus der Braunkohle kommt“, sagte die Umweltpolitikerin Bärbel Höhn. „Der CO2-Ausstoß braucht einen entsprechenden Preis, damit sich klimaschonendere Gaskraftwerke durchsetzen können“, sagte sie. „Die Braunkohlekraftwerke sind nach den Atomkraftwerken die entscheidenden Renditebringer von RWE und Co. Da werden auch die ganz alten Kraftwerke nicht abgeschaltet“, so Höhn.

Insgesamt beförderte die Zunahme auch einen neuen Rekord beim Export von Strom – dieser lag bei rund 33 Milliarden Kilowattstunden. „Deutschland hat 2013 an acht von zehn Tagen mehr Strom exportiert als importiert. Das ist zu einem Großteil Strom aus Braun- und Steinkohlekraftwerken“, sagte der Strommarktfachmann Patrick Graichen von der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende. „Diese verdrängen damit Gaskraftwerke nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland – insbesondere in den Niederlanden“, erläuterte Graichen. Experten gehen von guten Einnahmen durch den Kohlestromverkauf im Ausland aus.

Auch die Stromproduktion in Steinkohlekraftwerken stieg um 8 Milliarden auf mehr als 124 Milliarden Kilowattstunden, während die Stromproduktion in Gaskraftwerken um 10 auf 66 Milliarden Kilowattstunden zurückging. Damit fangen vor allem Kohlekraftwerke den Wegfall von acht Atomkraftwerken auf, während sich CO2-ärmere, aber im Betrieb teurere Gaskraftwerke derzeit kaum rechnen.

Kommentare (29)

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07.01.2014, 07:47 Uhr

Worum ging es noch mal ursprünglich, als man diese Energiewende initiierte? Richtig, es ging darum, das globale Klima zu retten und die Co2-Emissionen zu reduzieren. Dies war doch damals jedenfalls die offizielle Begründung der ökologischen Partei. Nun will man in Deutschland alle CO2-freien Atomkraftwerke abschalten und merkt nun, dass sich die Emissionen aus der Braunkohle nicht reduzieren, im Gegenteil? Potz Blitz, welch eine Überraschung! Das war nun aber wirklich nicht zu erwarten. :-) Die aktuelle Fehlentwicklung sollte unsere Politik jedoch sehr wenig kümmern. Geht es ihr doch in erster Linie um das Abkassieren der eigenen Bürgerr via Ökosteuern durch das künstliche Verteuern von Energie und nicht um die Verbesserung der Welt. Die von Herrn Altmaier in den Raum gestellten 1 Billion Euro (dieser Betrag ist viel zu niedrig gegriffen) dienen also nicht dem Klima? Wem kommt die Billion denn zugute????????

Ingenieur

07.01.2014, 08:14 Uhr

Die Politik sollte endlich etwas gegen die Überproduktion von Kohlestrom aus nicht regelfähigen Kraftwerken unternehmen. Der Verkauf von Strom aus diesen Kraftwerken zu Dumpingpreisen lässt den Börsenstrompreis einbrechen und die CO2-Produktion explodieren. Der Börsenstrompreis sollte durch temporäres Abschalten von Kohlekraftwerken wieder in den Bereich von 5-6 Cent gebracht werden, dann wäre die EEG-Umlage kleiner 5 Cent und Gaskraftwerke könnten wieder wirtschaftlich arbeiten.

Rene

07.01.2014, 08:22 Uhr

Die Energiewende ist stark ideologiegetrieben, vor allem in diesem Tempo mit der Abschaltung der AKWs über Nacht. Bei solch großen Projekten muss man behutsam vorgehen und regelmäßig die Maßnahmen und Ergebnisse evaluieren. In NRW gehen am Arbeitsmarkt die Lichter aus, stoppt man den Braunkohleabbau.

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