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06.09.2013

19:14 Uhr

Energiewende

Keine Lösung in Sicht

VonKlaus Stratmann

Ein überzeugendes Konzept für eine EEG-Reform ist bislang nicht in Sicht. Das Quotenmodell der Monopolkommission hat auch seine Tücken. Von der Branche selbst kommen ebenfalls keine brauchbaren Alternativen.

Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen: Die Debatte konzentriert sich noch zu stark auf die EEG-Reform. dpa

Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen: Die Debatte konzentriert sich noch zu stark auf die EEG-Reform.

Der Vorschlag der Monopolkommission klingt überzeugend: Künftig wird eine Quote für den Ausbau der erneuerbaren Energien festgelegt, den Rest regelt der Markt. Der positive Effekt: Die kostengünstigsten Varianten der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen machen das Rennen. Nach vielen Jahren der staatlich festgelegten Einspeisevergütungen ohne Markt und ohne Mengensteuerung käme Vernunft ins Spiel, könnte man meinen. Doch der Eindruck täuscht. Auch das Quotenmodell hat seine Tücken.

So einfach es klingen mag, nur eine jährliche Quote für Ökostrom festzulegen und den Rest dem Markt zu überlassen - das Quotenmodell würde einige Erzeugungsformen komplett verdrängen. Nur die Windkraft an Land wäre der Gewinner. Ein ausgewogener Mix der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen mit energiewirtschaftlich sinnvoller regionaler Verteilung wäre so nicht hinzubekommen. In diesem Fall ist die einfachste Lösung nicht die beste, leider.

Welche Alternativen werden angeboten? Von der Erneuerbare-Energien-Branche selbst bekommt man keine brauchbaren Antworten, sie bleibt im Ungefähren. Dahinter steckt ein leicht durchschaubares Kalkül. Die Branche will vom derzeit geltenden Erneurbare-Energien-Gesetz (EEG) so viel wie nur eben geht beibehalten: den Einspeisevorrang, die auf 20 Jahre garantierten festen Vergütungen, den Verzicht auf eine Mengensteuerung, die Marktferne.

Mit ihrer Zurückhaltung hinsichtlich konkreter Reformvorschläge bewegt sich die Erneuerbare-Energien-Branche in bester Gesellschaft. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betont zwar immer wieder, dass sie im Falle ihrer Wiederwahl die Reform des EEG ganz nach oben auf die Tagesordnung setzen werde. Bislang hat sie aber jede Festlegung vermieden. So hält es auch Umweltminister Peter Altmaier (CDU), der am Donnerstag erklärte, er finde den Vorschlag der Monopolkommission "interessant", was alles und nichts bedeutet. Altmaier preist im Übrigen seine Kürzungsvorschläge aus der Vergangenheit an. Die haben allerdings den Nachteil, nur an den Symptomen zu doktern. Eckpunkte für eine grundlegende Reformen hat auch Altmaier nicht zu bieten.

Leider verengt sich die Debatte bisher viel zu sehr auf die EEG-Reform. Sie kann aber nur Bestandteil eines Systemwechsels sein. Es geht darum, die Welt der Erneuerbaren mit der Welt der konventionellen Kraftwerke zusammenzuführen. Die über Jahre verschleppte EEG-Reform hat längst zu enormen Kollateralschäden geführt: Viele für den Erhalt der Systemstabilität unverzichtbare fossile Kraftwerke lassen sich nicht mehr rentabel betreiben.

Das darf so nicht weitergehen. Wer also die Reform der Erneuerbaren will, muss gleichzeitig den Markt für fossile Kraftwerke neu ordnen. Beides zu bewältigen ist ein Großprojekt von enormer Tragweite. Der künftigen Bundesregierung ist dabei viel Erfolg zu wünschen.

Kommentare (16)

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vandale

06.09.2013, 19:56 Uhr

Die einfachste Lösung wäre das EEG abzuschaffen. Man könnte die Betreiber bestehender Anlagen mit Umweltauflagen, oder Aehnlichem dazu motivieren ihren Giftmüll (Solaranlagen) von den Dächern zu nehmen, bzw. den Stahl und das Kupfer der Windmühlen sinnvoller zu nutzen.

Die Gesellschaft würde dann ca. 30 Mrd. €/2013 sparen.




Account gelöscht!

07.09.2013, 12:34 Uhr

Wir brauchen keine Quotenlösung. Begründung: Aufgrund der Zunahme regenerativer Energien und ihres Vorrangs bei der Einspeisung, muss die Leistung von Kohle-Kraftwerken immer mehr reduziert werden. Somit ergibt sich das Dilemma, dass zum einen diese nicht mehr rentabel arbeiten können, was zu hohen Kosten führt, zum anderen, sie aber für die Grundlastversorgung dringend benötigt werden. Dieses Problem lässt sich inzwischen dadurch lösen, indem für die Grundlastversorgung zukünftig nicht nur Kraftwerke allein, sondern auch neuartige Pumpspeicher mit schwimmendem Speicherteil flächendeckend eingesetzt werden Diese verfügen als einzige Energiespeicher über eine vergleichbar große Leistung und sind jederzeit abrufbereit. Im Gegensatz zu Kohle-Kraftwerken gibt es bei ihnen keinen Schadstoff-Ausstoß und sie kosten wesentlich weniger als diese, in der Herstellung, besonders aber im Unterhalt. Mit herkömmlichen Speichern, einschließlich Pumpspeichern, war dies bisher technisch nicht möglich und wirtschaftlich auch nicht sinnvoll. Im Übrigen würde eine Quote immer so niedrig angesetzt, dass sie die Wirtschaft vermeintlich nicht belastet. So würden höhere Ausbauziele, die das Gegenteil dessen bewirken, nie erreicht werden.

vandale

07.09.2013, 16:33 Uhr

Technische Wunderwerke, aktuell sind Stromspeicher und Wunderkernkraftwerke in, findet man in WIWO Green und diversen Blogs.

Der Nachteil solcher übernatürlichen Wunder ist, dass diese üblicherweise eine Illusion bleiben. Die enttäuschten Anhänger spinnen dann irgendwelche Verschwörungstheorien von pösen Konzernen etc.

Vandale

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