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05.08.2013

15:46 Uhr

Energiewende

Lasst den Bürger machen

Die Energiewende muss nicht von oben gesteuert werden. In der Hand der Bürger kann das Mammutprojekt neuen Schwung bekommen. Denn der Konsument ist in den letzten Jahren immer mehr zum Produzenten geworden.

Photovoltaik-Anlage: Der Bürger selbst kann die Energiewende antreiben. dpa

Photovoltaik-Anlage: Der Bürger selbst kann die Energiewende antreiben.

Die Energiewende ist zwar in aller Munde, doch in der Realität tut sich wenig. Wer glaubt, mit einigen Windparks und Photovoltaik-Anlagen die Wende einzuleiten, der irrt. Unser gesamtes Energieversorgungssystem ist um eine fossile Grundlast herum aufgebaut. Oder anders gesagt: Zentrale Produktionsstrukturen sind auf große Kraftwerke mit hoher Grundlast ausgerichtet. Eine kleinteilige, volatile Energieerzeugung, die völlig ungesteuert von privaten Dächern oder Wiesen eingespeist wird, ist deshalb Gift. Und je mehr es davon gibt, umso größer fallen die Irritationen für die bestehenden Netze aus.

Die Energieversorgungsunternehmen sagen mittlerweile nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand, dass die Energiewende entweder wieder abgeblasen werden muss oder aber die bestehende Versorgungslandschaft grundlegend umzubauen ist. Und am Letzteren haben diese Unternehmen selbstverständlich kein Interesse. Es ist daher auch kein Zufall, dass ausgerechnet Deutschland eine Reform des C02-Zertifikatehandels blockiert und es daher auch weiterhin ökonomisch sinnvoll ist, alte Kohlekraftwerke zu betreiben - als wären wir noch mitten im 19. Jahrhundert.

Andreas Knie leitet das Innovationszentrum InnoZ. PR

Andreas Knie leitet das Innovationszentrum InnoZ.

Das Projekt Energiewende geht daher viel tiefer an die Grundlagen unserer Industriegesellschaft, als uns lieb ist.

Nicht besser sieht es aus bei den Elektroautos, dem anderen großen Innovationsprojekt der Kanzlerin. Wer glaubt, die angekündigte eine Million E-Fahrzeuge im Jahr 2020 sei nur ein erster kleiner Meilenstein, der liegt völlig falsch. Ohne eine massive Änderung der politischen Rahmenbedingungen gibt es weder eine Energie- noch eine Verkehrswende.

Aber muss denn überhaupt alles der Staat machen? Überall sind Menschen unterwegs, die Photovoltaik-Anlagen montieren, die ihre Autos verleihen oder selbst Carsharing betreiben. Der Konsument von Leistungen ist in den letzten Jahren immer mehr selbst zum Produzenten geworden: zum Prosumer. Kann man diese zivilgesellschaftlichen Aktivitäten nicht für den Wandel einsetzen, damit der Strom dort produziert wird, wo man ihn braucht?

Offshore-Anlagen

Windige Wende

Offshore-Anlagen: Windige Wende

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Warum kann man nicht überall die Gründung kleiner, schlauer Netze animieren, die keine Vergütung mehr für die unkontrollierte Einspeisung von erneuerbaren Energien bekommen, sondern einen örtlich begrenzten Versorgungsauftrag erhalten - und dafür von allen Umlagen befreit werden und nur noch eine "Stromversicherung" abschließen müssen, wenn Sonne und Wind nicht ausreichen?

Wenn man diese Perspektive einschlägt, dann werden Energiespeicher zu einem großen Thema, und plötzlich erscheinen auch E-Fahrzeuge in neuem Licht. Wenn kleine, schlaue Netze Strom für zehn Cent produzieren, liegen die Kosten für 100 Kilometer bei etwas über einem Euro und machen das Fahren mit dem E-Auto sehr attraktiv. Die hohen Anschaffungspreise lassen sich wirkungsvoll reduzieren, wenn die Fahrzeugflotte Teil der Speicherlandschaft ist und damit die Kosten für die teuren Energiespeicher reduziert. Die Energie- und Verkehrswende wird in der Hand der Bürger plötzlich möglich.

Andreas Knie leitet das Innovationszentrum InnoZ, Weert Canzler forscht am WZB in Berlin.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

05.08.2013, 18:58 Uhr

...und schon wieder haben "Tschornalisten" Ihre schützende Hand über die Grünen gehalten und 2 Diskussionen einfach abgewürgt.
SCHÄMT EUCH!!!

Account gelöscht!

05.08.2013, 19:00 Uhr

Im westfälischen Lichtenau gibt es einem Bürgerwindpark zur regionalen Selbstversorgung. Der Strom kostet heute für Neukunden 23,14 ct pro kWh zuzüglich. MwSt.. Davon entfallen ca. 56% für den tatsächlichen Strom und 44 % für Netzkosten und gesetzliche Abgaben, die der Stromerzeuger nicht beeinflussen kann. Der Strompreis ist klar kalkuliert und kann daher für 10 Jahre garantiert werden. Andere Preisbestandteile wie die dem Bürger aufgezwungene Offshore-Haftungsumlage ("Rösler-Soli") können den Preis beeinflussen.

Bei Windflaute werden die Kunden über die Firma Becomac mit Sitz in Leipzig versorgt. Dabei übernimmt Becomac die Aufgabe, rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr immer dann den Strom zu liefern, wenn das Windangebot im Windpark Asseln nicht zur Versorgung der Kunden ausreicht. Da mehr als 10 ct./kWh zur Stromerzeugung zur Verfügung steht, wäre es auch kein Problem in solchen Fällen den Strom über ein älteres Gaskraftwerk zur Verfügung zu stellen.

http://www.windpark-lichtenau-asseln.de/

JJJ

05.08.2013, 19:48 Uhr

Die NSA soll das machen.

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