Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.07.2013

17:17 Uhr

Energiewende umgekehrt

Die Renaissance der Kohle

Der Ausbau grüner Energien boomt. Aber auch die Stromproduktion in Kohlekraftwerken. Kommt bei der Energiewende der angepeilte Klimaschutz unter die Räder?

Kohlekraftwerk bei Pulheim: Die Kohlendioxid-Ausstöße sind im letzten Jahr wieder gestiegen. dpa

Kohlekraftwerk bei Pulheim: Die Kohlendioxid-Ausstöße sind im letzten Jahr wieder gestiegen.

BerlinDie Bahn fährt mit Ökostrom. Der Bundestag bezieht ihn. Und 25 Prozent des Stroms, der in deutschen Haushalten beim Saugen und Fernsehen verbraucht wird, ist schon grün. Schöne neue Welt? „Die Energiewende ist ja nicht irgendeine Erfindung. Wir machen sie deshalb, weil wir glauben, etwas für unser Klima tun zu müssen“, erklärte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) Anfang Mai dem Millionenpublikum der ZDF-„heute-show“. Wenn Deutschland und Europa es nicht schafften, Vorreiter beim Klimaschutz zu bleiben, dann laufe alles weltweit in eine „dramatisch falsche Richtung“. Das Blöde nur: In Deutschland steigen durch die Energiewende gerade die Emissionen.

Nach Angaben der AG Energiebilanzen stieg 2012 die Stromgewinnung in Braunkohlekraftwerken um 8,9 Milliarden Kilowattstunden (kWh) auf 159 Milliarden - bei der Steinkohle waren es mit 118 Milliarden 5,6 Milliarden kWh mehr. Allein die klimaschädliche Braunkohleverstromung stieg damit um fünf Prozent.

Bei der klimafreundlichen Stromgewinnung in Gaskraftwerken gab es hingegen ein Minus von 12,5 Milliarden kWh. Ein ähnliches Minus gab es wegen der Stilllegung von acht AKW bei der Atomkraft. Insgesamt lag das Wachstum bei der Kohleverstromung noch über dem bei Windkraft, Solarenergie, Biomasse und Wasserkraft.

Das Ergebnis in der deutschen Klimabilanz: Erstmals seit langem sind die Kohlendioxid-Ausstöße 2012 wieder gestiegen, um 2,2 Prozent. „Das ist ein Ausreißer in einer bisher positiven Entwicklung“, versucht Altmaier zu beschwichtigen.

Aber wie passt es dazu, was im CDU/CSU-Wahlprogramm steht? Mit Blick auf die Energiewende wird dort ausdrücklich betont: „Durch den Einsatz modernster Technologien kann auch die heimische Braunkohle eine wichtige Rolle spielen“. Auch die SPD ist kohlefreundlich, während die Grünen nach dem Atom- nun auch bis 2030 einen Kohleausstieg wollen. Das dürfte, sollte es für Rot-Grün bei der Bundestagswahl reichen, viel Zündstoff bergen.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.07.2013, 17:49 Uhr

Wir zahlen jedes Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag für Ökostrom und dann stellen wir fest, dass der CO2 Ausstoß gestiegen ist. Staatswirtschaft geht fast immer verschwenderisch mit Geld um und erreicht selten das, was man anpeilte.

Wie machen das denn andere Länder? Die Skandinavier setzen schon lange auf einen Mix aus Atomkraft, Wasser und ein bisschen Wind. Von der CO2-Bilanz der Franzosen mit ihren vielen Atomkraftwerken können wir nur träumen. Deutschland ist mit großem Abstand der größte CO2-Emittent in Europa.

Diesen Juni ging ein neues Atomkraftwerk in China ans Netz, gebaut von der Firma CGN, die mit dem Slogan wirbt: "Building A World-class Clean Energy Group". Diese Firma hat 6 GW Atomkraftwerke + 17 GW im Bau, 4 GW Wind und 3.5 GW Wasser.
Haben die denn keine Angst wegen Fukushima? Die Arbeiter in den Atomkraftwerken haben vielleicht ein erhöhtes Krebsrisiko, auf die japanische Bevölkerung gibt es keine Auswirkungen (siehe WHO). Das sollte man in Relation setzen zur Ursache der dreifachen Kernschmelze: ein Erdbeben und Tsunami, die zusammen fast 20 000 (!) Menschen das Leben gekostet haben.

Angst ist selten ein guter Ratgeber. Und Ideologien schon gar nicht, auch wenn sie grün angestrichen sind.

vandale

23.07.2013, 18:57 Uhr

Der Kommentar wird von der ökosozialistischen Orientierung des Journalisten bestimmt.

Der Journalist spricht von grossen Risiken der Kernenergie. Real gibt es keine Energiequelle die weniger Risiken kennt und die weniger Opfer fordert. Möglicherweise glaubt der Journalist die eigenen Phantasieartikel zum Thema Fukushima.

Wind- und Solarstrom kann niemanden versorgen. Die Einspeisung erfolgt gem. der Launen des Wetters. Bei einer Zunahme der Kapazitäten der umweltschädlichen Windmühlen und Solaranlagen wird es ca. 1000 Stunden im Jahr geben an denen diese Stromerzeugung den Bedarf übersteigt und viele 1000 Stunden an denen kaum Oekostrom erzeugt wird.

Die Last der Stromversorgung wird von Kohle- und Kernkraftwerken getragen. Wenn man die Kernkraftwerke im religiösen Delirium abschaltet, steigt der Kohleanteil.

Vandale

Rainer_Klute

23.07.2013, 20:16 Uhr

Warum lehnt Deutschland Kernenergie ab? Wegen der »großen Risiken der Atomkraft«, wie es dieser Artikel als Präsupposition formuliert.

Schaut man aber auf die tatsächlichen Opferzahlen und setzt sie in Relation zur produzierten Strommenge, dann zeigt sich: Kernenergie ist gar nicht so gefährlich, wie immer behauptet wird. Daß Kohle um ein Vielfaches gefährlicher ist, wird niemanden überraschen. Daß Kohle laut WHO Jahr für Jahr weltweit 1 Million Menschen tötet, weiß nicht jeder und macht betroffen. Doch sogar Solarenergie fordert je produzierter Terawattstunde viermal soviel Tote wie Kernenergie. Kernkraft ist nicht nur sehr sicher, es die sicherste Energieform überhaupt.

Wenn wir uns vor Kernenergie fürchten, dann lediglich aufgrund unserer Gefühle, nicht auf der Basis von Fakten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×