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29.07.2014

16:01 Uhr

Energiewende

Wie ein Kapazitätsmarkt funktionieren könnte

Kraftwerke sollen nicht mehr nur für die abgegebene Leistung Geld erhalten, sondern auch für ihre Betriebsbereitschaft. Das soll Anreize schaffen, Kraftwerke nicht ganz abzuschalten, sondern als Reservequellen zu halten.

Konventionelle Kraftwerke sollen Reserveleistungen bereithalten – und dafür bezahlt werden. dpa

Konventionelle Kraftwerke sollen Reserveleistungen bereithalten – und dafür bezahlt werden.

BerlinBisher wird Energie vor allem über die Strombörse verkauft. Auf Jahre hinaus sichern Kraftwerke eine bestimmte Stromliefermenge zu (Termingeschäfte), hinzu kommt der vom Wetter abhängige und daher in kurzfristigen Geschäften verkaufte Ökostrom. Da viele konventionelle Kraftwerke dadurch weniger Strom absetzen können, soll ein zweiter Markt ihnen neue Chancen bieten. Eine Stilllegungswelle soll vermieden werden, um die Stromversorgung zu sichern.

Beispiel: In einer Region in Süddeutschland wird zur Sicherung der Versorgung eine Leistung von 5000 Megawatt ermittelt. In einer Auktion werden entsprechende 5000 Zertifikate angeboten, rund 20 Kraftwerke mit den günstigsten Angeboten und einer Gesamtleistung von 5000 Megawatt bekommen den Zuschlag. Wenig rentable Kraftwerke bekommen so eine zusätzliche Einnahmequelle.

Stromversorger müssen sich mit Zertifikaten eindecken, damit sie auch an schwachen Wind- und Solarstromtagen die nötigen Mengen an ihre Kunden liefern können. Das kann bedeuten, dass Kraftwerke 360 Tage im Jahr still stehen, aber dann zur Erfüllung der Zertifikate ein paar Mal für wenige Stunden anfahren müssen.

Der Verband kommunale Unternehmen verweist auf eine Studie, wonach sich durch so ein System ein Strombörsenpreis von 60-80 Euro je Megawattstunde (mehr als derzeit) und ein Leistungspreis für Kraftwerksbetreiber von 55 000 Euro je installiertem Megawatt im Jahr ergeben könnte. Ein Gas- oder Kohlekraftwerk mit 500 MW Leistung könnte also durch die „Stromliefergarantie“ bis zu 27,5 Millionen Euro zusätzlich einnehmen. Mittelfristig sei das aber für Stromkunden günstiger als stark steigende Großhandelspreise bei zu vielen Stilllegungen, so die Erwartung.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Rainer Feiden

29.07.2014, 16:37 Uhr

Ob man das Kind nun "Bereithaltesubvention für konventionelle Kraftwerkskapazität" oder eben einfach "Kapazitätsmarkt" nennt, dürfte für den Endverbraucher ziemlich gleich sein, der muss am Ende doch die Zertifikate zahlen.

Der Strompreis wird durch diesen neuen Preis im planwirtschaftlichem perpetuum mobile weiter ansteigen. Und selbstverständlich wird hierfür auch Strom- und Mehrwertsteuer fällig werden.

Account gelöscht!

30.07.2014, 08:45 Uhr

Es gibt keinen Kapazitäts MARKT, es gibt nur das politische Kapazitäts System.
Mit Marktwirtschaft hat dieses politisch geführte und bestimmende Quoten-Kapazitätssystem nichts aber auch gar nichts mehr zu tun!!!
Die Politik erdreistet sich mit diesen Kapazitätssystem in Zukunft darüber zu bestimmen wie viel Energie erzeugt und verbraucht werden darf. Dies ist eine unfassbare Diktatur, die da in unser selbstbestimmtes und freies Leben einzug hält. DDR 2.0 lässt grüßen!

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