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29.10.2013

17:03 Uhr

Energiewende

Wo jetzt dringend umgesteuert werden muss

Die Energiewende ist eine Aufgabe mit enormem Koordinierungsaufwand. Die Politik übernimmt eine zentrale Rolle dabei, das System ohne Verwerfungen umzubauen. In sechs Punkten ist rasches Umsteuern geboten.

Windräder in der Nähe des niedersächsischen Ortes Sarstedt: Windkraft ist für Netzbetreiber Fluch und Segen zugleich. dpa

Windräder in der Nähe des niedersächsischen Ortes Sarstedt: Windkraft ist für Netzbetreiber Fluch und Segen zugleich.

1. Erneuerbare Energien müssen sich stärker am Bedarf orientieren

Es ist ohne Frage ein Erfolg, dass mittlerweile 23 Prozent des in Deutschland produzierten Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Doch manchmal ist dieser Erfolg teuer erkauft. Es mehren sich die Stunden und Tage, an denen der Wind- oder Sonnenstrom kein Segen, sondern eine Belastung ist. Er bringt die Netze an ihre Kapazitätsgrenzen. Und immer wieder gibt es ein Überangebot an Strom, für den dann niemand Verwendung hat. Dieser muss quasi entsorgt werden. Wer bereit ist, ihn abzunehmen, bekommt noch Geld obendrauf - die Folge sind die sogenannten negativen Strompreise.

Es ist zwingend erforderlich, Angebot und Nachfrage besser in Einklang zu bringen. Künftig darf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht einfach nur die Stromerzeugung honorieren. Es muss Betreiber neuer Anlagen dazu bringen, sich an Erfordernissen des Marktes zu orientieren – etwa indem sie den Strom in Eigenregie verkaufen.

Paradoxien der Energiewende

Ökostrom-Umlage

Sie wurde vollgepackt mit immer weiteren Industrierabatten - die Bürger müssen dies über ihren Strompreis schultern. Sie steigt 2014 auf bis zu 6,5 Cent je Kilowattstunde, obwohl laut des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien 2,6 Prozent weniger Wind- und Solarstrom produziert wurden. Der Zubau neuer Anlagen macht nur 0,2 bis 0,3 Cent des Anstiegs um bis zu 1,2 Cent aus. Hauptgrund sind die massiv gefallenen Börsenstrompreise – sinkt der Verkaufserlös für Ökostrom, wächst die Differenz zu den festgelegten Vergütungssätzen für den Grünstrom.

Stromversorger

Sie profitieren von niedrigen Einkaufspreisen, während die Versorger durch diverse Energiewende-Umlagen immer mehr bezahlen, auch die Netzentgelte steigen. Das Beratungsunternehmen Energy Brainpool hat für die Grünen-Fraktion errechnet, dass sich für 2014 eine mögliche Senkung der Beschaffungskosten zwischen 0,57 und 1,97 Cent je Kilowattstunde abzeichnet. Damit könnte womöglich der gesamte Anstieg der Ökostrom-Umlage kompensiert werden, wenn die Versorger diese Ersparnisse im Stromeinkauf weitergeben würden.

Klimaschutz ade?

Gaskraftwerke stehen still und sollen vom Netz genommen werden. Alte, klimaschädliche Braunkohlekraftwerke laufen hingegen oft durch, da der Preis für CO2-Verschmutzungsrechte extrem niedrig ist. Trotz immer mehr Ökostrom sind daher im vergangenen Jahr die CO2-Emissionen in Deutschland um 2,2 Prozent gestiegen. Ohne Reformen – etwa einer Verteuerung der CO2-Ausstoßrechte – könnte der Kohleanteil weiter steigen und diese Kraftwerke den Atomausstieg kompensieren. Eigentlich sollen dies CO2-ärmere Gaskraftwerke tun.

Kraftwerks-Probleme

Insgesamt funktioniert der Strommarkt bei 25 Prozent massiv gefördertem Ökostrom nicht mehr richtig. Soll es Sonderprämien dafür geben, dass Kraftwerke, die sich nicht mehr rechnen, am Netz gehalten werden? Denn gerade im Winter wird deren Leistung gebraucht. Doch ein solches System – für das hochmoderne Gaskraftwerk Irsching in Bayern wurde das bereits eingeführt – würde die Strompreise noch weiter steigen lassen. Daher muss eine Reform der Ökoenergie-Förderung zusammen mit einer Strommarktreform angegangen werden. Einzige Gewissheit: Es wird nicht billig.

Verheddert im Interessendickicht

Jeder will etwas anderes. Die Länder im Norden und Osten wollen die Windkraft massiv ausbauen, Bayern träumt von einer weitgehenden Energieautarkie. Auch die Parteien haben unterschiedliche Ansätze, zudem kämpfen die großen Versorger gegen immer mehr dezentrale Akteure. Ein gemeinsamer Konsens ist bisher nicht in Sicht. Das macht Reformen so schwer. Gerade das Kostenproblem droht die Akzeptanz der Energiewende zu gefährden – über die mittelfristigen Vorteile redet kaum noch jemand.

Anlagenbetreiber werden sich sehr schnell Wege einfallen lassen, nur noch Strom zu produzieren, der auch wirklich gebraucht wird. Dazu können sich sie sich mit Kraftwerksbetreibern, Großabnehmern und Dienstleistern zusammentun – oder in Speicher investieren.

Kommentare (6)

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Sonnenschein

29.10.2013, 18:13 Uhr

Zwei wesentliche Aspekte wurden in dem Artikel nicht behandelt.
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Seite 7: Systematischer Ausbau der Stromspeicher

Die Betreiber von (Pump-) Speicherkraftwerken müssen gegen finanzielle Verluste, die durch zu geringe Auslastung entstehen, abgesichert werden. Diese Speicherart muss stärker ausgebaut werden, um Überkapazitäten bei den EE, wenn der Wind stark bläst oder die Sonne scheint, abzufedern. Allein dadurch würden schon erheblich weniger fossile Energieträger verbrannt nur um so Strom zu produzieren. Weiterhin müssen die Stromspeicher der Zukunft (power to gas) und die Kleinspeicher, sei es der Stromspeicher in den Häusern mit PV-Anlage oder die Batterie im e-car, besser gefördert werden. Auch dadurch werden Leistungsspitzen besser genutzt.

Seite 7: Preisbildung durch Angebot und Nachfrage

Der Strom-Käufer muss schnellstens die Möglichkeit haben, genau dann den günstigen Strom zu verbrauchen, wenn er gerade in Mengen vorhanden ist; bei Starkwind; bei Sonnenschein. Es gibt viele elektrische Verbraucher, die zeitlich gesteuert werden können und die genau dann in Betrieb gehen könnten, wenn es gerade günstig ist. Zur Zeit besteht für private Haushalte kein Anreiz, den persönlichen Stromverbrauch nach Angebot zu steuern. Strom ist für den privaten Endverbraucher immer gleich teuer. Das widerspricht marktwirtschaftlichen Grundgesetzen.

Sonnenschein

29.10.2013, 18:28 Uhr

Nach 7 kommt 8. Soviel Zeit sollte sein.

Account gelöscht!

30.10.2013, 07:40 Uhr

EEG-Märchen Teil 2:
Die schmeckten nicht so gut wie die früheren und wenn der Monopol-Bäcker einmal keine Lust hatte aufzustehen–was sehr oft vorkam-, gab es halt eben gar keine. Dann mussten die Menschen Hunger leiden. Wenn er aber aufstand, gab es dann wieder so viele, dass sie keiner mehr essen konnte. Die Brötchen, die dann an ausländische Städte verschenkt oder weggeworfen wurden, mussten die Menschen trotzdem bezahlen. Denn das war Gesetz! Und für die Entsorgung, zahlten sie auch. So kam es, dass die „ZwangsEinheitsBrötchen“ selbst dann teurer wurden, wenn die Menschen in der Stadt immer weniger davon kauften! Denn der Bäcker in der Stadt hatte ja ein Interesse daran so viele Brötchen herzustellen, wie möglich, da er sie alle bezahlt bekam. Ob die Menschen diese überhaupt essen konnten, brauchte ihn nicht zu interessieren. So wurden die Menschen in der Stadt nach und nach ganz arm, da sie ja für etwas teuer zahlen mussten, was vor dem Gesetz der Bürgermeisterin ganz billig gewesen war. Der Bäcker aber wurde ganz reich und musste sich schließlich einen Geldspeicher bauen. Bäcker und Bürgermeisterin lachten oft und laut über die Einfalt der Menschen. Und: die Bürgermeisterin kannte auch Schuster, Schneider, Schreiner und viele andere Handwerker….Die Menschen aber weinten bitterlich, als sie schließlich erkannten, dass sie die Freiheit verloren hatten, die Brötchen zu kaufen, die ihnen am besten geschmeckt hatten und zudem billig gewesen waren. Der Verlust der Freiheit war dem Gesetz der Bürgermeisterin geschuldet.
Und wenn die Menschen die Bürgermeisterin nicht abgewählt und den Bäcker nicht davon gejagt haben, dann zahlen sie noch heute! Selbst dann wenn sie noch nicht mal ein einziges„ZwangsEinheitsBrötchen“ kaufen! Denn das EEG ist ein Goldesel, den die Menschen dauerhaft füttern müssen! Und ohne Futter kommt am Ende kein Gold für den Bäcker und auch keins für die Bürgermeisterin heraus. Denn echte Goldesel, liebe Kinder, die gibt es nur im Märchen!

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