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12.07.2013

06:36 Uhr

Erneuerbare Energien

Der übergangene Stromkunde

VonDana Heide

Im Juni wurde so viel Solarstrom wie noch nie produziert. Auch der Juli ist dank vieler Sonnenstunden vielversprechend gestartet. Die üppige Ausbeute drückt den Strompreis – doch die Verbraucher haben davon wenig.

Vielen Stromkunden läuft es angesichts der gestiegenen Strompreise eiskalt den Rücken herunter, wenn sie auf ihren Zählerstand schauen. Experten meinen, dass die Preise günstiger sein könnten. dpa

Vielen Stromkunden läuft es angesichts der gestiegenen Strompreise eiskalt den Rücken herunter, wenn sie auf ihren Zählerstand schauen. Experten meinen, dass die Preise günstiger sein könnten.

DüsseldorfWer Zeit hat, sollte sich heute in der Mittagspause einen langen Spaziergang vornehmen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass um 13 Uhr die Sonne scheint, das prognostizieren zumindest die Stromnetzbetreiber. Wer wissen will, wie stark die Sonne in den nächsten Stunden scheint, muss nicht mehr in den Wetterbericht schauen. Auf der Seite der Leipziger Strombörse EEX wird jeden Tag abgebildet, wie viel Solar- und Windstrom in den folgenden 24 Stunden produziert wird.

Der Juni hat bereits alle Rekorde gebrochen. Im vergangenen Monat wurden laut Berechnungen des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) 4,3 Terawattstunden (TWh) Solarstrom produziert. Selbst der Rekordmonat Mai im Jahr 2012 konnte da nicht mithalten – damals wurden 4,1 Terrawattstunden Strom aus Sonnenenergie gewonnen.

Dank der erneuerbaren Energien ist der Börsenstrompreis laut Experten in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich gesunken. Allein im Juni wurde die Hälfte des Stroms im kurzfristigen Handel für unter 30 Euro je Megawattstunde verkauft. Wenn die Sonne scheint, müsste sich also auch der private Stromkunde die Hände reiben. Doch der Preisfall kommt beim Verbraucher nicht an. Die Statistik zeigt, dass der Preis für Verbraucher sogar gestiegen ist. Im internationalen Vergleich sind die Strompreise in Deutschland besonders hoch.

Dabei drückt das hohe Energieangebot massiv auf den Börsenstrompreis. Ein besonders ertragreicher Tag in diesem Sommer war der 16. Juni, ein Sonntag. Wind- und Solaranlagen erzeugten gemeinsam bis zu 30.000 Megawatt Strom, zu viel für einen Tag, an dem viele Fabriken stillstehen und der Stromverbrauch daher gering ist. Und wann immer mehr Strom produziert als nachgefragt wird, haben die Energieerzeuger ein Problem: Denn sie müssen ihr Gut irgendwie los werden.

Zur Not auch gegen Geld. So kam es am 16. Juni einmal mehr zeitweise zu einem paradoxen Phänomen: Stromhändler bekamen die Ware der Energieerzeuger nicht nur geschenkt, sondern mit einem kräftigen Bonus obendrauf regelrecht hinterher geschmissen. Wer etwa um 16 Uhr zuschlug, bekam nicht nur Strom zum Nulltarif, sondern zusätzlich noch 100 Euro pro Megawattstunde geschenkt.

Kommentare (80)

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12.07.2013, 06:59 Uhr

Da rechnet sich doch die Lobbyarbeit der Energiekonzerne. Mit ihrer Propaganda und den Lobbyisten in der Regierung -allen voran Altmaier - machen uns die Stromkonzerne glaubend, dass der Strom teurer werden muß. Und nun ist das nicht so?? Dabei sind die Stromspeichermöglichkeiten noch unbefriedigend. Doch die werden auch noch kommen, und den Strompreis weiter senken - jedenfalls für die Großábnehmer (wenn es nach der CDU/FDP geht).
Und dabei werden schon Kosten auf die Verbraecher umgelegt, die gar nichts mit EE zu tun haben. Beispielsweise Renditegarantien für Netzbetreiber, Stromtrassen für Kohlekraftwerke, Subventionierung von Golfplätzen usw.

Account gelöscht!

12.07.2013, 07:03 Uhr

"Wenn der Strompreis um 1 Cent pro Kilowattstunde sinkt, steigt die EEG-Umlage zwar um etwa 0,4 Cent pro Kilowattstunde."
Ist doch eine interessante, belegbare Aussage!

NKM

12.07.2013, 07:16 Uhr

Na ist doch wohl klar, dass die Strompreise nicht sinken werden. Bei sinkendem Stromverbrauch in den Haushalten braucht man schließlich höhere Preise um den dadurch entstehenden Verlust auszugleichen. Wer wirklich glaubt, das liege nur an der Energiewende, der sollte mal über unser "Wertschöpfungssystem" nachdenken. Das sagt nämlich im Endeffekt nichts anderes, als dass der Gewinn niemals sinken darf - nur steigen. Und wie erreicht man bei fallenden Strompreisen an den Börsen, sinkenden Haushaltsverbrauch und gleichbleibenden sonstigen Kosten eine Gewinnsteigerung? Richtig, durch erhöhung der Strompreise für den Verbraucher. Also geben wir uns keinen Illusionen hin - der Strompreis wird für uns immer weiter steigen - egal wieviel Stromerzeuger den Händlern an Geld hinterherschmeissen oder ob die Energiewende abgeflacht wird oder nicht ;-)
Das EEG trägt nur eine Teilschuld am steigenden Strompreis. Den größten Teil trägt das System an sich.
Grundversorgung wie Strom und Wasser gehört einfach nicht in die Hände von "Gewinnmaximierern"!

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