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19.04.2013

10:25 Uhr

Erneuerbare Energien

Die Energiewende frisst ihre Kinder

VonDana Heide

Beim Umbau der deutschen Stromerzeugung entstanden Tausende Jobs. Nun werden im großen Stil Mitarbeiter entlassen. Ein Ende ist laut Experten vorläufig nicht in Sicht. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Erneuerbare Energien statt Atomkraftwerke: Die Energieversorger haben mit dem Wechsel große Probleme. dpa

Erneuerbare Energien statt Atomkraftwerke: Die Energieversorger haben mit dem Wechsel große Probleme.

DüsseldorfDie Hiobsbotschaften reißen nicht ab: Mittwochabend meldetet das Vorzeige-Solarunternehmen Solarworld einen Verlust von bis zu 550 Millionen Euro für 2012, der chinesische Solarriese Suntech ging insolvent , Konkurrent LDK Solar ist seit Dienstag offiziell auf dem Weg dahin. Die Krise trifft auch die großen Energieversorger RWE, Eon und Vattenfall - sie bauen im großen Stil Stellen ab, Investitionen in die erneuerbaren Energien haben sie bereits drastisch gekürzt.

Auch die Solarfirmen First Solar aus den USA und SMA Solar aus Niestetal in der Nähe von Kassel streichen Arbeitsplätze. Nimmt man den Jobverlust allein dieser Firmen zusammen, wird es in den nächsten Jahren fast 17.000 Stellen weniger geben in der deutschen Energiebranche.

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In vier Kategorien werden Treiber der Energiewende gesucht: Für die „Energy Awards“ können sich bis zum 6. Mai 2013 Firmen und Privatpersonen bewerben.

Die Energiewende frisst ihre Kinder. Und die Stellenstreichungen haben nicht nur persönliche Auswirkungen auf die Mitarbeiter. In Niestetal bei Kassel etwa ist eine ganze Gemeinde vom Zustand des Unternehmens SMA Solar abhängig. Der Wechselrichter-Hersteller ist der größte Gewerbesteuerzahler in dem Ort. So wurde im Sommer nach schlechten Zahlen des Unternehmens sogar eine Haushaltssperre verhängt und Ausgaben für ein neues Schwimmbad gekappt. Im aktuellen Haushalt klafft wegen der Steuerausfälle von SMA laut Informationen der lokalen Zeitung „Hessisch-Niedersächsische Allgemeine“ ein Loch von 3,3 Millionen Euro.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Seit der Gründung im Jahr 1981 ging es bei SMA lange immer nur bergauf. Doch nun erreichen die aktuellen Entwicklungen in der Branche auch das Vorzeigeunternehmen.

Aber die Krise hat nicht nur etwas mit dem ganz normalen Konsolidierungsprozess in einer noch jungen Branche zu tun. „Bei den Solarunternehmen kamen noch zwei Faktoren hinzu: Zum einen die Finanzkrise“, sagt Rolf Wüstenhagen, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen und Professor für Management erneuerbarer Energien im Gespräch mit Handelsblatt Online.

„Plötzlich konnten Projekte nicht mehr finanziert werden, weil die Investoren kein Geld mehr hatten. Dazu kam dann ein enormer Preisverfall der Solarmodule von bis zu 50 Prozent pro Jahr. Das hatte man zuvor in fast keiner anderen Branche beobachtet.“

Zusätzlich verunsichert hätten die Investoren noch die Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen in einigen Ländern. So wurden neben Deutschland auch in den USA, Spanien oder Tschechien die Subventionen gekürzt.

Kommentare (44)

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observer

19.04.2013, 10:33 Uhr

Das Managermagazin schreibt dazu +++++++++++++++++++++++++


Öl aus Schiefergestein, aus Teersand oder aus der Tiefsee - unkonventionelle Fördermethoden mischen die Karten im weltweiten Rohstoffmonopoly neu. In den USA ist die Euphorie riesig. Doch die Ölkonzerne, die sich heute in Paris treffen, müssen immer häufiger Rückschläge vermelden.

Hamburg - Man solle seinem Unternehmen nicht vorwerfen können, es nicht versucht zu haben. Bob Dudley, Chef des Ölgiganten BP, gab vor wenigen Wochen zu "das Handtuch im Solargeschäft geworfen" zu haben. 35 Jahre lang habe man alles daran gesetzt, mit der Kraft der Sonne Geld zu verdienen - vergeblich. Am Mittwoch stellte der gebürtige Amerikaner schließlich das Geschäft mit Windkraftanlagen in seiner Heimat zum Verkauf. Vom vollmundigen Slogan "Beyond Petroleum", den der Ex-Vorstandsvorsitzende John Browne zur Richtschnur des Konzerns erhob, bliebe nach dem Verkauf lediglich das Bioethanolgeschäft in Brasilien übrig.

Die Botschaft ist klar: Die Stromproduktion aus regenerativen Energien lohnt sich nicht

Vicario

19.04.2013, 10:42 Uhr

Zitat : Im Gespräch mit Handelsblatt Online äußerte GE-Deutschland-Chef Stephan Reimelt jedoch durchaus Sorge, dass es im Windbereich zu einem ähnlichen Preisverfall kommen könnte wie in der Solarbranche.

- und es wird auch nicht mehr lange dauern, da werden diese Vögelmurkser und Landschaftsschänder alle wieder ABGEHOLZT !

Die Zeit der GRÜNEN-Spinner ist abgelaufen ! Der Strompreis wird alles wieder richtig stellen !

DausHH

19.04.2013, 10:49 Uhr

wo wir grad beim thema sind: offshore windparks:
gibs eigentlich neuigkeiten zum fortschritt der gelieferten (im gegensatz zur installierten) leistung? solange die betreiber auch ohne netzanschluß ihr geld kriegen, braucht tennet ja nicht wirklich in die puschen zu kommen...

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