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26.08.2014

17:43 Uhr

Erneuerbare Energien

Europäische Energiewende in Sicht

VonKlaus Stratmann, Georg Weishaupt

Der Flickenteppich bei der Förderung von Solar- und Windenergie in Europa soll aufgelöst werden. Die EU verlangt von ihren Mitgliedern mehr Wettbewerb bei Ökostrom. Stromproduzenten wollen Geld für Reservekraftwerke.

Windanlagen in Deutschland: Die Energiewende soll europäisch werden, fordern Branchenvertreter. dpa

Windanlagen in Deutschland: Die Energiewende soll europäisch werden, fordern Branchenvertreter.

Mike Winkel ist optimistisch. Er sieht derzeit die Chancen steigen, "dass die deutsche Energiewende doch noch zu einer europäischen Energiewende wird". Was den Eon-Manager hoffnungsvoll stimmt, sind die Pläne des künftigen EU-Präsidenten Jean-Claude Juncker. Der hat als ein Topziel seiner Amtszeit ausgegeben, dass die EU weltweit führend bei den erneuerbaren Energien werden soll.

Derzeit sieht die Realität in Europa noch anders aus. "Jedes Land hat eine eigene Lösung für die Energiewende gefunden", sagte Winkel auf der Handelsblatt-Tagung "Erneuerbare Energien 2014" in Berlin. So gebe es einen Flickenteppich bei der Förderung von Strom aus Sonnen- und Windenergie. Er kritisierte einen "Trend zu nationalen Egoismen in der Energiepolitik".

Die EU-Kommission kritisiert zwar auch die Bestrebungen in den EU-Staaten, bei der Förderung der Erneuerbaren eigene Wege zu gehen, sieht die Unterschiede aber mehr im Detail als im Grundsätzlichen. So registriert Joachim Balke von der Generaldirektion Energie immer häufiger Prämienmodelle, die dem deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ähneln. Sogenannte Quotenregelungen, bei denen feste Ziele für Energieträger vorgegeben werden, seien dagegen tendenziell auf dem Rückzug.

Mehr Wettbewerb

Die EU-Kommission will aber dafür sorgen, dass die Förderung stärker den effizientesten Anlagen zugutekommt. Sie will durchsetzen, dass die Betreiber von Wind- und Solaranlagen sich Ausschreibungen stellen müssen. So sollen die Unternehmen ermittelt werden, die den Strom zu den niedrigsten Kosten produzieren. Die Fixierung auf Einspeisevergütungen hätte ein Ende.

Auch Deutschland beschreitet künftig diesen Weg. Eine entsprechende Regelung ist für 2017 im novellierten EEG in Grundzügen angelegt, muss aber in den nächsten beiden Jahren noch mit Inhalt gefüllt werden. Die Bestimmung wurde auch auf Druck der EU-Kommission aufgenommen. "Die Frage ist, ob wir das ohne die EU auch schon ab 2017 gemacht hätten", sagte Patrick Graichen, Direktor des Thinktanks Agora Energiewende. "Jetzt muss es darum gehen, das ordentlich zu regeln, so dass die Mengenziele für den Ausbau der Erneuerbaren erreicht werden und zugleich die Akteursvielfalt erhalten bleibt."

Denn Kritiker von Ausschreibungsmodellen führen an, diese würden grundsätzlich große Akteure begünstigen. Die gerade für die deutsche Energiewende typische Vielfalt der Betreiber von Solar- und Windenergieanlagen gehe verloren. Heute ist ein Großteil der Ökokraftwerke in Deutschland nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts Trendresearch in der Hand von Privatleuten.

Die Versorgungssicherheit gewährleisten

Die Politik hat dieses Problem erkannt. So betonte Christian Pegel, Energieminister von Mecklenburg-Vorpommern in Berlin, sein Ziel sei es, auch künftig die Beteiligung von Bürgern zu ermöglichen.

Eon-Vorstand Winkel sieht noch ein anderes Problem, das eine europäische Energiewende lösen muss: "Wir müssen sicherstellen, dass künftig die Versorgungssicherheit gewährleistet ist." Denn der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommarkt steigt zwar. Aber Solar- und Windkraftanlagen können nicht garantieren, dass sie zu jeder Tageszeit ausreichend Strom produzieren. Im Januar etwa gab es Tage, an denen keine Sonne schien und wenig Wind wehte. "Deshalb brauchen wir konventionelle Kraftwerke, die diese Lücken schließen", sagte Winkel. Er forderte "eine anständige Vergütung für solche Reservekraftwerke". Frankreich und Großbritannien haben schon eine Lösung für diese Kapazitätsmärkte gefunden. Aber auch da hält er, wie bei den Förderbedingungen für erneuerbare Energien, eine gemeinsame europäische Lösung für sinnvoll.

Kommentare (4)

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Herr Holger Narrog

26.08.2014, 18:49 Uhr

Die Deutsche "Energiewende", worunter man eine Stromversorgung gem. (öko)religiöser Visionen/Illusionen verstehen kann ist den meisten Staaten sehr fern. Es gibt auch nur wenige Staaten die sich jährliche Kosten von 40 Mrd. € leisten können.

In Osteuropa sind "Erneuerbare Energien" ziemlich unpopulär. Die CSR hatte vor 2 Jahren ihr EEG gestoppt und Zahlungen teils rückwirkend gekürzt.
Spanien hat im Zuge der Finanzkrise weitere Kürzungen bei den Ökostromsubventionssätzen realisiert und im Gegenzug die Betreiber eines älteren zuvor stillgelegten, umweltfreundlichen Kernkraftwerks (Garona) aufgefordert dieses wieder in Betrieb zu nehmen.
In Frankreich benötigen die Sozialisten die Unterstützung der Grünen. Eine jede andere Regierung wird sehr wahrscheinlich die Subventionen für umweltschädlichen Ökostrom kürzen und die Kernenergie stärken.
Insgesamt gibt der Artikel eher die sehr destruktiven Visionen des Autors wieder als die europäische Realität

Herr franz hantke

26.08.2014, 20:52 Uhr

@ Herr Holger Narrog

Gut möglich, dass eine konservative Regierung in Frankreich eine andere Energiepolitik betreiben würde. Soweit würde ich Ihrem Realitätssinn noch zustimmen, aber sonst.
Frankeich hat Penly 3 auf Eis gelegt, und das mit gutem Grund. Eine konservative Regierung würde auf Kernenergie setzen? Warum? Weil Sie der Meinung sind, Kernenergie sei "umweltfreundlich" und die EE seien es nicht?
In Ihrer Abneigung gegen die EE mit den Kürzungen der Ökostromsubventionssätzen in Spanien zu argumentieren halte ich für seltsam.
Aller Voraussicht nach wird der EE-Anteil Spaniens in diesem Jahr um die 50 % liegen. Kernenergie um die 20% (25% mit Garona).
In der EU27 nimmt die "EE-Stromproduktion" stetig zu, die KE-Stromproduktion" ab.
Weltweit wurden 2013 für EE um den Faktor 10 mal mehr Geld investiert als in Kernenergie. Die einzigen Länder die massiv in KE investieren sind China, Russland und Indien, wobei China zweigleißig fährt. Die Investitionen in EE sind in China beträchtlich.

Herr Marcel Europaeer

27.08.2014, 08:39 Uhr

Zitat: „Weltweit wurden 2013 für EE um den Faktor 10 mal mehr Geld investiert als in Kernenergie.“

Nach diesem Bericht ist der Faktor noch höher.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/atomkraft-report-sieht-fuer-kernkraft-sinkende-globale-bedeutung-a-984713.html

Es werden heute 57 % der Investitionen im Energiesektor in die Erneuerbaren Energien investiert und nur 3% in Kernenergie. Seit 35 Jahren hat sich die Zahl der Kernkraftwerke auf der Erde nicht wesentlich verändert und jetzt, wo Erneuerbare Energien preiswerter Strom liefern als Kernkraftwerke, sollen die Menschen anfangen, in Atomstrom zu investieren? Warum? Aus nostalgischen Gründen? Das ist realitätsfern.

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Ob man nun gleich von einer europäischen Energiewende sprechen muss, sei dahin gestellt. Fest steht, dass alle Länder in Europa den Anteil der Erneuerbaren Energien an ihrer Energieversorgung erhöhen.

Das ist doch irgendwie auch logisch. Wer stellt denn freiwillig ein Kohlekraftwerk in die Landschaft, gräbt ein paar Jahrzehnte die Kohle aus der Erde, um sie zu verfeuern, wenn er das gleiche Ziel –eine gesicherte Energieversorgung- wesentlich nachhaltiger, sauberer und unter Berücksichtigung der Umweltkosten auch preiswerter heute schon haben kann?

Unsere Energieversorgung wird auf jeden Fall in den kommenden Jahrzehnten von den Endlichen Energien auf die Erneuerbaren Energien umgestellt werden. Die Förderung der EE sorgt nur dafür, dass dieser Vorgang beschleunigt wird. Das ist auch notwendig. Nicht nur die Luftverschmutzung und der Klimaschutz zwingen uns dazu, sondern ganz einfach die Tatsache, dass wir bald 10.000.000.000 Menschen auf der Erde sind, die alle ein Recht darauf haben, mit Energie versorgt zu werden.

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