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12.02.2014

14:12 Uhr

Erneuerbare Energien

Gebrauchte Solarkraftwerke gesucht

VonGeorg Weishaupt

Das Unternehmen Capital Stage ist der größte Betreiber von Solarparks in Deutschland - durch den Kauf von Anlagen. Dass die Parks bereits seit mehreren Jahren in Betrieb sind, hat für die Hamburger einige Vorteile.

Solar-Module in der Eifel: Ältere Anlagen sind wegen ihrer hohen Einspeisevergütungen besonders interessant. dpa

Solar-Module in der Eifel: Ältere Anlagen sind wegen ihrer hohen Einspeisevergütungen besonders interessant.

Die Windbranche sorgt derzeit für viele Negativschlagzeilen. Der Stuttgarter Entwickler von Meerwindparks, Windreich, ist insolvent. Und Windparkentwickler Prokon schockt mit seinem Absturz Tausende Kleinanleger.

Felix Goedhart bieten sich da neue Geschäftschancen. "Uns sind schon Anlagen aus der Insolvenzmasse verschiedener deutscher Unternehmen angeboten worden", sagt der Gründer und Vorstandschef von Capital Stage dem Handelsblatt. "Wenn Windparks von Prokon verkauft werden, sind wir grundsätzlich interessiert."

Das Hamburger Unternehmen verfolgt ein anderes Geschäftsmodell als etwa Windreich oder Prokon. Goedhart entwickelt keine Wind- oder Solarparks, sondern kauft bereits bestehende Anlagen, die mehrere Jahre alt sind. Sie haben den Vorteil, dass die Einspeisevergütung noch deutlich höher ist als bei neueren. Denn die Bundesregierung hat den Betrag, den sie pro Kilowattstunde 20 Jahre lang garantiert, in den vergangenen Jahren immer weiter gekürzt.

Außerdem lässt sich bei laufenden Anlagen nachvollziehen, wie viel Strom sie wirklich produzieren. Nicht selten weichen diese Werte von den Berechnungen ab, die Gutachter vor Betriebsbeginn erstellen.

Goedhart hat sich auf diesen Zweitmarkt konzentriert. So ist das Unternehmen nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit zum größten unabhängigen Betreiber von Solarkraftwerken in Deutschland aufgestiegen. Insgesamt verfügt Capital Stage jetzt über Solar- und Windkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 241 Megawatt.

Alleine in den beiden letzten Monaten von 2013 investierte Goedhart rund 100 Millionen Euro in Solarparks mit einer Leistung von 51 Megawatt. Das Geld sammelte er bei einer Kapitalerhöhung des börsennotierten Unternehmens ein. Er verzichtete auf Finanzinstrumente, die in der Branche in Verruf geraten sind, wie etwa Genussscheine (Prokon) oder Anleihen (Windreich). "Wir stehen an einer Zeitenwende", beschreibt Goedhart die Lage in der Branche. "Die Zeit der enthusiastischen Investoren aus der Ökobewegung geht zu Ende. Das gilt für die Entwicklung und den Betrieb von Solar- und Windparks genauso wie für die Produktion der Grünstromanlagen." Jetzt seien vor allem Finanzstärke und hohe Professionalität gefragt.

Kommentare (2)

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holger29

12.02.2014, 14:22 Uhr

Das grösste Risiko für dieses Geschäftsmodell liegt darin, dass Staaten die Subventionsmechanismen im Nachhinein ändern (Beispiel Spanien), oder diese parasitäre Subventionsgeschäftsmodelle mit Sicherheits-, oder Umweltschutzauflagen unattraktiv machen. Dann ergibt sich die Herausforderung diesen Sondermüll zu entsorgen.

Gast

12.02.2014, 16:01 Uhr

Naja, diese Anlagen sind günstiger zu entsorgen als die "super sicheren und effektiven" Kraftwerke. Und braucht man nicht für die nächsten Dekaden eine Lagerstätte für die Reste der Stromproduktion.

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