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15.01.2014

12:36 Uhr

„Erschütternde Jahresbilanz“

Zahl der Organspender fällt auf neues Rekordtief

Nur noch knapp 900 Organspender gab es im letzten Jahr. Angesichts der historisch niedrigen Zahlen schlägt die Deutsche Stiftung Organtransplantation nun Alarm und richtet einen Appell an alle Beteiligten.

Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen: Die Zahl der Spender ist erneut gesunken. dpa

Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen: Die Zahl der Spender ist erneut gesunken.

FrankfurtNach den Transplantationsskandalen an deutschen Kliniken ist die Zahl der Organspender auf ein neues Rekordtief abgestürzt. Im vergangenen Jahr gab es bundesweit nur noch 876 Organspender und damit 16,3 Prozent weniger als im Vorjahr, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte. Im Jahr 2012 war die Zahl bereits deutlich auf 1046 Spender gesunken.

In Deutschland wurden damit laut den vorläufigen Zahlen der DSO im vergangenen Jahr nur noch 10,9 Spender pro eine Million Einwohner registriert. Im Jahr 2012 waren es noch 12,8 Spender gewesen. Die Summe der gespendeten Organe sank von 3511 im Jahr 2012 auf 3034 im vergangenen Jahr.

Die DSO sprach von einer "erschütternden Jahresbilanz für die Organspende in Deutschland". Die Stiftung betrachte die Entwicklung "mit großer Sorge", erklärte DSO-Vorstand Rainer Hess. Er appellierte an alle Beteiligten, gemeinsam für eine Verbesserung zu sorgen. "Nur gemeinsam können wir für die Organspende das Vertrauen zurückgewinnen, das sie verdient", mahnte Hess. Den Patienten versicherte er, niemand müsse in Deutschland befürchten, "wegen einer Organspende von den Ärzten zu früh aufgegeben zu werden".

An mehreren Universitätskliniken waren zuletzt Manipulationen im Zusammenhang mit Lebertransplantationen aufgedeckt worden. In der Folge brachen die Spenderzahlen in Deutschland dramatisch ein.

Die Zahl der Organspenden ging laut DSO-Vorstand Hess im vergangenen Jahr in allen Regionen zurück. Am höchsten war der Rückgang demnach in Bayern mit 23,9 Prozent, am niedrigsten in der Region Nord-Ost mit 9,7 Prozent.

Von

afp

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

15.01.2014, 13:28 Uhr

Für Menschen, die auf ein Spenderorgan warten ist dies sehr bedauerlich. Allerdings ist dies Quittung für die Gierde in unserer Zeit.
"Den Patienten versicherte er, niemand müsse in Deutschland befürchten, "wegen einer Organspende von den Ärzten zu früh aufgegeben zu werden"."
Nein davor würde ich mich nicht fürchten. Vor dem umgekehrten Fall: das ich solange am röcheln gehalten werde, bis die Klinik den "break even point" für mein Bett erreicht hat. Organspende ist doch dann das beste Argument eine Patientenverfügung zu missachten.
Insgesamt sind leider viel zu viele Fragen ungeklärt und Vertrauen in die Medizin, die Ärzte, die Politik - ich weiß nicht.

Prophet

15.01.2014, 14:53 Uhr

Also, seit dem ich weis, dass den "Hirntoten" in der Schweiz die Organe nur unter Narkose entnommen werden dürfen während sie hier in D festgeschnallt werden, weil sie sich bei der Entnahme bewegen, bin ich nicht mehr bereit Organe zu spenden.
Hirntote leben! Wer sagt denn, dass das Bewußtsein mit dem Hirntod ausgeschaltet ist? Ärzte und Forscher wissen ja nicht einmal genau, was Bewußtsein eigentlich ist und wo es sitzt. Aber mit dem Hirntot soll es sicher ausgelöscht sein?
Das Ganze erinnert mich zu sehr an Frankenstein, als dass ich mich darauf einlassen würde.

claus

15.01.2014, 15:18 Uhr

Ich habe einen Nicht-Organspende Ausweis. Zum einen weil ich auch keine Organe von anderen Menschen möchte zum anderen ist die Gier der Ärzte das schnelle Geld zu machen und bei den entsprechenden Preis so groß, das die Organa einfach an Reiche und nicht unbedingt Bedürftige verscherbelt werden. Das gesamte Arztsystem ist in meinen Augen korrupt.

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