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24.06.2014

09:49 Uhr

Europas Energiewende

Kohle ist nicht unser Zukunftsgarant

VonClaudia Kemfert

Das Kohlezeitalter neigt sich dem Ende zu. Doch mit der Ukraine-Krise könnten die EU-Regierungschefs wieder verstärkt auf die Energieversorgung wie im 20. Jahrhundert setzen. Dabei sind deutsche Braun- und polnische Steinkohle sicher keine Zukunftsgaranten.

Energieversorgung des 20. Jahrhunderts: Das Kohlezeitalter neigt sich dem Ende. dpa

Energieversorgung des 20. Jahrhunderts: Das Kohlezeitalter neigt sich dem Ende.

Wenn die Staats- und Regierungschefs der EU in dieser Woche über die Klima- und Energiepolitik der Gemeinschaft bis 2030 debattieren, sollten sie einen Fehler auf keinen Fall machen: jenen reflexhaften Ratschlägen folgen, die unter dem Eindruck der Ukraine-Krise ihr Heil im Rückgriff auf die Energieversorgung des 20. Jahrhunderts suchen. Deutsche Braun- und polnische Steinkohle sind sicher nicht die Zukunftsgaranten, die wir brauchen.

Nicht erst seit der spektakulären Klimawende des amerikanischen Präsidenten und neuen Tönen aus China wissen wir, dass das Kohlezeitalter sich, wenn auch noch zögerlich, dem Ende zuneigt. Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn jetzt der traditionelle klimapolitische Vorzeigekontinent Europa darauf beharrte, die Welt und Milliarden Menschen insbesondere im Süden des Planeten einem Klimaexperiment mit unkalkulierbarem Ausgang auszusetzen.

Energieexpertin Claudia Kemfert: Die Autorin ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt beim DIW. dapd

Energieexpertin Claudia Kemfert: Die Autorin ist Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt beim DIW.

Zu viele selbst ernannte Ratgeber denken bei heimischen Rohstoffen zuerst an die Kohle, dann an Gas, das per Fracking aus der tiefen Erde geholt werden soll. Und einige denken sogar wieder an die „heimische Steinkohle“. Die in Zeiten des Klimawandels naheliegenden „heimischen Energiereserven“ kommen ihnen nicht in den Sinn: die unerschöpflichen Vorräte in Form von Wind und Sonne sowie das große Einsparpotenzial durch den intelligenten Umgang mit Energie.

Für dauerhafte Energiesicherheit in Zeiten politischer Spannungen müssen wir die Energiewende beschleunigen und nicht bremsen. Und wir müssen bei unseren Nachbarn Überzeugungsarbeit leisten, um sie zu europäisieren. Deshalb ist es so notwendig, dass wir in Europa drei ambitionierte Ziele bis 2030 verbindlich festlegen: die Senkung der Treibhausgase, die weitere deutliche Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien sowie die Verbesserung der Energieeffizienz.

Zahlreiche Studien zeigen, dass Klimaschutz sich auszahlt. Eine konsequente Umstellung auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz würde volkswirtschaftliche Vorteile bringen: Die Kosten erneuerbarer Energien sinken immer weiter.

Die Nicht-Energiewende wäre teuer: Wenn wir weitermachen wie bisher, müssen wir Geld für Infrastruktur, neue Kraftwerke und immer weiter steigende Kosten für fossile Energien aufbringen. Die Abhängigkeit von Energieimporten würde sich verschärfen und teurer werden, weil die auf dem Territorium der EU geförderten fossilen Brennstoffe in den kommenden Dekaden stetig zurückgehen und die Energiepreise auf den Weltmärkten deutlich steigen. Eine solche Entwicklung wäre auch aus Gründen der Versorgungssicherheit fahrlässig.

Eine konsequente Fortsetzung der in Deutschland und anderen Mitgliedstaaten eingeleiteten Energiewende würde die Energieimportrechnung der EU bis 2050 um mehr als 500 Milliarden Euro jährlich entlasten. Sie würde auf mittlere und lange Sicht die Wettbewerbsfähigkeit der EU stärken, die Beschäftigung erhöhen, die Energieversorgung dauerhaft sichern und die Welt insgesamt zu einem sichereren Ort machen. In diesem Sinne müssen Angela Merkel und die übrigen EU-Regierungschefs von Brüssel aus eindeutige Signale senden.

Kommentare (9)

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24.06.2014, 12:38 Uhr

Teil 2:
Und wer mit Ersparnissen von 500 MRD Euro p.a. rechnet, der sollte auch so ehrlich sein, die Kosten zu benennen. Ich meine die Kosten, die für die vorzeitige Verschrottung und Abschreibung bestehender Anlagen und für die Errichtung, Subventionierung und Unterhaltung "Erneuerbarer" Anlagen anfallen. Und die Versorgung mit Erneuerbarer Energie sollte auch zu Zeiten, in denen die Sonne nicht scheint (z.B nachts) und der Wind nicht weht, erfolgen. Dieses Grundproblem der heilsbringeneden neuen Energiewelt ist ja in Deutschland bislang ungelöst: Macht nix, schon will man ganz Europa umkrempeln. Abschliessend sollte die Autorin mal erklären, welches Gesellschaftsbild ihr denn so vorschwebt, wenn wir ganz Europa "erneuert" haben...

Mir schwebt, wenn ich diese Propaganda so lese, ein Europa vor, in dem der Bürger Güter des täglichen Bedarfs in rationierter Form vom Staat in bestimmter Menge zugeteilt erhält. Zu Wucherpreisen. So stellen sich dass die Bürger, die die Ökologen wählen bestimmt nicht vor.
Tja. irgendwie müssen die o.a. Schuldenberge ja bedient werden, nicht wahr? Ist schon so eine Last - mit der Kohle.

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24.06.2014, 12:40 Uhr

Teil 1:
Nach der Kernkraft wird nun die Kohle, danach wohl das Gas und zuletzt das Öl zur energiepolitischen "persona non grata" erklärt. Ja, nehmt den Deutschen ihre gesamte funktionierende Energieerzeugungsinfrastruktur weg- und den übrigen Europäern gleich mit. Das erhöht dann ungemein, die gegenüber aufstrebenden "Schwellenländern" ohnehin nicht mehr gegebene Wettbewerbsfähigkeit! So ein Schmarrn, als ob das CO2 vor der Grendze Halt macht. Ein Blick auf die Verschuldungstabellen europäischer Staaten wäre hilfreich, liebe Frau Kemfert. Besonders die Franzosen mit ihren Atomkraftwerken die mit ihren Produkten am Weltmarkt ohnehin schon nicht mehr mithalten können, dürften entzückt sein über diese Vorschläge. Von anderen Ländern -wie Spanien, die hatten ja auch mal ne Energiewende- wollen wir doch gar nicht reden. Stellt dann halt ein paar hunderttausend Windpropeller in die Gegend und bezieht den Atom- und Kohlestrom aus Russland - und dann wird dem europäischen Bürger die Rechnung präsentiert. Aber offiziell heisst es ja"Die Kosten erneuerbarer Energien sinken immer weiter." Na ja, derzeit zieht ein planwirtschaftlicher Eingriff in den deutschen Energiemarkt den nächsten nach sich - eine ständig steigende Kostenspirale..Ein klimatechnisches "Experiment" das will man nicht, aber ein versorgungstechnisches Experiment, das ist kein Problem.
Ja China will von der Kohle weg. Das Land verbraucht auch rd. 50% der weltweit geförderten Kohle (nach dem BP Report, oh weh der Europaeer, ich wage es nicht den Link anzugeben). Allerdings schwenkt das Reich der Mitte um zur Kernkraft. Dort hat man erkannt, das nur diese Form der Energieerzeugung fähig ist, den Kohlestrom mittelfristig zu ersetzen. Erneuerbare führen in China ein Schattendasein.

http://www.welt.de/politik/ausland/article13404339/China-wertet-Atomausstieg-als-Triumph-der-Opposition.html

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article129272504/Chinas-chaotischer-Kampf-fuer-mehr-Oekostrom.html

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24.06.2014, 13:55 Uhr

DRINGEND! Liebe Parteien. Nun gib doch endlich einer Frau Prof. Kemfert ein adäquates politisches Amt! Seit bestimmt 3 Jahren gibt die (im Kern bestimmt sehr kompetente Expertin – keine Ironie!) nur noch politisch oder gesellschaftlich gewünschtes von sich. Die ganzen Öko-Medaillen die die Dame einsammelt sind ja ganz nett, aber da muss doch mehr kommen. Oder sind Euch die Forderungen von Frau K. zu hoch (Einrichtung eines Energieministeriums hat Sie doch schon gefordert, will Sie etwa Superministerin mit Wirtschaft, Umwelt, Familie, Arbeit und Innerem werden?).
Als kritische Expertin leider nur noch Muster ohne Wert…

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