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25.09.2014

17:44 Uhr

Fettleibigkeit in USA

Die Supermacht im Kampf gegen die Pfunde

Zucker-Drinks und fettiges Fastfood setzen Amerika zu. Mit Gesundheitskampagnen versucht das Land gegenzusteuern. Auch die Getränkeindustrie - am rasanten Anstieg der Zahl der Übergewichtigen nicht ganz unschuldig - beteiligt sich. Mit zweifelhaften Motiven.

Softdrinks im Jumbobecher: Teilweise schon verboten. dpa

Softdrinks im Jumbobecher: Teilweise schon verboten.

New YorkAmerika kämpft mit einem dicken Problem - mehr als ein Drittel der Menschen im Land leiden an Fettleibigkeit. Kein Wunder: Kalorienbomben wie Softdrinks und fette Burger sind traditionell fester Bestandteil der Essenskultur. Das ändert sich jedoch langsam. Die Getränkeindustrie reagiert mit einer Initiative auf den Trend.

Im „Land of the free“ galt Ernährung lange als reine Geschmackssache. Mittlerweile hat der Wind gedreht. Die mangelnde Fitness weiter Teile der Bevölkerung ist eine immense Belastung für die weltgrößte Volkswirtschaft. Ökonomen haben berechnet, dass dem Gesundheitssystem Kosten von etwa 200 Milliarden Dollar pro Jahr durch Fettleibigkeit entstehen.

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Alles in Maßen

Hilft Schokolade beim Abnehmen oder macht sie dick? So richtig geklärt ist die Wirkung des süßen Stoffes bis heute nicht. Aber es gilt: Alles ist erlaubt, wenn es nur in Maßen genossen wird - das gilt sowohl für schlanke als auch für etwas kräftigere Menschen.

Ohne Abendessen ins Bett

Es ist ein Irrglaube, dass nur dickere Menschen durch Fette krank werden: Man kann auch innerlich verfetten. Dann sammelt sich das Fett in Körperregionen, die für das Auge unsichtbar bleiben. Die Folge: Herz und Leber etwa umgibt Fett und das kann zu Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen führen. Um Abzunehmen, hilft es im Übrigen nicht, das Abendessen ausfallen zu lassen. Das führt eher zu noch mehr Heißhunger, vor allem in der Nacht.

Ausgewogene Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten tut dem Körper am besten - dann entstehen auch keine Fettpolster. Denn auch Menschen mit einem normalen Körper-Masse-Index verstecken Fett in ihrem Körper. Denn sie ernähren sich teilweise zu fettig oder zu süß, bewegen sich dabei auch noch zu wenig. Gleichzeitig essen sie aber nicht genug, um übergewichtig zu werden.

Dicker und gesünder

Länger schon ist bekannt, das dicke aktive Menschen oft gesünder sind als die dünnen, aber wenig aktiven Menschen. Das zeigt sich vor allem im Sterblichkeitsrisiko. Auch ist es ein Trugschluss, dass bei einem Saunagang wirklich Gewicht verloren geht: Tatsächlich wurde nur Wasser ausgeschwitzt. Der Gesundheit tut er aber trotzdem gut.

Stoffwechsel

Sumo-Ringer, die nicht gerade ein Beispiel für besonders schlanke Menschen sind, haben häufig ein besseres Stoffwechselprofil als Menschen, die zwar schlank sind, aber keinen Sport machen. Die Erklärung ist denkbar einfach: Das Fett legt sich bei ihnen nicht um die inneren Organe, sondern lagert direkt unter der Haut. Sport ist also wichtig. Unwichtig hingegen ist, mit welcher Herzfrequenz man Sport treibt. Hauptsache man tut es.

Fettpolster

Durch bewusste Ernährung und Bewegung kann man die Fettpolster im Inneren schnell wieder loswerden, vielleicht sollte man dann aber auf eine Gans wie hier im Bild gezeigt, verzichten. Allerdings ist es auch ein Trugschluss, dass jedes Fett sofort auf die Hüfte wandert - das passiert nur, wenn wir unserem Körper zu viele Kalorien zuführen.

Light-Produkte

Light-Produkte enthalten weniger Zucker und auch Fett. Soweit so gut - über den Kaloriengehalt sagt das allerdings nur wenig aus. Denn sie enthalten oft auch Süßstoffe, die den Appetit anregen und machen damit den Hunger nur noch größer.

Zahl der Mahlzeiten

Man kann es gar nicht oft genug sagen: Es kommt darauf an, wie viele Kalorien man täglich zu sich nimmt - und nicht wie oder wann man ist. Denn bis heute gibt es keine wissenschaftliche Studie, die beweist, dass drei große Mahlzeiten besser wären als fünf kleine. Übergewicht entsteht nicht dann, wenn man ausgewogen isst, sondern bei dem, was man dazwischen isst - wie Chips oder Gummibärchen.

Lebensmittel

Gibt es Lebensmittel, die dem Körper weniger Kalorien zuführen, als der dann für ihre Verdauung benötig wird? Nein, obwohl es ein weitverbreitetes Gerücht und die ultimative Anleitung für eine Diät sein soll, ist das eigentlich Quatsch. Sie wirken höchstens ein bisschen unterstützend.

Jojo-Effekt

Aufpassen sollten Menschen, die gerne abnehmen möchten, vor allem auf den sogenannten Jojo-Effekt. Um wirklich dauerhaft abzunehmen, ist es notwendig, dass die Ernährung dauerhaft umgestellt wird.

Doch die USA machen Fortschritte, meinen die Experten Risa Lavizzo-Mourey von der Gesundheitsstiftung Robert Wood Johnson Foundation und Jeffrey Levi vom Trust for America's Health. Das Duo forscht seit mehr als zehn Jahren zum Thema. „Unsere erste Studie war die öffentliche Antwort auf eine Krise, die epidemische Ausmaße erreicht hatte.“

Mittlerweile sind Zucker-Drinks an vielen Schulen verboten, und auf etlichen Verpackungen werden Kalorien angegeben. Die Initiative „Let's Move“ von First Lady Michelle Obama soll Kindern mit Gewichtsproblemen helfen. Zuletzt haben sogar die Getränkeriesen Coca-Cola, Pepsi und Dr. Pepper Snapple versprochen, der Nation gesündere Softdrinks zu liefern.

Einiges habe sich verbessert, sagen auch die Forscher Lavizzo-Mourey und Levi. „Nach Jahrzehnten mit alarmierenden Anstiegen, zeigt der diesjährige Report, dass sich die Fettleibigkeit bei Kindern stabilisiert hat“. Bei Erwachsenen habe der Anstieg immerhin zum ersten Mal seit 30 Jahren gebremst werden können. Das klingt ermutigend.

Ein Blick in ihre Analyse zeigt jedoch, dass die Lage kritisch bleibt. Vor allem bei ethnischen Minderheiten und Familien mit niedrigen Einkommen dominiert billiges Fast Food weiter den Speiseplan. Und die als Initiative gegen Fettleibigkeit vermarktete Kampagne der Softdrink-Industrie entpuppt sich indes als PR-Stunt einer Branche mit Imageproblemen.

Die Konzerne wollen Amerikas Fettleibigen mit kleineren Flaschen beim Abnehmen helfen. Außerdem soll der Umsatz mit kalorienarmen Getränken angekurbelt werden. Drinks, die nicht unter dem Diät-Label vermarktet werden, befänden sich aber ohnehin „im freien Fall“, erklärt Michael Jacobson vom Center for Science in the Public Interest, einer Verbraucherorganisation aus Washington.

„Wir brauchen viel größere und schnellere Maßnahmen“, meint Jacobson. Das ist offenbar doch nicht so einfach. Einer der auszog, die Kalorienbombe zu entschärfen, ist New Yorks ehemaliger Bürgermeister Michael Bloomberg. Als erste Stadt im Lande hatte die Hudson-Metropole 2012 den Verkauf von Softdrinks im Jumbobecher („Big Gulp“) aus Gesundheitsgründen verbieten wollen.

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„Ich glaube, das ist der größte Einzelschritt, den je eine Stadt im Kampf gegen Fettleibigkeit gemacht hat“, sagte Bloomberg damals. Doch er hatte die Rechnung ohne Milton Tingling gemacht. Der New Yorker Richter kippte das Gesetz in letzter Minute - die Größenfestlegung sei willkürlich und entspreche nicht der Verfassung der Vereinigten Staaten, hieß es als Begründung. Ein Triumph für die Getränkeindustrie.

Gegen Bloombergs Plan geklagt hatte seinerzeit der Branchenverband American Beverage Association. Das ist übrigens dieselbe Organisation, die am letzten Dienstag die Pressemitteilung mit der Überschrift „Allianz für eine gesündere Generation“ verschickte, in der Coca-Cola, Pepsi und Dr. Pepper Snapple ihr „historisches Bekenntnis“ zu einer kalorienärmeren Zukunft Amerikas abgaben.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr UWE Keil

26.09.2014, 08:24 Uhr

Bei uns steht dieser Dreck auch in den Supermarktregalen.
Ich kaufe so etwas nicht, aber einfache und dumme Menschen schaden halt nun mal gerne ihrer Gesundheit....

Herr Tom Beck

26.09.2014, 12:27 Uhr

@UWE Keil, bei einer Lebensmittelindustrie die Schinken aus unterschiedlichen Tieren zusammenklebt und Kalbsfleisch und Kalbsleberwurst irreführend verwenden darf, ist es anmaßend und ebenfalls dumm hier pauschal alle Dicken als dumme Menschen abzuhandeln, so einfach ist das nicht.
Wir in Deutschland sind mittlerweile die dicksten Europäer, handeln ist dringend überfällig. Man sollte damit anfangen die irreführenden Deklaratioen zu verbieten und die Lebensmittelkontrollen personel und inhaltlich verstärken. Des Weiteren sollte gesunde Ernährung zwingend Thema in einem Schulpflichtfach werden. Ich kann mich noch erinnern das wir in Hauswirtschaft gelernt haben unter Einsatz von Maggitüten zu kochen, so etwas geht natürlich nicht. Ferner sollten Innitiativen zu mehr Bewegung gestartet werden. Eine bessere Ausstattung von Sportvereinen und Schulsportanlagen. Kostenloses Schulessen usw. da gibt es viele Ansätze die man verfolgen könnte, wenn es einem mit der Gesundheit der Bevölkerung ernst ist.

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