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16.07.2014

06:00 Uhr

Feuertherapie

Heilende Flammen

Während hierzulande Salben vertrieben werden, die wie Feuer gegen Rückenschmerzen wirken, brennt bei manch chinesischem Patienten tatsächlich der Rücken. Viele Chinesen schwören auf die Jahrhunderte alte Feuertherapie.

Feuertherapie in einer Pekinger Wohnung: Die Flammen sollen gegen Stress, Verdauungsstörungen, Unfruchtbarkeit und sogar Krebs helfen. AFP

Feuertherapie in einer Pekinger Wohnung: Die Flammen sollen gegen Stress, Verdauungsstörungen, Unfruchtbarkeit und sogar Krebs helfen.

PekingIn einer schmuddeligen Wohnung in Peking gießt ein Therapeut Alkohol über einen Patienten und entfacht dann per Feuerzeug ein blau-orangefarbenes Mini-Inferno: Was westliche Zuschauer schockiert, wird in der chinesischen Volksmedizin seit Jahrhunderten praktiziert. Viele schwören auf die so genannte Feuertherapie, die Stress, Verdauungsstörungen, Unfruchtbarkeit und sogar Krebs heilen soll. Nun sorgte sie für Wirbel in den chinesischen Medien.

Für ihre Wirksamkeit gibt es keine schulmedizinischen Beweise, was einen der bekanntesten Feuertherapeuten wenig beeindruckt: „Feuertherapie übertrifft sowohl die chinesische als auch die westliche Medizin“, sagt Zhang Fenghao. Einige Therapeuten betonen, die Moxibustion – die Stimulierung von Akupunkturpunkten durch Wärme – habe sich schließlich seit langem bewährt.

Zhang nimmt umgerechnet rund 35 Euro für eine Stunde Behandlung und unterrichtet auch Schüler in der Wohnung. Zunächst reibt er eine Kräutersalbe auf den Rücken des Patienten, bedeckt ihn mit einem Handtuch und tränkt dies mit Wasser und einer 95-prozentigen Alkohollösung. „Mit dieser Methode können Patienten Operationen vermeiden“, sagt er stolz.

Patient Qi Lijun liegt gelassen auf dem Bauch, während Zhang Flammen über seiner Wirbelsäule tanzen lässt. „Es fühlt sich warm an, nicht schmerzhaft, nur warm“, sagt der 47-Jährige, dessen Gedächtnis und Beweglichkeit beeinträchtigt sind, seit er eine Hirnblutung erlitt. „Ich glaube, es wirkt.“

Acht Tipps, um das Herz vor Stress zu schützen

Wechseln Sie in die Vogelperspektive

Versuchen Sie, die Situation, die Ihnen Frust bereitet, ganz bewusst von oben beziehungsweise von außen zu betrachten. So bauen Sie eine innere Distanz zum aktuellen Geschehen auf. Zum Beispiel: "Der Stau, in dem ich gerade stehe, ist eine Tatsache, die ich nicht ändern kann. Wenn ich mich aufrege, verschlimmere ich die Situation nur."

Treiben Sie Sport

Sport zählt laut der Deutschen Herzstiftung zu den besten Möglichkeiten, um Stress loszuwerden. Bereits eine halbe Stunde Bewegung, sei es Walking, Schwimmen oder Tennis, kann gefühlte Wunder vollbringen.

Das Übel bei der Wurzel packen

Zwar lassen sich die Ursachen von Stress nicht immer beheben, etwa bei einem schwierigen Chef. Bei Stress in der Beziehung können gezielte Gespräche helfen. Hier gilt: Nicht schon aufgebracht ins Gespräch gehen, sondern lieber ein paar Tage warten und alle Argumente und Gegenargumente auch sacken lassen.

Entspannungstechniken einüben

Yoga, autogenes Training und Co. werden immer wieder angepriesen - doch nicht jedem sind sie eine Hilfe. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt einen pragmatischen Ansatz: Wenn eine Methode Entspannung bringt, ist sie auch gut - wenn nicht, sollte man andere Sachen ausprobieren. Während manche Menschen alleine und in völliger Stille entspannen, bevorzugen andere etwa die Anleitung in einer Gruppe. Die gewählte Technik sollte auf jeden Fall regelmäßig geübt werden, damit sie in akuten Stress-Situationen auch abrufbar ist.

Starten Sie Ihren "Gegenentwurf"

Unter dem "Gegenentwurf" versteht man die ständige Pflege persönlicher Interessen, seien es Chorsingen, Fußballspielen oder Briefmarkensammeln. Also Aktivitäten, die uns anregen und positiv herausfordern und so vom negativen Stress ablenken.

Verbannung für Entspannungskiller

Fernsehen mag zwar entspannend erscheinen, doch man ist dabei passiv und erreicht keine nachhaltige Stress-Reduktion - wertvolle Zeit, in der man den Ärger des Tages verarbeiten und abschütteln kann, geht so verloren. Es kann helfen, sich einen Plan zu machen, an welchen Tagen man den Fernseher auf jeden Fall auslassen und stattdessen ein altes Hobby wieder aufleben lassen oder ein Treffen mit Freunden verabreden kann.

Vorsicht bei Medikamenten

Arzneien, die Beruhigung versprechen gibt es zwar - sie sollten aber stets nur unter Kontrolle eines Arztes zum Einsatz kommen, und nicht einfach auf eigene Faust im Internet bestellt werden. Als Beispiel nennt die Deutsche Herzstiftung Benzodiazepine, die für langfristige Stressbewältigung ungeeignet sind, weil sie schon nach kurzer Zeit abhängig machen und zudem erhebliche Nebenwirkungen (Konzentrationsschwierigkeiten, Benommenheit) haben können.

Achten Sie auf Ihre Ernährung

Gerade wer viel zu tun und einen gefühlten 48-Stunden-Tag hat, achtet oft nicht ausreichend auf seine Ernährungsweise. Es wird dann zu schnell, das Falsche und zu viel gegessen und vielfach auch zu viel Alkohol getrunken. Zusammen mit Bewegungsmangel kann das zu Übergewicht führen, was Unzufriedenheit und Frustgefühle noch verstärken kann. Man sollte sich am Besten ein Repertoire an schnellen und gesunden Mahlzeiten zulegen, etwa aus der Mittelmeerküche.

In China, wo die staatliche Gesundheitsvorsorge beschränkt ist und viele Bürger sich für chronische Krankheiten keine teure Behandlung leisten können, stehen alternative Therapieformen hoch im Kurs – auch bei der 49-jährigen Zhao Jing, die an chronischen Rückenschmerzen leidet. Zunächst zögerte sie mit einer Feuertherapie, doch inzwischen sagt sie: „Nachdem ich mich gründlich über alles informiert hatte, habe ich keine Angst mehr.“

Die Methode beruht auf dem traditionellen Volksglauben, wonach im Körper ein Gleichgewicht zwischen heißen und kalten Elementen herrschen muss. „Wir entzünden ein Feuer auf dem Körper, das die Kälte aus ihm vertreibt“, erklärt Zhang. Nach eigener Darstellung hat er auch schon ausländische Diplomaten und ranghohe chinesische Beamte mit Flammen behandelt.

Aktuell erregte die Feuertherapie Aufsehen, als im Juli in den sozialen Medien des Landes Fotos einer Hodenbehandlung verbreitet wurden. „Wie gar hätten sie ihr Fleisch denn gern?“, witzelte ein Microblogger auf dem chinesischen Twitter-Dienst Sina Weibo.

Die staatlichen Medien versuchten, die Begeisterung mit Berichten über zwielichtige Therapeuten zu dämpfen, die teils ohne Zertifizierung arbeiteten und oft zur Brandbekämpfung nur einen Eimer Wasser bereitstellten. „Es gab Verletzungen, Patienten erlitten Verbrennungen auf Gesicht und Körper, wegen mangelnder Standards“, sagt Zhang. „Aber ich habe zehntausende Schüler unterrichtet, und wir haben nie einen Unfall erlebt.“

Bisher findet die Methode wenig Beachtung in der medizinischen Fachpresse. Zhang wird in einigen Publikationen über die traditionelle chinesische Medizin gewürdigt, die auch in den Klinken des Landes weit verbreitet ist. Die Industrie ist lukrativ: Nach offiziellen Zahlen produzierte sie im Jahr 2012 Güter im Wert von umgerechnet 61 Milliarden Euro.

Für Zhang ist die Therapie revolutionär. „Ein feuerspuckender Drache kam auf die Erde und verhalf einer geheimnisvollen Therapie zum Durchbruch“, rezitiert er aus einem Gedicht. „Die Medizin braucht eine Revolution, die Feuertherapie ist die Lösung.“

Von

afp

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