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18.09.2013

12:10 Uhr

Fitnessbranche

Die Alternative zum Arztbesuch

VonChristoph Kapalschinski

Millionen Deutsche schwitzen regelmäßig im Fitnessstudio. Besonders regen Zulauf haben die Billiganbieter. Die teurere Konkurrenz versucht sich abzuheben, indem sie ihr Training mit medizinischen Aspekten verbindet.

Gewichte für die Gesundheit: „Keinen Spaß verkaufen, sondern Nutzen bieten“ obs

Gewichte für die Gesundheit: „Keinen Spaß verkaufen, sondern Nutzen bieten“

DüsseldorfWerner Kieser kokettiert gern damit, wie unbeliebt er sich bei den Orthopäden gemacht habe. Gerade jene Gruppe der Ärzteschaft, deren Heilkunst sich oft auf den Einsatz der Kortisonspritze beschränke, hätte seine Fitnessstudios für den gesunden Rücken anfangs äußerst kritisch bewertet, erzählt der Schweizer Branchenpionier. Dabei klingt mit: Die Mediziner fürchteten bloß die wirksamere Konkurrenz.

Kieser bietet in seinen Studios eigens entwickelte Kraftgeräte an, die Volksleiden wie Rückenschmerzen lindern sollen. Der ehemalige Bodybuilder, Jahrgang 1940, bezeichnet den Rücken als seine „Werbe-Speerspitze, um in den Markt zu kommen“. Inzwischen ist Kieser längst nicht mehr der einzige Studiobetreiber, der mit dem Kampf gegen Rückenbeschwerden für sich wirbt. Denn so lässt sich eine treue und zahlungskräftige Kundschaft gewinnen. 110 Millionen Euro Jahresumsatz erzielt Kieser bereits in Europa. Jetzt will er Franchisenehmer in Asien finden.

Fitnesstraining stärker in ein „medizinisches Licht“ zu rücken, darum geht es Kieser und anderen Geschäftsleuten wie Paul Underberg, der seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Fitnessbranche tätig ist. Underberg setzt auf die Kooperation mit Sportwissenschaftlern. Seine 2002 gegründete Kette Injoy, die aus über 200 Filialen von Franchisenehmern besteht, hat eigens einen wissenschaftlichen Beirat eingerichtet.

In diesem Jahr startete die Kette mit der Universität Bielefeld die Kampagne „Lebensfit“. Sie definiert Mindestanforderungen für bestimmte Altersgruppen: Klimmzüge, Sit-ups, Liegestützen, Kniebeugen. Kieser wiederum betont, er wolle „keinen Spaß verkaufen, sondern Nutzen bieten“. Bewusst verzichtet er auf Sauna, Solarium und Bar. Das spart Kosten – und schärft das Markenprofil.

Bereits acht Millionen Mitglieder zählen die 7500 Fitnessstudios in Deutschland. Den größten Zulauf haben Preisbrecher wie McFit. Um sich von ihnen abzuheben, sind eine wissenschaftliche Fundierung und die Betonung von Beratung und Qualität unumgänglich. Bei Kieser etwa gibt es einen Monat Training ab 45 Euro – das ist mehr als das Doppelte des Preises, den der Discounter McFit verlangt.

Der Altersdurchschnitt bei teureren Studios wie Injoy liegt bei 43 Jahren, der durchschnittliche Kunde der Billigketten ist Mitte 20. Die Betreuung durch Trainer und mit speziellen Geräten, die sich etwa bei Injoy automatisch auf den Kunden einstellen, sorgt für eine starke Kundenbindung.

Die Ketten expandieren. Injoy-Chef Underberg spricht derzeit mit Investoren, die neue Studios eröffnen wollen, und entwickelt ein Konzept für kleinere Studios. Auch kleinere Unternehmer, oft Mediziner, bauen eigene Studios auf. So verlangt etwa ein Düsseldorfer Physiotherapeut für ein sechswöchiges Programm mit persönlichem Trainer und Sport auf einem Vibrationsgerät bis zu 300 Euro.

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