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13.05.2014

10:56 Uhr

Forscher melden Zweifel an

Wie gesund ist Rotwein wirklich?

Lange Zeit galt ein Glas Rotwein am Tag als gesund - unter anderem wegen des Inhaltsstoffs Resveratrol. Doch nun kratzen Forscher am guten Image des Wirkstoffes.

Wein für die Gesundheit? Forscher haben in einer Studie andere Schlüsse gezogen. dpa

Wein für die Gesundheit? Forscher haben in einer Studie andere Schlüsse gezogen.

BaltimoreEin als gesundheitsfördernd geltender Rotwein-Inhaltsstoff hat in einer Langzeitstudie mit fast 800 älteren Menschen schlecht abgeschnitten. Es geben keine Anzeichen für eine lebensverlängernde Wirkung von Resveratrol, schreibt ein Forscherteam um Richard Semba von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore (US-Staat Maryland) in der Fachzeitschrift „JAMA Internal Medicine“.

Der Stoff findet sich unter anderem in Wein, Erdnüssen und Schokolade und ist auch als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Er soll zahlreichen Studien zufolge gegen Entzündungen und zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs helfen. Die Studie stieß auf unterschiedliche Reaktionen.

Semba und sein Team nahmen neun Jahre lang 783 Frauen und Männer aus zwei Dörfern in einem Weinanbaugebiet in der Toskana (Italien) unter die Lupe. Dabei untersuchten sie Urinproben unter anderem auf Resveratrol und ließen sich Angaben zu Ernährung und Gesundheit machen. Alle Teilnehmer waren bei der ersten Erhebung älter als 64 Jahre. Die Forscher bestellten die Frauen und Männer jeweils nach drei, sechs und neun Jahren ein, um langfristige Effekte feststellen zu können. Die Teilnehmer nahmen der Studie zufolge Resveratrol hauptsächlich über Wein auf.

Neun Jahre nach der ersten Untersuchung waren 34,2 Prozent der Teilnehmer tot. Die Gestorbenen waren im Durchschnitt älter, bewegten sich weniger, waren eher zuckerkrank und litten vermehrt an chronischer Nierenentzündung und Herzschwäche. Der Anteil der Raucher unter den Verstorbenen war leicht erhöht, mäßiger Alkoholkonsum wirkte sich den Wissenschaftlern zufolge nicht aus. Die Menge an aufgenommenen Resveratrol spielte allerdings ebenfalls keine messbare Rolle. Auch unter denjenigen, die nach neun Jahren noch lebten, waren Probanden mit einem hohen Resveratrol-Wert im Schnitt nicht gesünder.

Die Reaktionen auf die neue Studie unterscheiden sich stark. Der gute Ruf des Resveratrols habe durch diese Studie gelitten, sagte Björn Lemmer, emeritierter Pharmakologie-Professor an der Universität Heidelberg. „Die Studie ist aus meiner Sicht sehr gut geplant und sehr viele Parameter wurden untersucht. Da kann man überhaupt nichts sagen.“ Resveratrol könne nun nicht mehr als Gesundheitsmittel vermarktet werden.

Die wichtigsten Rotwein-Rebsorten in Deutschland

Spätburgunder

Was der Riesling qualitativ für die Weißweine bedeutet, verkörpert der Spätburgunder oder Pinot Noir unter den Rotweinen: die Spitze. In Deutschland sind 11.787 Hektar Rebfläche (Stand 2016) mit der Sorte Spätburgunder bestockt, das entspricht einem Anteil von 11,5 Prozent an der Gesamtrebfläche. Traditionell werden die besten Spätburgunder aus hochreifen Trauben gewonnen. Der Anbau der Rebsorte verlangt sehr viel Sorgfalt und stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden. Seine Farbe ist rubinrot bis granatrot. Sein Geschmack erinnert an Brombeeren, Kirschen, Erdbeeren, Holunder und Pfeffer. Der Geschmack ist etwas gerbstoffbetont, der Körper (Gehalt) gehaltvoll bis körperreich.

Dornfelder

Längst ist die Neuzüchtung von 1955 zu einem deutschen Rotweinklassiker gereift und erfreut sich seit Jahren einer immensen Nachfrage. Heute sind 7741 Hektar mit der roten Traube bestückt (Stand 2016), das sind 7,6 Prozent der deutschen Rebfläche. Es gibt zwei unterschiedlich Ausbaustile. Der ersten betont die Fruchtaromen und wird jung auf den Markt gebracht. Andere Winzer bauen den Dornfelder im großen oder kleinen Holzfass aus und betonen mehr die Gerbstoffe. Die Farbe ist violett bis schwarzrot und sehr farbdicht, das Aroma erinnert an Holunder und Brombeeren. Der Geschmack ist gerbstoffbetont, der Körper (Gehalt) gehaltvoll bis körperreich.

Portugieser

Der Portugieser gilt als unkomplizierter, fruchtiger und frischer Wein für jeden Tag. Die Trauben sind im Alkohol meist leichter als andere Rotweine. Bei deutlicher Ertragsreduzierung sind auch tiefrote, füllige und kraftvolle Rotweine möglich. Die Anbaufläche liegt bei 3064 Hektar, rund drei Prozent der gesamten deutschen Rebfläche. Die Farbe ist hell- bis rubinrot, das Aroma erinnert an Johannisbeeren und Erdbeeren. Der Geschmack ist gerbstoffmild, der Körper leicht bis mittelkräftig.

Trollinger

In Württemberg ist der Trollinger die meistangebaute Rotweinsorte und hat sich zu einem „schwäbischen Nationalgetränk“ entwickelt. Es ist ein frischer und unkomplizierter Wein für jeden Tag. Eine gewisse Restsüße verleiht den harmonischen Trinkweinen zusätzliche Süffigkeit. In der warmen Zeit sollte man Trollinger unbedingt leicht gekühlt servieren. Die Rebsorte wird auf einer Fläche von 2230 Hektar angepflanzt (Stand 2016, 2,2 Prozent der gesamten Anbaufläche). Die Farbe ist ziegelrot bis helles rubinrot, das Aroma erinnert an Erdbeeren, Johannisbeeren und Kirschen. Der Geschmack ist gerbstoffmild, der Körper (Gehalt) leicht bis mittelkräftig.

Schwarzriesling (Müllerrebe)

Insbesondere bei den Württembergern, aber nicht nur dort, erfreut sich der Schwarzriesling großer Beliebtheit. In offiziellen Rebsortenlisten findet man die Bezeichnung „Müllerrebe“. In Frankreich heißt die Müllerrebe „Pinot Meunier“ und gehört zu den drei Champagnerrebsorten. In Deutschland beschränkt sich der Schwarzriesling-Anbau weitgehend auf Baden-Württemberg. Dennoch erreicht die Sorte einen Anteil von zwei Prozent der deutschen Rebfläche (1995 Hektar).Die Farbe ist rubinrot, das Aroma erinnert an Johannisbeeren, Kirschen, Himbeeren und Brombeeren. Der Geschmack weist mittlere Gerbstoffe auf, der Körper ist mittelkräftig und gehaltvoll.

Sein Kollege Professor Huige Li von der Universitätsmedizin in Mainz kommt zu einem anderen Schluss: „Die Studie kann man nicht verwenden, um die Wirkung von Resveratrol selbst zu beurteilen.“ Die Menge an Wirkstoff in einem Liter Rotwein sei rund 100 Mal geringer als in üblichen Resveratrol-Pillen. Im Prinzip sei lediglich die gesundheitsfördernde Wirkung des Weintrinkens untersucht worden.

Von

dpa

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