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05.05.2014

06:00 Uhr

Fossile Energieträger

Können Flüssiggasimporte russisches Erdgas ersetzen?

Russische Erdgaslieferungen sind für den deutschen Energiemarkt bedeutend, für manchen europäischen Staat sogar alternativlos. Flüssiggas aus den USA und Kanada könnte das ändern, jedoch nicht ohne Schwierigkeiten.

Arbeiter zwischen Rohrleitungen einer LNG-Anlage im Süden Englands: Um große Volumina Flüssiggas zu importieren, müsste zunächst die nötige Infrastruktur geschaffen werden. Reuters

Arbeiter zwischen Rohrleitungen einer LNG-Anlage im Süden Englands: Um große Volumina Flüssiggas zu importieren, müsste zunächst die nötige Infrastruktur geschaffen werden.

Die anhaltenden Unruhen in der Ukraine schüren in Europa Sorgen wegen der hohen Abhängigkeit vieler Staaten von russischen Gaslieferungen. Debattiert wird aktuell vor allem über die Umstellung der Versorgung auf flüssiges Gas – kurz LNG. Die USA als auch Kanada haben bereits signalisiert, dass Europa künftig von ihnen mit Gas und Öl versorgt werden könnte. Doch das ist einfacher gesagt als getan.

Es geht um keine kleine Mengen. In der Europäischen Union wurden im vergangenen Jahr rund 125 Milliarden Kubikmeter russisches Gas verbraucht. Das entspricht etwa 27 Prozent des Gesamtbedarfs. Einige osteuropäische Staaten wie Bulgarien sind sogar komplett von russischem Gas abhängig. Deutschland benötigt insgesamt 90 Milliarden Kubikmeter Erdgas und deckt gut 34 Prozent dieses Bedarfs in Russland.

Knapp zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas werden aus deutschem Boden gefördert. Nach Angaben des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) schrumpfte der deutsche Anteil aber im vergangenen Jahr erneut. Die Abhängigkeit von Importen wächst also tendenziell.

Technisch ist die Herstellung von flüssigem Erdgas, Liquified Natural Gas LNG, durchaus möglich. Nach Angaben des Deutschen Verbands Flüssiggas entsteht LNG durch Tiefkühlung von Erdgas auf minus 162 Grad Celsius. Dabei reduziert sich das Volumen auf etwa 1/600 des ursprünglichen Ausgangsvolumens. Nach der Umformung kann LNG dann in speziellen Flüssigerdgastankern transportiert werden. Pipelines sind nur noch von speziellen LNG-Terminals nötig, um das Erdgas weiter zu verteilen.

Rein theoretisch könnte also Deutschland sein Gas künftig verstärkt auch aus den USA oder Kanada beziehen. Genug Gas wäre vorhanden: Dank des unter anderem in Deutschland verbotenen Fracking, bei dem das Gas mithilfe von Chemikalien aus Schiefergestein gelöst wird, sind die USA inzwischen zum größten Gasproduzenten der Welt aufgestiegen. Russland wurde auf Platz zwei verdrängt.

Dennoch kann die Umstellung auf Flüssiggasimporte kurzfristig nicht gelingen – es fehlt an der nötigen Infrastruktur. Weder die USA noch Kanada verfügen über die erforderlichen LNG-Exportterminals. Auch ein seit Jahren geplantes LNG-Anladeterminal in Wilhelmshaven gibt es bislang nur auf dem Reißbrett. Erst vor wenigen Tagen betonte der Energiekonzern Eon, dass der Bau des Terminals lediglich eine Option sei. Bisher bezieht der Konzern sein Flüssiggas unter anderem über Rotterdam.

Sollte Deutschland künftig verstärkt auf Flüssiggas setzen, wäre ein neues Terminal unabdingbar. Das braucht aber Zeit. „Das könnte frühestens in sechs Jahren stehen“, unterstrich erst vor wenigen Tagen die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks gegenüber dem Handelsblatt. Zudem sind die Kosten immens. Allein in Wilhelmshaven müssten laut NDR bis zu einer Milliarde Euro investiert werden.

Hinzu kommt, dass Flüssiggas teurer wäre als russisches Gas. Das Broker- und Analysehaus Sanford C. Bernstein & Co. hat berechnet, dass Flüssiggas gegenüber russischem Pipelinegas Mehrkosten von 40 Milliarden Dollar jährlich verursachen würde. Dazu kommen die Zahlungen für gebrochene Verträge von rund 50 Milliarden Dollar; die aktuellen Verträge mit Russland laufen bis zum Jahr 2035.

Der schnelle Wechsel von russischem Erdgas, etwa zu LNG aus den USA, scheint damit ausgeschlossen. Der Energieriese Exxon erwartet dennoch, dass die Nachfrage nach Flüssiggas in den nächsten Jahren kräftig zunehmen wird. „Die LNG-Menge wird sich verdreifachen“, prognostiziert der US-Konzern in seinem Ausblick bis 2040. Hauptabnehmer wird danach der Raum Asien/Pazifik sein.

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Von

rp

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

05.05.2014, 09:20 Uhr

Ahh....jetzt kommt das Wahre Gesicht und Absicht der USA am Streit mit Russland über die Ukraine zum Vorschein.
Europa soll mehr Gas (Flüssigas) aus US-Märkten beziehen und nicht mehr aus Russland.
Bei der Ukrain Krise geht es schon immer nur um wirtschaftliche und militärstrategische Interessen. Die USA spielen ein Spiel auf Kosten Europas und Russland!
Es wird Zeit, denn Amis einhalt zu zu gebieten. Europa und Russland müssen sich wieder an einen Tisch setzen und die USA aussen vor lassen. Aber Merkel ist hier anscheinend nur eine Marrionette von den USA und anderen Lobby Interessen. Regieren kann die Merkel schon lange nicht mehr...diese Kanzlerin verwaltet nur die Macht von ausländischen und ideologischen Interessensgruppen. Das Wohl und die Interessen (Stärke) des deutschen Volk ist dieser ferngesteuerten und machtverwaltenden Merkel (Erika?) egal!

Account gelöscht!

05.05.2014, 10:43 Uhr

Zitat : Hinzu kommt, dass Flüssiggas teurer wäre als russisches Gas. Das Broker- und Analysehaus Sanford C. Bernstein & Co. hat berechnet, dass Flüssiggas gegenüber russischem Pipelinegas Mehrkosten von 40 Milliarden Dollar jährlich verursachen würde.

- nach und nach verstummen jetzt die Lügen-Gauner, die versucht haben, das europäische Volk, für dumm zu verkaufen !
Das kann man eben nur eine Zeitlang machen....bis sich Menschen finden, die die Wahrheit ans Licht bringen !

Die VERLOGENE Ami-Propaganda mit ihrer Fracking-Fiktion hat sein logisches Ende gefunden. Die Amis können weder Flüssiggas mit Ubooten nach Europa transportieren noch mit Tankers.
Die haben auch eigentlich gar kein Gas, das sie entbehren könnten : denn ihre Fracking -Mission neigt jetzt schon ihrem logischen Ende zu !

Sie haben so langsam schon alles raus gekratzt, was raus zu kratzen war...und gaben dabei flächendeckend ihre Landschaften dafür geopfert .....vergiftet ( samt Grundwasser ) und verunstaltet.

Und in der EUtopia sind 6 Länder zu 100 % vom Russengas abhängig !

Die Deutschen Ami-Romantiker sollten sich eigentlich freuen, dass die Russen ihnen den Gashahn bis dato nicht abgedreht haben.
Wenn sie aber weiter den verlogenen Amis propagandistisch im Ukraine-Konflikt Gefolgschaft leisten ( sie unterwürfigen Besuch der Ossi-Trulle bei Friedensnobelpreisträger ), so steht das wohl bald bevor !

Dann wollen wir mal sehen, wie lange sich unsere Marionetten-Regierung noch an der Macht hält !


.

Account gelöscht!

05.05.2014, 11:45 Uhr

Ausserdem, es gibt noch keine Verladeterminals in den USA, nicht ausreichend Schiffe und keine entsprechenden Terminals in deutschen Häfen und die notwendige Infrastruktur um es zu verteilen.

Das Fracking Gas zu verflüssigen, zu transportieren etc. kostet über 30% der Energie.

Aber in diesen Zeiten hat Wahnsinn ja Methode, siehe Griechenland und die anderen Südländer. Alles wird schön gerechnet und als "auf`m guten Wäg" verkauft.

Frau Nuland hat Recht: F..k the EU and the Euro as well.

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