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24.10.2014

09:36 Uhr

Frankreich

Angeschlagen in die Energiewende

VonThomas Hanke

Frankreich eifert Deutschland nach. Doch die Energiepolitik wird zur Belastung für die Wirtschaft. Klare Ziele für den teuren Nuklearsektor und eine Strategie für mehr Energieeffizienz fehlen.

Französisches Kernkraftwerk: Die Nuklearwirtschaft des Landes ist angeschlagen. dpa

Französisches Kernkraftwerk: Die Nuklearwirtschaft des Landes ist angeschlagen.

ParisFrankreichs Erdöl- und Gasgigant Total hat schon zwei Tage nach dem schockierenden Unfalltod seines Chefs Christophe de Margerie die Nachfolge geregelt. Verwaltungsrats- und Vorstandsvorsitz werden nicht mehr in einer Hand liegen. Bis Ende 2015 wird Thierry Desmarest, de Margeries Vorgänger, den Verwaltungsrat leiten. Operativer Chef wird der 51-jährige Patrick Pouyanné, der bislang für das Chemie- und Raffineriegeschäft zuständig war.

Einen Tag zuvor hatte GDF Suez die Finanzchefin Isabelle Kocher zur stellvertretenden Chefin und damit zur designierten Nachfolgerin von Gérard Mestrallet ausgerufen, der Anfang 2016 abtreten wird. Damit kehrt nach einer kurzen Phase der Verunsicherung – bei GDF Suez tobte ein Machtkampf um die Nachfolge - bei zwei Schwergewichten des französischen Energiesektors absehbar wieder Ruhe ein, auch wenn es im Falle von Total dauern wird, bis Pouyanné in die großen Schuhe seines in Moskau am Montagabend verunglückten Vorgängers hineinwachsen wird.

Wesentlich instabiler ist die Lage in der Nuklearwirtschaft. Der staatliche Areva-Konzern hat Milliarden in den überteuerten Kauf von Uranminen investiert. Der weltweit größte Hersteller von Atomkraftwerken und Nuklearbrennstoff leidet unter einem Streit mit Finnland wegen der Kostenexplosion eines dortigen Reaktorbaus und verliert nun auch noch Geld mit der Herstellung von Windturbinen. Seit der Atomkatastrophe von Fukushima hat sich die Auftragslage bei Areva nicht verbessert.

Vor zwei Tagen trat Areva-Chef Luc Oursel wegen einer schweren Krankheit ab. Areva hat 2013 einen hohen Verlust erlitten und in diesem Jahr rund 35 Prozent seines Börsenwertes eingebüßt. Bis zur nächsten Hauptversammlung wird Oursels Stellvertreter Philippe Knoche zunächst die Geschäfte von Areva führen.

In staatstragenden Reden wird die Bedeutung des Nuklearsektors beschworen. Konkret aber mangelt es der Regierung an Ideen, dieses äußerst kapitalintensive Geschäft rentabel zu machen, statt damit Wert zu vernichten. Zahlen der Nuklearwirtschaft zufolge exportiert Frankreich jährlich acht Milliarden Euro an atomaren Gütern, von Brennstoff bis zu Hochleistungspumpen. Das ist so viel wie der Wert der französischen Getreideexporte.

Weitere Unsicherheit kommt durch die Veränderungen beim größten Versorger der Welt, EDF. Henri Proglio wird als Chef abgelöst. Die Regierung will „ein neues Gesicht“ an der Spitze dieses Schlüsselunternehmens, das weniger für Atom und mehr für die Energiewende steht. Doch Proglios Nachfolger Jean-Bernard Lévy, ein Schulfreund von Staatspräsident François Hollande, dürfte seine Schwierigkeiten haben, eine Schneise in das Dickicht der Energiewende zu schlagen. Er hat beim Medienkonzern Vivendi und in der Rüstungsschmiede Thales gearbeitet.

Vor allem aber hat er mit dem Handicap zu kämpfen, dass anspruchsvollen Zielen für die Energiewende eine unklare Strategie zur Verwirklichung gegenübersteht. Bis 2050 soll der Energieverbrauch halbiert werden, doch es gibt nicht einmal Ansätze eines operativen Programms. Bis 2030 will der Staat den Einsatz fossiler Energieträger um 30 Prozent senken und den Anteil der erneuerbaren Energien auf 32 Prozent hochfahren. In nur elf Jahren soll der Atomanteil an der Stromerzeugung von 75 auf 50 Prozent fallen. „Es ist schwierig, zu behaupten, dass die Erzeugung von Atomstrom abnehmen wird“, gibt Myriam Cohen zu bedenken. Die Analystin bei Alpha Value in Paris erklärt: „Denn niemand kann heutzutage verlässliche Langfristprognosen für den Energieverbrauch abgeben.“

EDF braucht aber Planungssicherheit, um seinen kostspieligen Kraftwerkspark zu pflegen. Proglio hat erfolgreich auf Zeit gespielt. Bis 2017 sollte das Atomkraftwerk Fessenheim an der deutschen Grenze geschlossen werden. Proglio machte deutlich, dass das fünf Milliarden Euro koste und er den Strompreis erhöhen müsse. Nun sagt Umweltministerin Ségolène Royal, es könne auch ein anderes AKW geschlossen werden. Nicht zuletzt die privaten Aktionäre verlangen mehr Klarheit: Der Staat will 2015 fünf bis zehn Milliarden Euro durch Privatisierungen erlösen. Dafür kommt vor allem EDF infrage, dessen staatlicher Anteil 34 Milliarden Euro wert ist. Doch vor einer Teilprivatisierung muss die Regierung die Perspektive des Unternehmens erkennbar machen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.10.2014, 14:26 Uhr

Es ist einfach unverschämt mit welchen Lügenartikel hier über die Kernkraft hergezogen wird. Die Kernkraft ist die billigste Art den Strom zu erzeugen. Und Frankreich hat nicht die teuersten Stromkosten in der EU, sondern Deutchland mit seinen asozialen und perfiden EEG/Erneuerbaren Energien!!!
Wer behauptet die Kernkraft seit teurer als die sog. Erneuerbaren Energie (EEG), der (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Erich Görgens

24.10.2014, 19:39 Uhr

Hallo Herr Hofmann, was halten Sie denn von potenzieller Energie als Äquivalent zur kinetischen...? Zum Nulltarif überall vorhanden, kann man mit ihr in modifizierten Ausgleichssystemen (nach dem Stand von Wissenschaft und Technik), die erforderlicen ~5% kinetische Energie generieren, um Reibung und Beschleunigung zu bewirken. Dabei spart man 100% kinetische Energie und ist von Ressourcen unabhängig.

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