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21.08.2014

10:35 Uhr

Fremdinvestitionen

Bedrohte Energiewende

VonConstantin H. Alsheimer

Der Kapitalbedarf für die Energiewende ist enorm, wenn die Ziele bis 2020 erreicht werden sollen. Doch die Fremdfinanzierung dringender Investitionen wird für Versorger immer schwieriger.

Die Stadtwerke leiden unter den Kosten der Energiewende. Imago

Die Stadtwerke leiden unter den Kosten der Energiewende.

Deutschland hat sich mit der Energiewende für einen Systemwechsel entschieden. Die Elektrizitätsversorgung unseres Landes wird künftig hocheffizient, dezentral und überwiegend regenerativ sein. Der Kapitalbedarf für dieses Projekt ist enorm. Um die Ausbauziele zu erreichen, müssen allein bis 2020 jährlich rund 15 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert werden. Hinzu kommt der erforderliche Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze. Um all diese Investitionen zu stemmen, muss die Energiewirtschaft in hohem Maße auf Fremdkapital zurückgreifen.

Für die Energiewirtschaft ist ein hoher Fremdkapitaleinsatz nichts Ungewöhnliches. Branchenvergleiche zeigen, dass die Versorgungswirtschaft schon immer relativ hoch verschuldet war. Dieser hohe Verschuldungsgrad bereitete lange Zeit keine Probleme. Die stabilen Geschäftsbedingungen der Vergangenheit ermöglichten es, mit einem vergleichsweise großen Fremdfinanzierungsanteil langfristige Investitionen zu schultern.

Der aktuelle energiepolitische Ordnungsrahmen sorgt nun aber dafür, dass von stabilen Geschäftsbedingungen kaum mehr die Rede sein kann. Im Bereich der Stromerzeugung führt das ungeordnete Nebeneinander von marktwirtschaftlichen Elementen und Subventionen zu Verwerfungen.

Constantin H. Alsheimer: Der Autor ist Vorstandsvorsitzender der Mainova AG in Frankfurt. Pressefoto

Constantin H. Alsheimer: Der Autor ist Vorstandsvorsitzender der Mainova AG in Frankfurt.

Betroffen sind auch viele Stadtwerke. Sie haben in den zurückliegenden Jahren in hocheffiziente Gaskraftwerke investiert. Diese Anlagen lassen sich aber nicht mehr rentabel betreiben. Und das, obwohl flexible Gaskraftwerke künftig verstärkt benötigt werden, um die Schwankungen bei der Produktion von Solar- und Windstrom auszugleichen.

Damit nicht genug: Auch im Netzbereich gibt es Probleme. Das aktuelle Regulierungsregime belohnt den Substanzverzehr. Netzbetreiber, die ihre Assets pflegen, stellen sich dagegen schlechter. Betroffen sind auch hier in besonderem Maße die Stadtwerke. Als Garanten einer leistungsfähigen kommunalen Energieinfrastruktur wollen und können sie keine Abstriche bei der Netzqualität in Kauf nehmen.

Die Konsequenzen sind gravierend: Durch den schlecht justierten Ordnungsrahmen wird die Ertragslage für die Energieversorger zunehmend schwieriger und ein hoher Verschuldungsgrad zum Problem.

Diese Entwicklung ist auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht bedenklich: Die Energiewende verlangt nach einer neuen, intelligenten Verknüpfung von dezentraler Erzeugung, Speicherung und Verbrauch. Die Stadtwerke besitzen als regional orientierte, integrierte Versorger die passende Struktur, das notwendige Know-how und den erforderlichen Rückhalt in der Bevölkerung, um diese Transformation zu geringen volkswirtschaftlichen Kosten zu verwirklichen. Fallen die Stadtwerke als Investoren dauerhaft aus, droht ein Anstieg dieser Kosten.

Deshalb gilt: Wenn der Umbau unseres Energieversorgungssystems nicht wegen mangelnder Investitionsspielräume der Stadtwerke aus der Bahn geraten soll, muss der energiepolitische Ordnungsrahmen weiter reformiert werden. Nur dann kann die Systemintegration der erneuerbaren Energien gelingen.

Kommentare (9)

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21.08.2014, 11:22 Uhr

Die deutschen Bürger haben überhaupt keine Wahl gehabt, weil die Bürger nicht von der Politik und den Medien über die Kosten und den Nutzen einer Energiewende aufgeklärt worden sind. Die ideologische Öko-Sozialistische Energiepolitik hat mit dem EEG Fakten gegen unsere Marktgesellschaft (Marktwirtschaft) geschaffen. Mit dem EEG wird ein Nischen-Marktprodukt wie es die Erneuerbaren Energien darstellen von uns als "noch" Wohlstandsgesellschaft Zwangsabgaben Subventioniert. Die Folgen dieses politischen EEG Eingriffs in den Markt bedeutet immer weiter steigende Energie-Strom und Lebenshaltungskosten. Die Banken spielen auch nur solange mit, solange diese von der Politik und damit von uns aller Bürger durch das EEG gedeckt sind. Wir Bürger finanzieren so zu sagen über den EEG-Zwang die Abzocker der Erneuerbaren Energien und die Banken mit. Für ein Produkt (Wind, Sonne), dass nur zufällig erzeugt wird und nicht immer dann wann man es als Verbraucher benötigt aber dies dann trotzdem zu Gunsten der EEG-Abzocker und auf unser aller Kosten mitbezahlen darf.
Ein weiterer Punkt ist die Unsicherheit bei Betrieb solcher EE-Anlagen. Windmühlen, Solarmodule fackeln einfach so mal ab. Biogasbehälter platzen usw.usw. TÜV = Null! Und wie lange hier die Versicherung noch mitspielen, dass ist auch nur noch eine Frage der Zeit.
Die Energiewende ist und bleibt ein Schildbürgerstreich mit den Folgen einer Mangel und Armutsgesellschaft. Mangel an Wissen und Aufklärung und Armut deswegen, weil der Bürger sich weder aufklären lassen will oder einfach von der EE-Lobby Betrogen und Belogen wird, dass sich die Balken biegen.

Herr Christian Wetzel

21.08.2014, 13:08 Uhr

"hocheffizient, dezentral und überwiegend regenerativ"

Meint ihr das ernst ?

Offshore Windstrom wird 1000km nach Bayern geleitet,
ueberfluessiger Solarstrom soll bis nach Norwegen gehen. Ist
das dezentral ?

Um die abgeschalteten Kernkraftwerke zu ersetzen hat man bereits
eingemottete Kohle und Oelkraftwerke aus den 60er Jahren wieder
in Betrieb genommen. Investiert wird auch kaum noch. Deutschland
war frueher in Europa am effizientesten, inzwischen sind wir was
den Kohle/Oelverbrauch pro kWh angeht von den meisten Laendern
ueberholt worden.

Und regenerativ ? Kernkraftwerke halten 60 Jahre, Solarzellen 20-25
und viele Windkraftanlagen werden bereits nach 5 Jahren ersetzt.

Herr Riesener Jr.

21.08.2014, 13:21 Uhr

Mainova: "...muss der energiepolitische Ordnungsrahmen weiter reformiert werden."

Entweder (1) weiter in Richtung Staatswirtschaft und damit weiter in Richtung DDR. Da Staatswirtschaft aber nicht funktioniert, muss man früher oder später diesen Weg zurück gehen. Oder (2) sofort zurück in Richtung Marktwirtschaft. Hier werden aber die Erneuerbaren außer Wasserkraft nicht überleben.

So oder so müssen wir auf dem eingeschlagenen Weg umkehren.

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