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17.10.2013

13:12 Uhr

Funktioneller Zucker

Sinnvoll oder bloße Gewissensberuhigung?

Funktioneller Zucker sieht aus wie normaler Zucker, verspricht aber viel mehr. Aber stimmt die Geschichte vom gesunden Plus oder soll das Produkt nur das Gewissen beruhigen? Experten sind sich da nicht einig.

Herkömmlicher Zucker: Ein Alternativprodukt ist Isomaltulose, ein sogenannter funktioneller Zucker. dpa

Herkömmlicher Zucker: Ein Alternativprodukt ist Isomaltulose, ein sogenannter funktioneller Zucker.

MannheimAls Kariesverursacher und Lieferant leerer Kalorien verschrien, hat herkömmlicher Zucker ein Imageproblem. Ein Alternativprodukt ist Isomaltulose, ein sogenannter funktioneller Zucker. Seine angepriesene Wirkung: Er sei besonders zahnfreundlich, halte die Blutzuckerkurve niedrig und die gelieferte Energie sei länger nutzbar. „Die Bakterien im Mundbereich können diesen Zucker nicht zu sich nehmen“, erläutert Zuckerforscher Jürgen Seibel von der Universität Würzburg. „Es ist Zucker, der weniger Karies auslöst, aber er hat auch eine andere Süße.“ Manche Ernährungsexperten sind trotzdem skeptisch.

So äußert die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Antje Gahl, Zweifel. „Es ist nur eine andere Form von Zucker“, sagt sie. „Funktionelle Zucker haben ihre Vorteile, aber auch sie werden zu Einfachzucker abgebaut und können dann ansetzen.“ Die beste Methode sei es, bei herkömmlichen zuckerhaltigen Lebensmitteln maßzuhalten. Der Ernährungsreferent der Verbraucherzentrale Hessen, Hartmut König, hat ähnliche Bedenken: „Wir sagen grundsätzlich zu funktionellen Lebensmitteln: Solche Produkte brauchen wir bei einer ausgewogenen Ernährung mit hohem Frischeanteil nicht.“

Die Mannheimer Südzucker-Tochter Beneo produziert Isomaltulose und vertreibt sie an die Industrie - nach eigenen Angaben neben dem japanischen Produzenten Mitsui als einziger Hersteller weltweit. „Wenn jemand es nicht schafft, sich ausgewogen zu ernähren, ist es doch schön, wenn es eine Alternative gibt, die den Weg erleichtert“, sagt eine Beneo-Sprecherin. Käufer des als Palatinose vermarkteten Produkts seien unter anderem Online-Anbieter für Sportlernahrung und Hersteller von Getränken und Süßigkeiten für Kinder.

Kommentare (3)

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Thoma

17.10.2013, 14:08 Uhr

Ist es denn allgemein anerkannt, dass dieser funktionelle Zucker tatsächlich "die Zuckerkurve niedrig hält" (d.h. dass der Blutzuckergehalt in den ersten zwei Stunden nach dem Verzehr nicht übermäßig ansteigt)?
Dann wäre er geeignet für geringfügig Zuckerkranke, die keine Medikamente und kein Insulin einnehmen brauchen, aber auf normalen Zucker (Glukose) möglichst verzichten sollten.
Fruchtzucker (Fruktose) und Sorbit sind solche diabetiker-geeignete Süßungsmittel.
In Österreich gibt es wunderbare Marmeladen und Obstsirupe mit Fruktose bzw. Sorbit, die ich selbst bestens vertrage. Denn meine Zuckerkurve steigt dadurch nicht mehr als normal an.
Jeder kann die Zuckerkurve selbst mit einem käuflichen Blutzucker-Messgerät ermitteln.

aurelian

17.10.2013, 22:34 Uhr

Warum nicht Nägel mit Köpfen machen und Xylit statt Isomalt?
Xylit schadet den Zähnen nicht nur nicht, sondern regeneriert Karies im Anfangsstadium (Turku-Studie, 70er Jahre) und reduziert Zahnstein.

Gast

18.10.2013, 07:50 Uhr

Das ist doch nur der nächste Trick, um den Zuckerverbrauch noch weiter in die Höhe zu treiben. Eigentlich sollte man auf Zucker verzichten. Es gibt keinen "guten" Zucker. Selbst das "gute" Obst wird heutzutage bis zum Anschlag mit Zucker vollgepumpt und damit entwertet.

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