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10.10.2014

16:31 Uhr

Gastbeitrag

Industrie 4.0 ist Deutschlands Chance für die Zukunft

VonNils Heisterhagen, Dominic Schwickert

Die Digitalisierung der Produktion bietet große Chancen – doch gleichzeitig sind damit auch große Ängste verbunden. Unter welchen Aspekten das Projekt ein Erfolg werden kann, und wo die Politik ins Spiel kommt.

Industrie 4.0: Ist die Fabrik der Zukunft menschenleer? obs

Industrie 4.0: Ist die Fabrik der Zukunft menschenleer?

„Industrie 4.0“ ist ein Sammelbegriff für einen tiefgreifenden Strukturwandel der Wirtschaft geworden. Der Begriff soll nicht nur das Phänomen der Digitalisierung und zunehmenden Vernetzung von gesamten Produktionsketten beschreiben, sondern fundamentale Veränderungen auf den Punkt bringen, die dem Produzieren und Wirtschaften bevorstehen.

Dominic Schwickert ist seit September 2012 Geschäftsführer des Progressiven Zentrums.

Dominic Schwickert ist seit September 2012 Geschäftsführer des Progressiven Zentrums.

Industrie 4.0 bietet große Chancen. Eine Studie des High-Tech-Verbandes Bitkom erwartet für die sechs Branchen des Maschinen- und Anlagenbaus, der Elektrotechnik, dem Automobilbau, der chemischen Industrie, der Landwirtschaft und der Informations- und Kommunikationstechnologie bis zum Jahr 2025 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 78 Milliarden Euro und ein jährliches Wachstum von 1,7 Prozent durch Industrie 4.0-Technologien.

Obwohl im öffentlichen Diskurs der letzten Jahre die moderne Dienstleistungsgesellschaft als Leitbild beschworen wurde, scheint nun sogar eine gewisse Reindustrialisierung Deutschlands möglich. Das liegt vor allem daran, dass durch neue Technologien dezentraler produziert werden kann und es nicht mehr nur auf große Fabriken mit vielen Arbeitern ankommt. Nach Jahrzehnten des Outsourcings der Produktion in Billiglohnländer könnte so Produktion wieder nach Deutschland zurückgeholt werden, weil die neue digitale Produktion auch qualifizierte Facharbeiter benötigt, die die neuen komplexen Produktionsabläufe verstehen – und die gibt es hierzulande. Außerdem existieren in Deutschland Netzwerke aus Wissenschaft, Unternehmen und einer digitalen Kreativwirtschaft, die digitales Produzieren erst ermöglichen. Erste Unternehmen planen daher bereits ihre Produktion wieder zurück nach Deutschland zu verlagern.

Nils Heisterhagen ist Projektassistent bei dem Think Tank „Das Progressive Zentrum“.

Nils Heisterhagen ist Projektassistent bei dem Think Tank „Das Progressive Zentrum“.

Doch mit der Digitalisierung der Produktion sind auch große Ängste verbunden. Wird die smart factory der Zukunft, in der die Produktion immer weiter automatisiert wird, eine menschenleere Fabrik sein? Eine Studie von Oxford-Wissenschaftlern kommt etwa zu dem Ergebnis, dass 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den USA in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten bedroht sein könnten. Die Industrie 4.0 könnte so zwar mehr Wachstum schaffen, aber auch zu mehr Arbeitslosigkeit führen.

Digitalisierung als Megatrend: Nicht ganz neu und doch Neuland

Industrie 4.0 als Zukunftsthema wird mittlerweile nicht mehr nur von den einschlägigen Forschungsinstituten wie den Fraunhofer Instituten oder der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften, sondern auch im politischen Berlin zunehmend erkannt. So hat die Bundesregierung jüngst eine digitale Agenda verabschiedet. Und am Montag etwa diskutierte Siemens-Chef Joe Kaeser mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf dem Wirtschaftsempfang der SPD-Bundestagsfraktion zum Thema Industrie 4.0. Solche Treffen dienen auch dafür, wichtige Ansatzpunkte für eine erfolgreiche wirtschafts- und sozialpolitische Strategie zur Bewältigung der Digitalisierung auszumachen.

Kommentare (6)

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Herr Andreas Glöckner

10.10.2014, 17:52 Uhr

Ich habe ihren Artikel gelesen und war gleichermaßen erstaunt und erschrocken.

Sie finden keine Antworten zu ihren Themen in der Öffentlichkeit. Die meisten Probleme die sie anführen, dass sind alle außer die unter 3) aufgeführten Problemstellungen, sind politische Problemstellungen. Ich habe mich sehr über die Zusammenfassung gefreut, die sie für die kommenden Jahre sehen. Ich habe mir diese Liste markiert. Aber die politischen Probleme können sie nur über einen politischen Prozess lösen und dafür brauchen sie heute nicht nur eine Partei, sondern Freunde im gesamten medialen Spektrum. Schauen sie sic etwa die gegenwärtige Schlammschlacht zwischen Bernd Lucke (AfD) und Wolfgang Schäuble (CDU; ist das überhaupt noch eine ¨CDU¨) an.

Das Problem mit dem bildungspolitischen Diskurs können sie nur bedingt öffentlich verfolgen. Auch müssen sie sehen, dass nicht alle Menschen in gleichem Ausmaß hochschulfähig sind. Aufgrund einer Lernschwäche können manche Menschen nicht studieren. Ich meine damit nicht, dass latente Schwächen nicht ausgebügelt werden können (ich habe Leseschwächen und Schreibschwächen, wenn es aber im Kopf ist, das Wissen, dann geht es; ich muss natürlich das Recht studieren mit dieser Eigenschaft); es geht darum, dass der Mensch in der breiten Masse, der gegeignet ist, für ihre Vorstellungen, nicht unendlich verfügbar ist. Um Bildungspolitik mit ihren Ambitionen zu betreiben, müssen sie wissen, welche Gratwanderung die Abgrenzung von Wissensinhalten ist und damit auch wie schwer die Einstufng der Bildungsabschlüsse. Es muss nicht immer an der Schülern liegen....

Wenn sie bessere oder andere bildungspolitischen Ziele verfolgen, als die besser bestehenden, dann sollten sie für sich kären, ws den Menschen als Wissensmedium ausmacht. Um ein Beispiel zu nennen: die nicht mehr bestehende Ältestenkultur. Früher war der alte oder gealterte Mensch Vermittlungsmittelpunkt in gesellschaftlichen Fragen. Der Ritus des ¨Wirtschaftsweisen¨ weist die Annahme nach.1

Herr Andreas Glöckner

10.10.2014, 18:15 Uhr

Aufgrund der schnellen Entwicklung, in der eine Revolution nach der anderen, wie ein unendliches Feuerwerk aus dem Boden schießt, ja in dieser Zeit kann kein ¨Ältester¨ aufwarten mit Lösungen. Denn die Problemstellungen in dieser Zeit sind nicht nur historisch neuartig, wodurch alte Gesellschaftskonzepte überkommen sind, sondern in breite und tiefe völlig neuartig, so dass noch nicht einmal Bruchteile der (historisch gesehen) alten Welt übernommen werden müssen, und damit eben auch übernommen werden können. E Learning, Online-Shopping, Billig- Flieger, sogar in meiner Branche wird ganz anders gearbeitet und verarbeitet als früher. Wenn ich ihnen jetzt sage, dass wir auf den deutschen Speisekarten Allwetterkarten und Ganzjahreskarten haben, dann wird sich ihnen zunächst erschließen, dass ich Koch bin. Aber warum Allwetter- oder Ganzjahreskarten? Aufgrund der Züchtungen in Gewächshäusern ist es uns heute möglich, Lebensmittel zu verzehren, ganzjährig, die früher nur saisonbedingt angeboten werden können. Dadurch, dass in der Südhemispäre der Erde Sommer ist, wenn in der Nordhemispäre Winter ist, bekommen wir, hier in der Nordhemispsäre ganzjährig Brombeeren, Zucchini, Pilze, .. in unvorstellbar großen Mengen. Die Industrieschifffahrt versorgt uns mit Lebensmitteln, die wir eigentlich gar nicht kennen. Kohlsorten, Pilzarten, Fische, Fleisch usf... . Die Welt ändert sich massiv. Sie wirkt wie eine Blase, die zu zerplatzen droht, wenn wir nicht schnell genug mitwachsen, mitdenken und uns aus der Mitte unserer Gesellschaft völlig neu aufstellen.

Was hat das mit der Ältestetnkultur zu tun? Wenn sie heute einen jungen Mensche Fragen, wo etwas steht, dann erhalten sie idealerweise die gleiche Antwort, wie von einem jungen Menschen: im Internet. Das Internet ersetzt die Notwendigkeit, sich tiefes Wissen anzueignen. Und es verführt dazu, sich lediglich breites Wissen anzulegen. Womit eben auch klar wird, dass der gealterte Mensch, der wir ja selbst in vierzig Jahren sind,

Herr Andreas Glöckner

10.10.2014, 18:36 Uhr

Wie funktioniert denn, wenn der ältere Mensch sagt, dass das Wissen im Internet verfügbar ist, unser Miteinander? Früher hatte man Respekt vor den Alten, aber warum? Weil die Ordnung der Geslleschaft nur dann aufrecht erhalten werden konnte, wenn diejenigen über Wissen verfügen, die ordentlich damit umgehen, die ihre Wissensmacht nicht gegen andere Gesellschaftsmitlieder ausspielen. Wer rüde ist, wird bestraft (...und geht halt selbst auf Entdeckungstour..), wer Gebrechlich und Schwach war, schied genauso aus ( ...und traf den anderen, der ihn fortan schützen sollte..). Heute unterscheiden wir nicht in Starke und Schwache, jedenfalls nicht mehr sosehr, wie noch vor wenigen Jahren. Das hat sich geändert, auch die Aufwertung oder Abwertung von Arbeitsleistungen, die auf bestimmte Tätigkeiten erfolgte, schwächt nach und nach ab.

Nun ist damit nur geklärt, das sich die Welt um uns herum ändert. Sie bringt Gutes mit -das Neue-, und Schlechtes -zuviel des Neuen-. Wie soll da Bildung funktionieren?

Und diese Antwort kann nur in einem geschlossenen Konzept erfolgen. Wenn wir Bildung sagen, dann meinen wir damit heute nicht mehr die vorbereitenden Rettungsmaßnahmen um durchs Leben zu kommen, sondern wir meinen damit, wie wir unseren status quo halten können. Das Wissen wird hier an dieser Stelle zu einer zeitlosen, unendlich kostbaren Ressource. Anders als in allen vorherigen Gesellschaften, gehört es nicht nur wenigen, einer Elite, sondern allen Menschen. Und das zentrale Medium hierfür heißt Internet.

Wenn wir heute von Bildung sprechen, dann sprechen wir von einem neuronalen Netzwerk, dass für seine Umwelt funktionalisiert wurde. Wir haben von Geburt an ein Sprachverständnis/ Kommunikationsverständnis (Zahlen), wir verfügen über die Eigenschaft unsere technische Umwelt mit einer kryptische Sprache zu codieren. Das ist humangentisch veranlagt.Sonst könnte wir das, was wir tun, nicht tun.Wenn wir diese Sprachwelt,die auch eine kryptische Welt ist, weitergeben wollen,3

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