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20.06.2014

15:31 Uhr

Gasversorgung

Effizienter werden

VonKlaus Stratmann

Die Abhängigkeit von fossiler Energie muss drastisch sinken, denn der Import ist nicht nur teuer, er ist auch eine unsichere Angelegenheit. Dabei ließen sich die Importmengen binnen weniger Jahre halbieren.

Erdgasfelder in Kasachstan: Deutschland importiert das Gros seines Bedarfs. Reuters

Erdgasfelder in Kasachstan: Deutschland importiert das Gros seines Bedarfs.

Die Staaten der EU geben Jahr für Jahr deutlich mehr als 500 Milliarden Euro aus, um den Import von Öl, Kohle und Gas zu bezahlen. In Deutschland sind es allein gut 30 Milliarden Euro. Das ist kein klug angelegtes Geld. Es gibt Wege, die Summen kräftig zu beschneiden. Beschritten werden sie nur zaghaft.

Der Autor: Klaus Stratmann ist stellvertretender Büroleiter in Berlin.

Der Autor: Klaus Stratmann ist stellvertretender Büroleiter in Berlin.

Der Streit zwischen Russland und der Ukraine um offene Rechnungen und künftige Lieferungen macht zudem deutlich: Der Import fossiler Energien ist nicht nur teuer, er ist auch eine unsichere Angelegenheit. Ein großer Teil der Importe stammt aus Ländern, die nicht zu den transparenten und demokratischen Staaten zu zählen sind.

Die Politik hat es in der Hand, die teure Abhängigkeit zu reduzieren. Sie kann dazu beitragen, die Bezugsquellen zu diversifizieren, sie kann die erneuerbaren Energien fördern. Vor allen Dingen aber sollte sie sich der Steigerung der Energieeffizienz verschreiben. Eine kluge, konsequente und langfristig angelegte Effizienzpolitik kann den Verbrauch von Gas, Öl und Kohle deutlich reduzieren, ohne Wirtschaft und Verbraucher über Gebühr zu belasten. Und ohne dass es auch nur zu geringsten Komforteinbußen kommt.

Woher bekommt Deutschland sein Erdgas?

Ergas-Aufkommen

Das gesamte deutsche Erdgas-Aufkommen (Importe, inländische Gewinnung und Speichermenge) entsprach in den ersten drei Monaten dieses Jahres einem Energiegehalt von rund 1,179 Millionen Terajoule (TJ). Das waren etwa 17,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Importe

Mehr als vier Fünftel dieser Menge stammte aus Importen (rund 979 000 TJ) - 2,9 Prozent mehr als zwischen Januar und März 2013.

Lieferländer

Mehr als vier Fünftel dieser Menge stammte aus Importen (rund 979 000 TJ) - 2,9 Prozent mehr als zwischen Januar und März 2013.

Inländische Erdgasförderung

Die inländische Erdgasförderung der Bundesrepublik erreichte von Januar bis März 2014 ein Energie-Äquivalent von rund 84 400 TJ - 8 Prozent unter dem Niveau der ersten drei Monate des vorigen Jahres.

Gasspeicher gut gefüllt

Angesichts des milden Wetters im zurückliegenden Winter 2013/2014 waren die deutschen Gasspeicher von Januar bis März noch mit einer Kapazität von knapp 116 000 TJ gefüllt.

Deutschlands Energie-Exporte

Deutschland exportierte außerdem Erdgas mit einem Energiegehalt von rund 205 000 TJ ins Ausland - ein Fünftel weniger als vor einem Jahr.

Gezielte politische Anreize zur Steigerung der Energieeffizienz lösen Investitionen aus, die sich für Unternehmen und Privatleute schon nach wenigen Jahren rechnen. Das Schöne daran: Diese Investitionen spülen der öffentlichen Hand ein Vielfaches ihrer Ausgaben für die Anreize wieder in die Kasse - etwa weil mehr Steuern fließen oder Heizkostenzuschüsse für Arbeitslose sinken.

Das Gebäudesanierungsprogramm der Förderbank KfW ist das prominente Beispiel dafür. Es müsste jedoch aufgestockt werden. Und über den steuerlichen Anreiz für Sanierungsmaßnahmen wird seit Jahren debattiert. Der Instrumentenkoffer hält noch mehr bereit, vieles davon ist in der EU-Energieeffizienzrichtlinie nachzulesen, die die Bundesregierung aber nur halbherzig umsetzt.

Eine Studie brachte kürzlich zutage, dass sich Deutschlands Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen binnen weniger Jahre halbieren ließe, wenn die Politik nur ein konsequentes Programm zur Steigerung der Energieeffizienz verfolgte. Doch das Thema wird vertagt. Dafür gibt es keinen einzigen vernünftigen Grund.

Kommentare (9)

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20.06.2014, 17:46 Uhr

Heimische Energiequellen sind in Deutschland die Braunkohle und die Kernenergie.

Eine Wiederinbetriebnahme der im ökoreligiösen Delirium stillgelegten umweltfreundlichen KKW wäre sehr begrüssenswert, ist aber angesichts des ökoreligiösen Atomstrahlenglaubens der Deutschen nicht zu erwarten.
Eine intensivere Nutzung der preiswerten Braunkohle wäre gleichfalls bgrüssenswert, ist jedoch gleichfalls angesichts des Glaubens an Waldsterben und einer religiösen CO2 Klimahölle nicht zu erwarten.
Die Einspeisung umweltschädlichen Wind- und Solarstrom erfolgt entsprechend den Launen des Wetters. Es bedarf eines höheren Erdgaseinsatzes um mit flexiblen Gasturbinen den raschen Schwankungen der Ökostromeinspeisung folgen zu können. Der Erdgaseinsatz erhöht sich.
„Energieeffizienzerhöhung“ ist üblicherweise ein ökoreligiöses Schlagwort das verwendet wird wenn kein rationales Argument mehr zu finden ist. Durch den technischen Fortschritt erhöht sich die Energieeffizienz um ca. 1 – 2 %/Jahr. Man kann natürlich Gebäude analog des Polarkreises isolieren und Ähnliches. Allerdings dürfte eine ehrliche Gesamtumweltbilanz solcher Massnahmen negativ sein.

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20.06.2014, 21:03 Uhr

die Effizienzziele sind dem deutschen EU Energiekommissar zu weitreichend. Herr Öttinger ist auf einer Linie mit dem Don Quijote von der Isar. Wieso hassen diese Leute ihre Kinder und Enkel? Und christlich oder sozial ist das alles auch nicht. Persönliches Unvermögen und falsche Berater könnten auch die Ursache sein.

Account gelöscht!

23.06.2014, 08:40 Uhr

Zitat:
"Die Staaten der EU geben Jahr für Jahr deutlich mehr als 500 Milliarden Euro aus, um den Import von Öl, Kohle und Gas zu bezahlen. In Deutschland sind es allein gut 30 Milliarden Euro. Das ist kein klug angelegtes Geld."

Hallo Herr Stratmann,
Deutschland gab im letzen Jahr aber auch 23,59 MRD an EEG-Umlage und 14,5 MRD an Strom- und Mwst auf alles aus, insgesamt 38,09 MRD, zuzgl. Kleinigkeiten wie Offshore-Haftungsumlage, KWK-Umlage ( die übrigens auch allesamt Mwst-Pflichtig sind, da sie ja gewiss einen solchen darstellen :-)) usw.

Quelle: http://www.bdew.de/internet.nsf/id/123176ABDD9ECE5DC1257AA20040E368/$file/131120_BDEW_Strompreisanalyse_November%202013.pdf

Siehe Seite 29, beachten Sie das*
Und weitere 4,5 MRD p.a. sind ja in Kürze für das Bereithalten konventioneller Kraftwerke "in Planung". Macht dann rd. 43 MRD Euro - jedes Jahr für die nächsten 20 Jahre. Und wofür: für 19% des Stroms. Das ist der Anteil der letzten Jah aus Biogas, Wind und Solar erzeugt wurde.
Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/energieproduktion-wo-der-strom-in-deutschland-herkommt/9296120.html

Bereithaltesubvention: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/forderung-kommunaler-firmen-kraftwerke-wollen-praemie-fuers-nichtstun/10056028.html

Und die 4,5 MRd sind dann auch bestimmt wieder Mwst-Pflichtig,da sie ja einen "Mehrwert" darstellen nicht?

Und der volatile Zappelstrom muss scheinbar großteils ins Ausland entsorgt werden:

http://www.ise.fraunhofer.de/de/downloads/pdf-files/data-nivc-/stromproduktion-aus-solar-und-windenergie-2014.pdf
Sie ab Seite 67.

Also 30 MRD Euro an Brennstoffkosten sind unklug angelegtes Geld. 43 MRD Euro für 19% Zappelstrom., der nicht genutzt werden kann, da Speicher unbezahlbar sind, ist "klug angelegtes Geld".

Und Montag ist Propaganda-Tag?

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