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01.12.2014

06:00 Uhr

Gedächtnisleistung

Können Senioren mit Klängen ihre Zerstreutheit überwinden?

Mit steigendem Alter fällt es den Menschen immer schwerer, sich zu konzentrieren. US-Forscher testeten nun eine neue Trainingsmethode für das Gedächtnis, die auf dem Erkennen bestimmter Töne basiert.

Töne gegen Zerstreutheit: Eine neue Technik des Gehirntrainings soll zu mehr Konzentration führen. dpa

Töne gegen Zerstreutheit: Eine neue Technik des Gehirntrainings soll zu mehr Konzentration führen.

Das Älterwerden stellt den Menschen vor zahlreiche Probleme. So nimmt bei Senioren die Fähigkeit, sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren, spürbar ab. Ähnlich wie Kinder lassen sie sich durch die unterschiedlichsten Einflussfaktoren von ihrer eigentlichen Tätigkeit ablenken. Die Folge: zielorientiertes Denken und Arbeiten fällt immer schwerer.

Wissenschaftler haben in der Vergangenheit bereits zahlreiche Untersuchungen angestellt und entsprechende Trainingstherapien entwickelt, um vor allem die Gedächtnisleistung älterer Menschen zu verbessern. Allein die Fähigkeit, ablenkende Faktoren zu unterdrücken, blieb davon unberührt.

Jetzt haben US-Forscher aber offenbar eine Erfolg versprechende Methode gefunden. Getestet haben die Wissenschaftler an der University of California in San Francisco ihr Verfahren an älteren Menschen. Das Erstaunliche: Die Methode basiert auf dem Erkennen bestimmter Töne. Die Testteilnehmer mussten einen bestimmten Ton erkennen, während Laute anderer Frequenzen sie von ebendieser Aufgabe ablenken sollten. Diese neue Technik des Gehirntrainings, so schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Neuron“, konnte die Zerstreutheit und Abgelenktheit tatsächlich verringern.

Bei ihrer Untersuchung, für die die Forscher Senioren von durchschnittlich 69 Jahren antreten ließen, bekamen die Probanden Töne unterschiedlicher Frequenzen vorgespielt. Bei einer Gruppe des Testfelds bestand die Aufgabe darin, sich auf den Ton in einer bestimmten „Zielfrequenz“ zu konzentrieren, diesen zu erkennen und die anderen Töne ignorieren. Je besser die Probanden den Zielton trafen, desto mehr wurden die Störsignale der Zielfrequenz angenähert – und umgekehrt.

So tickt unser Gehirn

Die richtigen Prioritäten setzen

Es gilt, Prioritäten zu setzen. So ändert Emily ihr Verhalten, nicht als erstes die Emails zu checken, sondern diese ruhen zu lassen und sich um einen wichtigen Vortrag zu kümmern. Und da kaum eine Tätigkeit das Gehirn mehr anstrengt als Prioritäten zu setzen, sollte man dies zuerst tun, bevor es zu müde geworden ist.

Durch Aufschreiben entlasten

Mit etwas Übung gelingt es, sich nicht komplexe Ideen zu merken, sondern stattdessen Bilder. Einfacher ist es, die Last im präfrontalen Kortex zu minimieren, indem man sich Dinge einfach aufschreibt. Was sich trivial anhört, wird laut Rock viel zu wenig getan, obwohl es enorme Auswirkungen hat. Alles, was sich das Gehirn nicht mehr merken muss, schafft Raum für neue Aufgaben.

Leistungsschub durch Glukose

Manchmal helfen auch Kleinigkeit: Studien zeigen, dass die Zuführung von Glukose hilft, die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Der präfrontale Kortex verbraucht viel Energie. Traubenzucker und süße Getränke helfen also.

Die Erinnerungskraft steigern

Das Gehirn denkt in Blöcken. Ein Beispiel ist die Tatsache, dass sich die Menschen zum Beispiel Telefonnummern in Blöcken merken, also nicht 017057427920 sondern 0170 57 42 79 20. Dementsprechend rät Rock, sich den Arbeitsalltag oder die abzuarbeitenden Themen auch in Blöcke einzuteilen. Sinnvoll ist es, die Art der Tätigkeiten wenn möglich abwechselnd zu gestalten.

Geschickt Delegieren

Gerade für Führungskräfte ist Delegieren enorm wichtig. Doch dies effektiv ist zu, erfordert vom Gehirn großen Aufwand. Es ist daher sinnvoll, solche Überlegungen in einer Situation anzustellen, in der der Geist noch frisch und belastbar ist.

Wissen, was das eigene Gehirn leisten kann

Wer sein Gehirn kennt, kann es besser einsetzen: Es gleicht einer kleinen, engen Bühne, auf der nur vier Schauspieler Platz haben. Die Schauspieler sind die Dinge, mit denen Sie sich bewusst beschäftigen. Mehr als vier schaffen Sie nicht – und je weniger Schauspieler auf der Bühne sind, umso genauer können Sie Ihnen zusehen. Holen Sie sich also die richtigen Akteure nach vorn – und zwar einen nach dem anderen!

Warum Multitasking schadet

Über kaum eine Entwicklung schütteln Neurologen stärker den Kopf als über die Tatsache, dass Multitasking in der modernen Arbeitswelt als effektiv gilt. David Rock weiß: „Sogar das Hirn eines Harvard-Absolventen kann phasenweise den Stand eines Achtjährigen annehmen, wenn man es zwingt, zwei Dinge gleichzeitig zu tun.“ Also das Blackberry in Meetings lieber beiseite legen und Aufgaben stets hintereinander erldigen!

Routinen entwickeln

Es gibt viele Tätigkeiten im Alltag, die entweder vom präfrontalen Kortex oder von den Basalganglien erledigt werden. Das heißt, entweder muss man sich bewusst darauf konzentrieren, was Platz für wirklich komplexe Aufgaben nimmt, oder es geschieht als Routine „im Hinterkopf“. Versuchen Sie, solche sich wiederholenden Aufgaben ohne nennenswerten Aufwand unterbewusst zu erledigen!

Sich nicht ablenken lassen

Nicht zuletzt dank der neuen Kommunikationsformen nimmt die Zahl der Ablenkungen deutlich zu. Studien belegen, dass sie täglich 2,1 Stunden in Anspruch nehmen. David Rock rät daher dringend zur Selbstkontrolle. Er beschreibt, wie es durch Gehirn-Training gelingen kann, Ablenkungen rechtzeitig als unnötig zu erkennen und beim Wesentlichen zu bleiben.

Eine weitere Gruppe von Senioren musste sich mit wechselnden „Zielfrequenzen“ herumschlagen – bei ihr variierten dafür die „Störfrequenzen“ nicht.
Bei den Tests, die sich über mehrere Wochen erstreckten, steigerten die Forscher die Herausforderung: Das Frequenzspektrum, in dem sich Zielton und Ablenkungstöne bewegten, wurde immer breiter.

Insgesamt 36 Trainingseinheiten, die in zwölf halbstündige Sitzungen über vier bis sechs Wochen verteilt wurden, mussten die Teilnehmer absolvieren. Dies taten sie in ihrer gewohnten Umgebung. Die Forscher überwachten den Testverlauf über eine sichere Internetplattform.

Es zeigte sich, dass die Senioren im Verlauf des Trainings deutliche Fortschritte machten, sich immer weniger von den Störfaktoren ablenken ließen und so ihre Trefferquote erhöhten. Mit der steigenden Aufmerksamkeit erhöhte sich zudem die Gedächtnisleistung der Testpersonen, und die Forscher konnten messbare Veränderungen bei Nervenreaktionen in bestimmten Gehirnarealen dokumentieren.

Aus ihren Studienergebnissen schließen die Wissenschaftler, dass mit Therapien, die auf ihrem Verfahren beruhen, nicht nur die Konzentrationsfähigkeit im Alter verbessert beziehungsweise erhalten werden kann. Sie hoffen gar, mit ähnlichen Techniken etwa auch Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten helfen zu können. Selbst die Übertragung der Testerfolge auf andere Sinneseindrücke und komplexere Reize wie etwa Sehen und Fühlen halten die Autoren der Studie für möglich. So könnten Menschen mit ganz unterschiedlichen Problemen der Ablenkung von den Erkenntnissen profitieren.

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