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29.04.2014

06:00 Uhr

Geschützte Smartphones

Sicherheit für die Kleinsten

VonKirsten Ludowig

Das Start-up Lookout schützt Millionen Smartphones und Tablets vor Schadsoftware und - viel   wichtiger - die Privatsphäre ihrer Besitzer. Die Deutsche Telekom hat das Programm bereits auf Geräten vorinstalliert.

John Hering (links) mit Jim Dolce, Mitgründer und CEO von Lookout: Smartphone als ständiger Begleiter. Lookout

John Hering (links) mit Jim Dolce, Mitgründer und CEO von Lookout: Smartphone als ständiger Begleiter.

Eigentlich ist es eine Schande, dass der Begriff Personal Computer (PC) schon vergeben ist", sagt John Hering und streicht mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Zuneigung über sein schwarzes iPhone. "Schließlich hast du dein Smartphone immer bei dir, und kein Computer weiß mehr über dich: wo du bist, wer deine Kontakte sind, wie deine Bank- und Kreditkartendaten lauten."

An sich kein Problem, könnte das Smartphone nicht verloren gehen oder gestohlen werden - und gäbe es nicht Millionen dieser beliebten Miniprogramme. "Die Schwachstelle von mobilen Geräten, wenn es um den Schutz persönlicher Informationen geht, sind Apps", sagt Jim Dolce.

Die Männer - der eine 30 Jahre alt und Mitgründer von Lookout, der andere 50 Jahre alt und frisch angetretener CEO - sitzen in einem Konferenzraum mit überwältigender Aussicht: ob Transamerica Pyramid, das höchste Gebäude San Franciscos, oder Golden Gate Bridge - alles hat man von hier oben im Blick. Hering und Dolce interessiert das aber wenig. Sie sind abgetaucht in die mobile Welt. Eine Welt, die sie sicherer machen wollen.

Heartbleed Geräteprüfung

Ursache

Seit mehr als einer Woche sorgt "Heartbleed" für Aufregung - die große Sicherheitslücke in OpenSSL, einem weltweit verbreiteten Standard zur Verschlüsselung von Daten im Internet. Mit der kostenlosen Lookout-App "Heartbleed Detector" können Nutzer von Android-Smartphones und Tablets ihr System auf Sicherheitslücken überprüfen. Lookout hat anhand der dem Unternehmen zur Verfügung gestellten Daten in einer ersten Analyse die Open- SSL-Informationen von mehr als 2 400 Nutzern ausgewertet.

Ergebnis

Bei älteren Android-Versionen besteht laut Lookout tatsächlich ein Risiko. Immerhin sind neuere Geräte offenbar nicht betroffen. Einen Grund zur Panik gebe es vorerst allerdings nicht. "Die Hersteller und Netzbetreiber sind jetzt gefragt, die wenigen betroffenen Systeme schnellstmöglich mit Updates zu versorgen", fordert das Unternehmen. Allerdings könne "Heartbleed" in Infotainment-Systemen im Auto, in Smart-TVs oder Set-Top-Boxen, die auf Android setzen, zu einem Problem werden, heißt es.

Lookout hat sich auf Sicherheitslösungen - kostenlos oder als Premiumversion - für Tablets und Smartphones mit den Betriebssystemen Android (Google) und iOS (Apple) spezialisiert. Diese sollen das Gerät vor Schadsoftware und Viren schützen und die Privatsphäre des Besitzers vor ungewollten Zugriffen. Denn: Die wenigsten wüssten, so Hering, was mit ihren Daten passiere.

"Unser Nutzer erfährt zum Beispiel, welche App auf den Standort oder das Adressbuch zugreift. So hat er Transparenz und kann entscheiden, ob er das möchte", erklärt der Lookout-Mitgründer. Verlorene oder gestohlene Smartphones lassen sich ferngesteuert orten und sperren. Lookout ist auf ausgewählten Geräten von ATT, Orange und der Deutschen Telekom vorinstalliert. Ähnliche Produkte bieten Avast, Symantec, AVG und McAfee.

Über die Welt verteilt schützen mehr als 50 Millionen Menschen ihre mobilen Geräte mit Lookout. Und die Zahl steigt täglich. Das ist das Ziel, denn jeder zusätzliche Nutzer füttert die Plattform des Unternehmens mit neuen Informationen über bei ihm auftauchende Spionageprogramme, Phishing-Attacken oder Spam-SMS - macht sie also intelligenter.

Zwar ist der globale B2C-Markt für mobile Sicherheit noch sehr klein, soll aber deutlich zulegen. "Das Bewusstsein für den Schutz mobiler Geräte steigt", sagt Nushin Vaiani, Analystin bei Canalys. "Lookout ist gut aufgestellt, denn das Unternehmen ist auf dem neuesten Stand, was mobile Bedrohungen angeht, und in Sachen Bekämpfung ganz vorne mit dabei."

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Das überzeugt Investoren. Nach 76 Millionen Dollar sicherte sich Lookout im vergangenen Herbst weitere 55 Millionen. Der Großteil kam von der Deutschen Telekom. Aber auch andere bekannte Geldgeber wie Andreessen Horowitz, Khosla Ventures und Peter Thiel beteiligten sich. Thiel, der früh in das Bezahlsystem Paypal und in das soziale Netzwerk Facebook investierte, sieht das Unternehmen an der Schnittstelle der Themen Mobile, Big Data und Sicherheit, die für die Zukunft der IT entscheidend seien. Die Finanzierungsrunde bewertete Lookout Schätzungen zufolge mit einer Milliarde Dollar

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