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25.03.2014

10:00 Uhr

Gewebezüchter

Schöne neue Zähne

VonSascha Karberg

Nach den zweiten wird es teuer. Denn dritte Zähne will der menschliche Kiefer leider nicht produzieren. Dank Gewebezüchtern sollen den ersten Patienten die dritten bald von selbst nachwachsen.

Schöne Zähne: Forscher wollen Zähne künstlich nachzüchten. dpa

Schöne Zähne: Forscher wollen Zähne künstlich nachzüchten.

Man stelle sich das breite Lächeln von Brad Pitt oder Angelina Jolie vor – mit einer klaffenden Zahnlücke bleibt vom Sexappeal nicht viel übrig. Kein Wunder, dass allein in Deutschland pro Jahr rund eine Million künstliche Zahnimplantate eingesetzt werden. Ein rasch wachsender Markt, denn jede Implantation schlägt mit bis zu 3000 Euro zu Buche. Spätestens beim Bezahlen der Rechnung dürfte sich schon so mancher Patient gefragt haben, warum es Biologen eigentlich immer noch nicht gelungen ist, „die Dritten“ einfach nachwachsen zu lassen.

Schließlich ist Zahnlosigkeit im Alter keinwegs ein Naturgesetz: Nagetieren wachsen die Zähne stetig nach, Haifisch-Kiefer schieben ständig neue Zahnreihen nach vorne und sogar Elefanten bekommen bis zu sieben Mal neue Backenzähne. Nur beim Menschen wächst nach den zweiten Zähnen nichts mehr außer den Zahnarztrechnungen. Allerdings gibt es Ausnahmen, denn in seltenen Fällen sprießt tatsächlich irgendwo noch ein drittes Beißerchen hervor.

Zum kraftvollen Zubeißen reichen diese meist winzigen Zähne zwar nicht, doch sie zeigen, dass das Nachwachsen von dritten Zähnen im Grunde möglich ist. Tatsächlich arbeiten Forscher mit Hochdruck daran, der alternden Kauleiste auf die Sprünge zu helfen und auch im Kiefer erwachsener Menschen für Zahn-Nachschub zu sorgen.

Schon vor rund zehn Jahren gelang es Paul Sharpe in seinem Labor am King’s College in London lebende Zähne zu züchten. Er verwendete bestimmte Stammzellen von Mäusen, aus denen sich normalerweise außer Zähnen auch Blut oder Bindegewebe entwickeln können. Sharpe gründete daraufhin die Firma Odontis, um den „Biotooth“ zu produzieren, verkündete, das „in zwei Jahren“ erste Test am Menschen stattfinden und „in zwanzig“ die ersten lebenden Zähne transplantiert werden könnten – doch gehört hat man von Odontics seitdem nichts mehr. „Odontics hat embryonale Zahnkeimzellen verwendet, die in Patienten nicht angewendet werden können“, sagt Jeremy Mao.

Der Ansatz des Zahnmediziners und Gewebezüchters an der Columbia University in New York ist ein anderer. Er will die Zähne nicht künstlich im Labor züchten, sondern die Zellen im Kiefer des Patienten selbst nutzen und anregen, einen Zahn zu bilden. Dazu setzt er ein Gerüst aus einem biologisch abbaubaren Polymer in den Kiefer ein, dass möglichst genau so aussieht wie der natürliche Zahn des Patienten. Allerdings ist das Gerüst durchlässig für Zellen und getränkt mit Wachstumsfaktoren – Molekülen, die jene Zellen anlocken sollen, die einen Zahn nachbilden können.

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