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30.04.2014

14:37 Uhr

„Gigantische Verschwendung“

Fraunhofer gegen stromfressende Netzgeräte

Strom kommt aus der Dose - aber schon mit dem Einstecken des Steckers beginnt die Verschwendung. Viele Netzgeräte sind extrem ineffektiv. Das ist nur eines von zahlreichen Themen, mit denen sich die Fraunhofer-Gesellschaft befasst.

Die Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft: Ineffektive Netzgeräte verschwenden Unmengen an Energie. dpa

Die Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft: Ineffektive Netzgeräte verschwenden Unmengen an Energie.

MünchenAuf dem Weg zur Energiewende sieht die Fraunhofer-Gesellschaft noch viel Potenzial im Bereich der Elektronik. Es sei mehr nötig als die Umstellung auf regenerative Energien, erläuterte die Gesellschaft am Dienstag bei ihrer Jahrespressekonferenz in München. So werde etwa in Haushalten und Büros mit ineffektiven Netzteilen noch massiv Energie verschwendet.

Was bei der Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom in Haushalten und Büros geschehe, sei extrem unökonomisch, sagte Lothar Frey, Leiter des Fraunhofer Instituts für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB. Fast jedes Elektrogerät vom Computer über den Fernseher bis zu Leuchtstofflampen habe ein eigenes Netzgerät, das aus den 230 Volt Wechselspannung die benötigte Gleichspannung erzeuge. Die Netzteile seien „in China gewickelt von fleißigen Händen, aber sie laufen bei 40 oder 50 Prozent Effizienz“. Ein Großteil des Stroms werde in nutzlose Wärme umgewandelt. „Das ist eine gigantische Verschwendung.“

Sinnvoller wäre es, im Gebäude erst einmal zentral für Gleichspannung zu sorgen. Dann sei eine Effizienz von 95 Prozent möglich. Nachfrage hierzu gebe es vor allem von gewerblicher und industrieller Seite.

Die Kosten für Wind- und Solarstrom werden nach Einschätzung von Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer spätestens ab 2030 unter die der fossilen Energie fallen. Bis dahin müsse die Politik verhindern, dass der hiesigen Wirtschaft Nachteile entstehen.

Der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer, sagte zur Bilanz 2013, der gesamte Haushalt sei um vier Prozent gestiegen und liege erstmals über zwei Milliarden Euro. Die Aufträge aus der Privatwirtschaft erreichten mit rund 580 Millionen Euro einen neuen Höchststand. Das unterstreiche die wachsende Bedeutung von Fraunhofer für die Industrie.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg um fünf Prozent auf rund 23.200. Eine Grenze beim Wachstum setzte allerdings die Grundfinanzierung durch öffentliche Mittel, die bei 28 Prozent gelegen habe, sagte Finanzvorstand Alfred Gossner. 72 Prozent des Haushalts kamen über Erträge aus Projekten der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft.

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat 67 Forschungseinrichtungen in Deutschland und ist nach eigenen Angaben die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

30.04.2014, 16:22 Uhr

Ich glaube schon, dass die Leute beim Fraunhofer Institut intelligente Leute sind - aber für einen guten Rat braucht es mehr - nämlich Praxiserfahrung und eine ideologiefreie Herangehensweise.

Ich würde viel Geld darauf wetten, dass deren Vorhersage sich als falsch erweist, dass die Preise der Erneuerbaren bis 2030 unter die von herkömmlichen Kraftwerken fallen. Die meinen den Preis EUR/kWh - aber bei den Erneuerbaren braucht man wegen der stark fluktuierenden Produktion auch noch Stromspeicher - und die werden richtig teuer. Dagegen sind die bisher ausgegebenen Milliarden Peanuts.

Die Vermeidung von Stromverschwendung macht dann (und nur dann) Sinn, wenn es GELD-Verschwendung ist. Oftmals ist es aber umgekehrt Geldverschwendung, sich ein neues teures Gerät anzuschaffen. Nämlich dann wenn die eingesparten Stromkosten über die Laufzeit des Geräts kleiner sind als die zusätzlichen Anschaffungskosten. Das ist eigentlich trivial.

Viel wichtiger wäre es, die Stromkosten niedrig zu halten, weil Energie in allen Produkten und Dienstleistungen steckt. Und da ist die Energiewende kontraproduktiv. Und umweltfreundlich ist die Energiewende schon gar nicht: neue riesige Flächen von
Monokulturen für Energiemais, Landschaftsverbrauch durch Windkrafträder usw. Und der CO2-Ausstoß steigt durch das Abschalten der Kernkraftwerke und deren Ersatz durch grundlastfähige Kohlekraftwerke (Erneuerbare können das nicht - die ersetzen im Wesentlichen relativ umweltschonende Gaskraftwerke).

Und das alles nur, um unserer "Angst vor dem Atom" Rechnung zu tragen....

Account gelöscht!

02.05.2014, 10:22 Uhr

@Riesener
Stromsparen wird weder den deutschen Bürgern helfen, noch wird sich dadurch der Preis der KWh verringern.
Warum? Weil die Subventionen für die heilsbringenden Erneuerbaren für 20 Jahre FIX (!) zugesagt sind und sich die Politik entschlossen hat, dem Privaten die Kosten für die Energiewende aufzubrummen. Da die Subventionen gleich bleiben, bzw. noch ansteigen, heisst das nichts anderes, dass bei sinkendem Stromerbrauch ganz einfach der Preis für die private KWh steigen MUSS!
Zu den Netzgeräten:
Solange die Struktur des EEG die Stromverschwendung bei den Unternehmen fördert um sich als "energieintensiv" zu "qualifizieren" hat der Austausch von Netzgeräten natürlich ökologisch kaum Gewicht!
PS: ich persönlich habe mir ein "intelligentes Netzgerät" für 10 Euro gekauft. Funktioniert auch: 30% geringerer Stromverbrauch im Betrieb, 90% Einsparung im Standby. Nur: was solls? Fällt ohnehin nicht ins Gewicht.

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