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23.07.2014

10:03 Uhr

Global Innovation Barometer

Begnadete Verbesserer

VonBernd Ziesemer

Deutschlands Konzerne kommen beim Innovationen-Ranking unter die Top drei. Doch es dauert zu lange, bis aus Erfindungen neue Produkte werden. Das liegt auch an der deutscher Gründlichkeit.

Kontinuierliche Verbesserung: Damit ist die deutsche Autoindustrie bisher gut gefahren. Doch der Innovationsdruck wird zunehmen. dpa

Kontinuierliche Verbesserung: Damit ist die deutsche Autoindustrie bisher gut gefahren. Doch der Innovationsdruck wird zunehmen.

Bevor deutsche Kommunisten einen Bahnhof besetzen, spottete einst Wladimir Lenin, lösen sie noch schnell eine Bahnsteigkarte. Unsere Kapitalisten verhalten sich so ähnlich: Deutsche Konzerne gehören zu den innovativsten der Welt, scheuen aber den schnellen Einsatz neuer disruptiver Technologien. Oder anders gesagt: Wir sind begnadete Verbesserer, aber keine Revolutionäre.

Das ist auch das Ergebnis des neusten „Global Innovation Barometer“ – einer alljährlichen Studie des amerikanischen Elektroriesen General Electric (GE), die sich inzwischen weltweit viel Renommee erworben hat. Sie beruht auf der Befragung von über 3000 Managern in 26 Ländern. Deutschland, die USA und Japan kommen dabei unter dem Strich immer noch am besten weg. Die Industrien der drei Länder behaupten sich in dem Ranking als die innovativsten der Welt.

Japanische Sprinter und deutsche Perfektionisten

Die Unterschiede zwischen ihnen zeigen sich hauptsächlich bei der Geschwindigkeit, mit der aus Erfindungen neue Produkte werden. Am schnellsten reagieren, anders als viele glauben, immer noch die Japaner. Die Autoren der GE-Studie bezeichnen sie deshalb als „innovation sprinter“. 71 Prozent der japanischen Manager bemühen sich, neue Produkte möglichst schnell auf den Markt zu werfen.

Auch in den USA setzen die Konzerne im Zweifel auf Tempo. Dazu muss man nur ins Silicon Valley schauen. In Deutschland glauben dagegen nur 41 Prozent der befragten Manager an den Vorzug einer hohen Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Erfindungen. Die Autoren der Studie sehen uns deshalb als „innovation perfectionists“.

Was ist besser? Beide Haltungen bringen Vor- und Nachteile. Die kontinuierliche Verbesserung von Produkten - bestes Beispiel: die deutsche Autoindustrie - sichert zufriedene Kunden und im Zweifel auch höhere Profite über längere Zeiträume. Deutsche Unternehmen verstehen es, Marktanteile Schritt für Schritt zu erhöhen.

Gewaltige Herausforderungen

Wir tun uns aber oft schwer damit, unsere Geschäftsmodelle radikal umzustellen, wenn völlig neue Märkte entstehen. Das beste Beispiel dafür: die Internetwirtschaft. Der Mut zu Risikoinvestitionen findet sich heute eher in Asien und den USA als bei uns.

Deutschland fährt mit seiner Strategie bisher insgesamt gut. Die Frage ist nur: Gilt das auch für die Zukunft? Gerade unsere bisherigen Vorzeigeindustrien – Auto, Maschinenbau, Anlagen – steuern auf ein Zeitalter neuer disruptiver Technologien zu. Elektromobilität, Industrie 4.0, Big Data - das alles sind Stichworte einer gewaltigen Herausforderung für die bestehenden Geschäftsmodelle.

Wir werden deshalb nicht darum herumkommen, die Innovationsgeschwindigkeit zu steigern. Oder um im Jargon der GE-Studie zu bleiben: Deutsche Manager müssen Sprinter werden, dabei aber Perfektionisten bleiben.

Kommentare (2)

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Herr peter Spirat

23.07.2014, 10:26 Uhr

Richtig so HB.

schön alles unterdrücken, was das Volk zum Völkermord der Israelis sagen will. das nennt man freie Presse.

Weiter so, dann laufen ihnen auch weiterhin die Bezahl-Leser davon.

Man informiert sich immer mehr im Internet, wenne s um die Wirtschaft geht:

- God Mode trader
- Finanzen.net



Herr peter Spirat

23.07.2014, 10:30 Uhr

Die Zeitungen sterben.

Der Grund: An den Lesern wird vorbei geschrieben.

Gerade in der Russlandberichterstattung oder im Umgang mit dem Völkermord in Palästina zeigt sich dies beispielhaft. So geht man mit den Lesern nicht um


Viermal im Jahr trägt die Zeitungsbranche Trauer. Dann werden die Verkaufszahlen für das jeweils zurückliegende Quartal veröffentlicht. In der Regel regiert das Senkblei. Von links oben nach rechts unten verläuft die Kurve, die längst keine Kurve, sondern vielerorts eine Gerade ist, ungebremst auf dem Weg zur Nulllinie.

Sehr vielen Zeitungen und sehr vielen Zeitschriften laufen die Leser davon, sterben die Abonnenten aus. Die meisten Produkte, die die Händler feilbieten, wird es in zehn Jahren nicht mehr geben.

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