Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.12.2013

17:10 Uhr

Große Koalition

Schönheits-OPs für Jugendliche sollen verboten werden

SPD und Union erwägen ein Verbot von Schönheitsoperationen für Jugendliche unter 20 Jahren. Konkrete Vereinbarungen gibt es aber noch nicht. Bisher reicht eine Genehmigung der Eltern für einen solchen Eingriff.

Schönheits-OPs für Jugendliche könnten bald der Vergangenheit angehören. dpa

Schönheits-OPs für Jugendliche könnten bald der Vergangenheit angehören.

Berlin/FrankfurtDie Gesundheitsexperten von SPD und Union unterstützen ein Verbot von Schönheitsoperationen bei Jugendlichen. Konkrete Vereinbarung der großen Koalition in spe hat es dazu aber noch nicht gegeben, verlautete am Montag aus dem Büro des gesundheitspolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach. Dieser befürwortet aber ein solches Vorhaben.

Zuvor hatte die „Frankfurter Rundschau“ berichtet, Union und SPD wollten Schönheits-OPs von Minderjährigen auf das medizinisch Notwendige reduzieren. Beide Seiten hätten sich in ihren Koalitionsverhandlungen darauf verständigt, ein solches Verbot im geplanten Präventionsgesetz zu verankern. Im Koalitionsvertrag taucht das Vorhaben nicht auf. SPD und CDU teilten mit, auch informell sei nichts vereinbart worden.

„Da gibt es keine Vereinbarung“, ließ Lauterbach mitteilen. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Jens Spahn, bestätigte zwar auf Anfrage ebenfalls nicht den Medienbericht. Klar sei aber: „Medizinisch nicht notwendige Schönheitsoperationen bei Minderjährigen zu verbieten ist einfach, transparent und unbürokratisch. Es steht zwar nicht im Koalitionsvertrag, aber wenn die SPD da mitmacht, können wir es bald regeln.“

Nach früheren Angaben der Union werden rund zehn Prozent aller kosmetischen Eingriffe an jungen Leuten unter 20 Jahren vorgenommen. Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) nennt eine viel kleinere Quote. Danach hatten die unter 18-Jährigen 2011 nur einen Anteil von 1,3 Prozent an ästhetischen Operationen – und auch 2012 bewegten sich die Zahlen wieder bei etwa 1 Prozent, so die DGPRÄC.

Bisher reicht in Deutschland selbst für weitreichende Eingriffe wie Brust-OPs oder Fettabsaugen bei Minderjährigen die Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Ein medizinischer Grund für eine Schönheitsoperation liegt beispielsweise vor, wenn die Betroffenen auf Grund ihres Aussehens massive seelische Probleme haben. Begründet sind plastisch-chirurgische Eingriffe auch zur Korrektur von Fehlbildungen der Hand oder bei der Behandlung von Verbrennungsfolgen. Piercings oder Tätowierungen bei Minderjährigen sollen dem Bericht zufolge auch nach einem Verbot von Schönheits-OPs erlaubt bleiben.

Würden Sie eine digitale Sprechstunde in Anspruch nehmen?

Die mit Abstand am häufigsten durchgeführten Operationen sind den Angaben zufolge Ohrenkorrekturen: Sie machen mehr als 87 Prozent der ästhetischen OPs bei Minderjährigen aus. Dann folgen mit unter 4 Prozent Brustkorrekturen bei der sogenannten Männerbrust – einer weiblich anmutenden Brust beim Mann – und die Schweißdrüsenabsaugung bei übermäßigem Schwitzen (unter 2,5 Prozent). DGPRÄG-Sprecherin Kerstin van Ark spricht von einem Randphänomen, über das hier diskutiert werde. Brustvergrößerungen bei Minderjährigen seien in der Statistik gar nicht zu finden, sagt sie.

Van Ark befürchtet, dass durch ein Verbot ein zusätzliches Hindernis für Jugendliche entsteht, die zum Beispiel unter abstehenden Ohren leiden. Sie bräuchten dann womöglich erst die Zustimmung eines Psychologen. „Wenn man 13 ist und man hat abstehende Ohren, ist das eine eindeutige Indikation“, sagt sie. Derzeit brauchen Minderjährige für einen solchen Eingriff das Einverständnis der Eltern.

Auch wenn SPD und Union den Medienbericht über das aktuelle Vorhaben nicht bestätigen – beide Parteien haben schon in der Vergangenheit ein solches Verbot ins Gespräch gebracht. „Zum Jugendschutz gehört es auch, Jugendliche vor den Folgen eines falschen Schönheitswahns zu bewahren. Einen jungen Körper im Wachstum unnötig einem solchen massiven Eingriff auszusetzen, kann körperlich und geistig fatale Folgen haben“, so Spahn. „Eine Brustvergrößerung als Geschenk für eine 15-Jährige zu Weihnachten finde ich jedenfalls völlig inakzeptabel.“

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

03.12.2013, 18:58 Uhr

" „Wenn man 13 ist und man hat abstehende Ohren, ist das eine eindeutige Indikation“, sagt sie. Derzeit brauchen Minderjährige für einen solchen Eingriff das Einverständnis der Eltern."
---
Himmel, die hatte ich mit 13 auch. Im Erwachsenenalter war davon nichts mehr zu sehen, ganz ohne OP, einfach rausgewachsen.

Account gelöscht!

03.12.2013, 20:35 Uhr

Außer die Beschneidung von Jungen natürlich, diese Operation an Minderjährigen bleibt erlaubt!?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×