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15.08.2013

17:07 Uhr

H7N9-Studie

Vogelgrippe könnte sich über Stuhl verbreiten

Einer neuen Studie zufolge könnte sich die tödliche Vogelgrippe H7N9 auch über menschliche Fäkalien ausbreiten, und nicht hauptsächlich über Geflügel. Mikrobiologen warnen indes vor einem weiteren Ausbruch des Erregers.

Reinigung leerer Hühnerkäfige: Die Vogelgrippe H7N9 wurde im März das erste Mal bei Menschen in China nachgewiesen. ap

Reinigung leerer Hühnerkäfige: Die Vogelgrippe H7N9 wurde im März das erste Mal bei Menschen in China nachgewiesen.

PekingDie tödliche Vogelgrippe H7N9 könnte sich einer Studie zufolge auch über menschliche Fäkalien ausbreiten. Bislang waren Forscher davon ausgegangen, dass sich Menschen hauptsächlich bei Geflügel mit dem Erreger ansteckten. Bei einer Untersuchung wies ein Forscherteam um den Mikrobiologen Yuen Kwok-yung von der Universität Hongkong das Virus jedoch im Stuhl von infizierten Patienten nach. Das Team veröffentlichte seine Ergebnisse im Fachmagazin „Clinical Infectious Diseases“.

Yuen Kwok-yung warnte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa vor einem weiteren Ausbruch des Erregers: „Es gibt ein großes Risiko, dass das H7N9 Virus im Winter wiederkommt.“ Die Vogelgrippe H7N9 war im März das erste Mal bei Menschen in China nachgewiesen worden. In den vergangen Monaten galt der Erreger jedoch als weitgehend eingedämmt. Am Sonntag starb nach Auskunft der Gesundheitsbehörden jedoch erstmals seit Wochen wieder ein Mensch an H7N9. Damit haben die Behörden insgesamt 136 mit dem Virus infizierte Menschen registriert. 45 von ihnen starben.

Infos zur Vogelgrippe H7N9

Was ist H7N9?

Das Virus H7N9 ist nach der Kombination zweier Eiweiße - Hämagglutinin und Neuraminidase - auf seiner Oberfläche benannt. Es geht in Geflügelfarmen um, gilt aber als „gering pathogenes“ Virus, das Vögel in der Regel nicht krank macht. Dies kann dazu führen, dass es sich unbemerkt verbreitet, was es deutlich erschwert, seinen Ursprung zu finden.

Wie gefährlich ist das Virus für den Menschen?

Seit Februar haben sich in China mehrere Dutzend Menschen infiziert. Zu den Symptomen gehören Fieber und Atemprobleme bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen. Wie die Ansteckung genau verläuft, ist noch unklar. Viele Betroffene dürften sich bei infiziertem Geflügel angesteckt haben. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch galt lange als unwahrscheinlich, wird jetzt aber nicht mehr ausgeschlossen.

Welche Veränderungen des Virus beobachten Wissenschaftler?

Auch wenn es noch nicht sicher ist, scheint das Virus auf eine Weise mutiert zu sein, die es ihm einfacher macht, sich an Säugetiere anzupassen. Wissenschaftler versuchen derzeit, den aktuellen Wirt des Virus zu ermitteln. Eine Möglichkeit sind Schweine, weil sie einige grundlegende biologische Ähnlichkeiten mit Menschen aufweisen und als eine Art „Mischgefäß“ fungieren könnten, wenn sie mit verschiedenen Grippeviren-Typen gleichzeitig infiziert sind.

Gibt es eine Impfung?

Eine Impfung gegen H7N9 existiert nicht, allerdings arbeiten die Weltgesundheitsorganisation WHO und ihre Partner bereits daran, mögliche Viren zu isolieren und zu identifizieren, die künftig falls nötig für Impfungen genutzt werden könnten. Die Herstellung eines Impfstoffs würde allerdings Monate dauern.

Wie unterscheidet sich diese Vogelgrippe vom gefürchteten H5N1-Virus?

Anders als das H7N9-Virus war H5N1 meist tödlich bei Vögeln, was es leichter machte, Ausbrüche der Vogelgrippe zu identifizieren und ihnen entgegenzuwirken. H5N1 bleibt eine Vogelgrippe und hat nicht die Abzweigung zu weiteren Spezies wie Schweinen genommen. Die meisten Ansteckungen bei Menschen gingen entsprechend auf den Kontakt mit infizierten Vögeln zurück.

Der Erreger H5N1 infizierte seit 2003 weltweit mehr als 600 Menschen. 371 Patienten von ihnen starben. Experten fürchten allerdings, dass das H5N1-Virus in eine Form mutieren könnte, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird und damit möglicherweise eine Pandemie auslöst.

Sollte man Geflügelfleisch derzeit meiden?

Solange Geflügelprodukte vernünftig gekocht werden, gilt ihr Verzehr als ungefährlich.

Das Forscherteam hatte insgesamt zwölf Patienten auf den Erreger H7N9 getestet, von denen die Hälfte an dem Virus gestorben war. Nach dem Tod wiesen die Wissenschaftler H7N9 im Stuhl von vier der sechs Gestorbenen nach. Zudem fanden sie es im Stuhl von zwei der sechs untersuchten überlebenden Patienten.

Bei der hochinfektiösen Lungenkrankheit Sars vor zehn Jahre in China hatte sich das Virus unter anderem über verunreinigte Toiletten verbreitet. „Unsere Befunde deuten nicht direkt auf eine gleiche Übertragung wie bei Sars hin“, sagte Yuen Kwok-yung. „Aber solch eine Möglichkeit muss immer in Betracht gezogen werden.“

Von

dpa

Kommentare (4)

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Fleisch_pfui_Deibel

15.08.2013, 17:44 Uhr

Grund für die Vogelgrippe ist die quälerische Massentierhaltung. Es ist unsäglich, dass dieser Wahnsinn, der Folterqualten unglaublichen Ausmaßes für die Tiere bedeutet, die Umwelt zerstört und den Menschen dreifach schadet, nach wie vor staatlich subventioniert wird, wodurch Vegetarier gezwungen werden, Dinge zu bezahlen, die sie allein schon aus ethischen Gründen zutiefst ablehnen. Ändern daran kann jeder von uns sofort etwas: Aufhören, diesen mit Qual, Medikamentenrückständen, Keimen und den leckersten Verunreinigungen (Geschwüre? Eiterbeulen? - Rausschneiden wäre viel zu arbeitsaufwendig und teuer, also mit rein; ebenso Fäkalien; der Leser googele mal, wie viele hygienische Mängel ständig bei Schlachthöfen aufgedeckt werden) vollgestopften Dreck zu kaufen und erst recht zu essen.

Account gelöscht!

15.08.2013, 18:49 Uhr

Grund für die Vogelgrippe (die aus China kommt) ist die Massentierhaltung? Oder ist es das "Cowboy-Prinzip": die menschliche Herde ständig in Bewegung halten, damit sie nicht auf dumme Ideen kommt? Und damit durch die "notwendigen Maßnahmen" die eigene Sache weiterbringen, ganz im Sinne Jean-Claude Junckers:

Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert.Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt. (Premierminister von Luxemburg Jean-Claude Juncker erklärt seinen EU-Kollegen die Demokratie - SPIEGEL 52/1999)

naja, wenn es gerade keine "Grippe" gibt, dann ist es halt Terror!

Ridikuel

16.08.2013, 11:17 Uhr

Nun kommen sie wieder aus den Löchern, die Besserwisser - das ist doch wieder ein lancierte Meldung der Pharmaindustrie, "... es ist noch Impfstoff da.." merkt hier denn keiner was und auf die Meinung zurückgebliebener Veganer legt doch auch keiner großen Wert...?

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