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25.09.2013

09:03 Uhr

Handelsblatt-Roundtable

Die neue Offenheit in der Energiebranche

VonGeorg Weishaupt, Dana Heide

Die Teilnehmer des Roundtables plädieren für weniger Alleingänge und mehr Transparenz in der Strombranche. Nur so kann die Integration der Erneuerbaren funktionieren und die Energiewende schneller und billiger werden.

Sie diskutierten in Frankfurt beim Handelsblatt Roundtable (von links): Norbert Hetebrüg (GE), Stefan-Jörg Göbel (Statkraft), Hendrik Sämisch (Next Kraftwerke), Manuel Frondel (RWI) und Erik Landeck (Stromnetz Hamburg/Stromnetz Berlin). Markus Kirchgessner für Handelsblatt

Sie diskutierten in Frankfurt beim Handelsblatt Roundtable (von links): Norbert Hetebrüg (GE), Stefan-Jörg Göbel (Statkraft), Hendrik Sämisch (Next Kraftwerke), Manuel Frondel (RWI) und Erik Landeck (Stromnetz Hamburg/Stromnetz Berlin).

FrankfurtDie Not war groß. Es gab viel zu viel Wind und zu wenig Stromverbrauch. Statkraft reagierte prompt und schaltete 40 Windparks zwischen Weihnachten und Neujahr 2012 ab. So vermied das Unternehmen, dass es zu einem negativen Strompreis kommt. Dann hätte der Netzbetreiber noch dafür zahlen müssen, um den überschüssigen Strom ins Ausland zu schaffen. „Wir konnten so mit unseren Vertragspartnern die Stromkunden in Deutschland um rund elf Millionen Euro entlasten“, sagte Stefan-Jörg Göbel vom Stromhändler Statkraft. Er diskutierte auf Einladung des Handelsblatts mit vier anderen Vertretern der Energiebranche über neue Geschäftsmodelle. Tenor der Expertenrunde: Stromerzeuger, Netzbetreiber und Verbraucher müssen enger zusammenarbeiten, um die Energiewende zu beschleunigen.

Die Teilnehmer des Round Table

Manuel Frondel

Energieexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung RWI, Essen.

Stefan-Jörg Göbel

Chef des Stromhandels Zentraleuropa von Statkraft, Düsseldorf.

Norbert Hetebrüg

Nordeuropachef für dezentrale Energiesysteme bei General Electric.

Erik Landeck

Geschäftsführer Stromnetz Berlin und Stromnetz Hamburg.

Hendrik Sämisch

Geschäftsführer Next Kraftwerke, Köln.

Das Abschalten Ende vergangenen Jahres markiert einen neuen Trend im Ökostrommarkt: Wind-, Solar- und Biogasanlagen speisen ihren Strom nicht mehr einzeln ins Netz, ohne Rücksicht auf den Gesamtmarkt. Sie passen sich der schwankenden Nachfrage an. So können grüne Kraftwerke zum Teil die Rolle traditioneller Kraftwerke übernehmen. Das funktioniert vor allem, weil es inzwischen rund ein Dutzend Unternehmen in Deutschland gibt, die ihr Geld mit virtuellen Kraftwerken verdienen: Sie schalten Solar-, Wind- und Biogasanlagen zusammen und bieten deren Gesamtleistung aus einer Hand an. Das ist zum Teil so viel wie ein Gaskraftwerk.

„Wir können mit unserem virtuellen Kraftwerk kurzfristige Schwankungen im Stromnetz ausgleichen“, sagte Hendrik Sämisch in Frankfurt. Er ist Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Next Kraftwerke. Es ist eines der größten Betreiber von virtuellen Stromerzeugern in Deutschland und verkauft vor allem Strom aus Biogasanlagen.

Das Unternehmen ist entstanden, weil es seit Anfang 2012 die Möglichkeit gibt, grünen Strom direkt an der Strombörse zu verkaufen. Zuvor konnten Betreiber einer Wind- oder Photovoltaikanlage ihn nur gegen eine feste Gebühr ins Stromnetz einspeisen. Die Bundesregierung fördert aber, dass sich grüne Stromanbieter dem Wettbewerb stellen.

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Die Integration von erneuerbaren Energien ist allerdings aufwendig und erfordert viel Transparenz im Markt. So gibt es vor allem bei Privathaushalten zu viele unterschiedliche Systeme, um Anlagen zentral zu steuern. „Wir brauchen standardisierte elektronische Steuerungen, auf die sowohl die Netzbetreiber als auch Betreiber virtueller Kraftwerke zugreifen können“, sagte Erik Landeck, Geschäftsführer der Stromnetz Berlin GmbH und Stromnetz Hamburg GmbH.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

25.09.2013, 12:51 Uhr

In der Planwirtschaft, welche wir bei der Stromversorgung eingeführt haben, wird "Wertschöpfung" halt anders definiert.
Die Gesellschaft verbucht dann bereits "Gewinne", wenn Verluste vermieden werden. Man kann nur den Kopf schütteln, wie tief wir bereits gesunken sind.

"Gewinne" hätte die Gesellschaft dann, wenn das EEG dahingehend reformiert würde, daß es sich den Marktkräften stellen müsste. Kein Einspeisevorrang
zu fest garantierten Preisen mehr, Aufhebung des Zwangs, die Allgemeinheit für dieses Energie-Experiment zahlen zu lassen, der Kunde müsste frei wählen
dürfen, ob er Ökostrom beziehen will oder nicht.. Kein Verschenken und Verscherbeln des teuer subventionierten Windstroms zu negativen Preisen mehr ins
Ausland, wofür aber eine effektive und billige Zwischenspeicherung nötig wäre. Speicher gibt es aber kaum oder befinden sich im Forschungsstadium (wie
z.B. Wasserstoff). Und: sofortiger Stop des weiteren Zubaus von Windanlagen, welche nur die Netze und die Verbraucher belastet, aber an windreichen Tagen
ohnehin nicht mehr genutzt werden können, was ich hier auf dem Hunsrück regelmässig beobachten kann. An windreichen Tagen drehen sich einige Räder,
in derselben Anlage stehen andere still. Diese werden trotzdem vergütet und der Ausbau geht weiter. Belastet wird die Gesamt-Gesellschaft, die hats ja.

Mir graust schon vor dem Tag, an dem die Politik sich des nächsten "Grundbedarfsfeldes" seiner Bürger in dieser Weise annimmt....

Grundmann

26.09.2013, 09:04 Uhr

Liebe Handelsblatt-Macher,
das ist endlich mal ein konstruktiver Beitrag zur Energiewende. Aus wirtschaftlicher Sicht geht es ja genau darum, alte Geschäftsmodelle abzulösen und immer mehr konventionelle Kraftwerke durch erneuerbare Kraftwerke zu ersetzen. Wir können es uns als Gesellschaft nicht leisten, die erneuerbare Energieversorgung aufzubauen und gleichzeitig konventionelle Kraftwerke in heutigem Umfang weiter zu betreiben, das ist zu teuer. Deswegen ist es notwendig, konventionelle Kapazitäten durch erneuerbare Kapazitäten zu ersetzen. Transparenz der Marktteilnehmer untereinander, kompatible technische Schnittstellen und open data sowie die Bündelung von erneuerbaren Energiequellen, Speichern, KWK-Anlagen und Verbrauchern zu erneuerbaren Kraftwerken ist der richtige Weg.
Ich wünsche mir weiter solche konstruktiven Beiträge der führenden Wirtschafts- und Finanzzeitung Deutschlands. Wir brauchen jetzt Öffentlichkeit für die innovativen Köpfe. Unternehmen und ihre Vorstände, die nicht in der Lage sind, ihre Geschäftsmodelle an eine erneuerbare Energieversorgung anzupassen, die Probleme statt Lösungen präsentieren, bremsen die notwendigen technologischen und kaufmännischen Entwicklungsschritte.
Martin Grundmann

Account gelöscht!

27.09.2013, 09:48 Uhr

Hallo RainerFeiden

Die Energiewirtschaft und das Stromgeschäft im Besonderen, war noch nie marktwirtschaftlich organisiert. Vor der Liberalisierung im Jahre 1998 schon gar nicht und danach auch nicht wirklich. Das ist ähnlich wie bei der Deutschen Bahn, wenn der Markt bereits monopolartig aufgeteilt ist, haben neue Akteure kaum eine Chance Fuß zu fassen. Andersherum wird ein Schuh daraus, aufgrund der Jahrzehntelangen staatlichen Eingriffe in den Energiemarkt war es zwingend notwendig, neue Energieerzeugungsformen wie die Erneuerbaren auch zu fördern. Ansonsten hätte sich niemals eine mittelständisch geprägte regenerative Energieerzeugung gegen die vier großen etablierten Energieversorger durchsetzen können, die von Anfang an alles daran gesetzt haben, um die Entwicklung zu torpedieren.
Der Ruf nach einem „freien“ Energiemarkt ist im Übrigen sehr kritisch zu betrachten. So haben z.B. die Energieversorger seit der Liberalisierung ihre Investitionen in die Netze (nicht Neubau, sondern Erhalt) massiv zurückgefahren. Sehr zum Wohl der Anleger, weil die nichtgetätigten Investitionen nicht die Bilanz belasten, sehr wohl aber die Netzstabilität gefährden. Die Entwicklung hier ist also nicht im Sinne der Allgemeinheit. Ähnliche Befürchtungen gibt es, wenn von der Privatisierung der kommunalen Wasserwirtschaft die Rede ist. Die Gefahr ist groß, dass Gewinnmaximierung den Grundversorgungsauftrag gefährdet. Das es grundsätzlich durch eine Privatisierung billiger wird, müsste auch erst noch bewiesen werden.

Ich stimme Ihnen zu, dass es etliche Fehlentwicklungen in Bezug auf die Erneuerbaren Energien gibt. Die Ursachen liegen aber nicht bei den selbigen. Sie sind vor allem geprägt von einer falschen Politik, durch die massive Verzerrungen entstanden sind. Ich möchte aber auch die Politik in Schutz nehmen, denn in den letzten fünf Jahren hat die Energiewirtschaft so viel Veränderung erlebt wie in den letzten 50 Jahren nicht. Jetzt aber einfach von Experiment zu reden, bei einem

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