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02.12.2014

10:15 Uhr

Heikles Thema

Klimageld für Kohlekraftwerke

Japan baut mit dem Geld aus der UN-Klimafinanzierung auch Kohlekraftwerke. Experten kritisieren fehlende Regeln bei der Vergabe der Mittel. Das heikle Thema steht auch auf der Tagesordnung der UN-Klimakonferenz in Lima.

Kohle: Japans Praktiken sorgen für Unmut. dpa

Kohle: Japans Praktiken sorgen für Unmut.

Klimaschutz braucht Geld. Mit der UN-Klimafinanzierung werden ärmere Länder bei ihren Anstrengungen im Kampf gegen die globale Erderwärmung unterstützt. Rund 100 Milliarden Dollar (etwa 80 Milliarden Euro) haben die Industrieländer bis 2020 zugesagt. Doch das Versprechen wurde bislang nicht konkretisiert und auch die Verwendung der Mittel entspricht nicht immer den Vorstellungen von Klimaschutz, wie das Beispiel Japan zeigt.

Die Regierung in Tokio vergab Geld aus der Klimafinanzierung, damit japanische Unternehmen drei Kohlekraftwerke in Indonesien bauen konnten - alles andere als ein zeitgemäßes Klimaprojekt. Japan argumentiert jedoch, die neuen Kraftwerke seien viel effizienter und damit sauberer als die alten.

Auf der am Montag begonnenen Klimakonferenz in Lima steht auch die Vergabe der Klimafinanzierung auf der Tagesordnung. Bislang fehlen ein einheitliches Regelwerk und eine überwachende Organisation, die klarstellt, was eigentlich finanziert werden soll.

Kohlekraftwerke stoßen zweimal so viel Kohlendioxid aus wie Anlagen, die auf Basis von Erdgas arbeiten. Fischer, die in der Nähe des Kohlekraftwerks Cirebon in Indonesien wohnen, klagen darüber, dass es immer weniger Muscheln, Krabben und Fische gibt.

Japan, das zu den größten Beitragszahlern in der Klimafinanzierung gehört, weist die Vorwürfe zurück. „Es gibt Länder, die sich keine andere Methode als den Einsatz von Kohle leisten können“, sagt die Sprecherin des Außenministeriums, Takako Ito. „Für diese Länder wollen wir die beste Technologie anbieten, um Kohlendioxid zu reduzieren.“

Christiana Figueres, Generalsekretärin des Sekretariats der UN-Klimakonvention, gibt zu, dass ihr bewusst sei, dass die japanischen Kohlekraftwerke in Indonesien mit Geldern der Klimainitiative finanziert wurden. Sie betont aber, dass es keinen Grund gibt, den Bau solcher Kraftwerke zu unterstützen. „Der unverminderte Einsatz von Kohle hat keinen Platz im künftigen Energiesystem“, sagt sie. Es gebe eine sehr klare Tendenz hin zu Investitionen in Erneuerbare Energien.

Sogar der erst eingeführte Green Climate Fund (GCF) hat nur vage Richtlinien für die Vergabe seiner Gelder. Vorstandsmitglied Jan Cedergren sagt, dass er nicht davon ausgeht, dass der Fonds fossile Brennstoffe unterstützt. Aber eine Entscheidung dagegen sei bislang noch nicht getroffen worden.

Der GCF soll in weit größerem Umfang als andere Fonds Klimaschutz in den Entwicklungsländern fördern. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte angekündigt, dass Deutschland 750 Millionen Euro in den Fonds einzahlen will.

Eine Analyse von 300 aus der Klimafinanzierung unterstützen Projekten zeigt, dass Japan als einziges Land direkt Geld für den Bau von Kohlekraftwerken gegeben hat. So hat das Land mit einem Darlehen der Japanischen Bank für Internationale Kooperation (JBIC) ein 729 Millionen Dollar teures Wärmekraftwerk auf Ost-Java gebaut.

Auf der Liste der 30 größten Projekte findet sich ein weiteres Wärmekraftwerk, diesmal im Westen der indonesischen Insel Java. Der Bau wurde mit 214 Millionen Dollar ebenfalls von der JBIC finanziert. Miteigentümer des Kraftwerks ist die japanische Marubeni Corp., die vom US-Justizministerium in diesem Jahr zu 88 Millionen Dollar Strafe verurteilt wurde. Das Unternehmen soll indonesische Regierungsbeamte bestochen haben.

Japans Klimafinanzierung beinhaltet auch ein 15 Millionen Dollar schweres Darlehen für eine Anlage in Indramayu auf West-Java und ein Dutzend kleinere Kohlekraftwerke in Indien, Indonesien und Vietnam. Nur einige davon finden sich in den offiziellen Dokumenten der UN wieder. Japanische Regierungsmitarbeiter sagen, dass es keinen bestimmten Grund dafür gebe. „Wir haben nichts zu verbergen oder zu verstecken“, heißt es aus dem Außenministerium.

Allerdings sagen Klimaexperten, selbst die neueste japanische Technologie sei nicht ausreichend, um die Klimaschutzziele zu erfüllen. Die einzige Technologie, mit der das möglich ist, wären unterirdische Anlagen, die Kohlendioxid absaugen und dort speichern. Diese Technologie ist aber sehr teuer und noch nicht marktreif.

Nahe dem Kraftwerk Cirebon klagen die Fischer aus dem Dorf Kanci Kulon über geringere Fänge. Daud, ein 50-jähriger Fischer sagt, dass er normalerweise 45 Krebse pro Tage fängt. Jetzt seien es nur noch zehn. „Ich glaube, das ist wegen des Kohleschlamms“, meint er.

Mitarbeiter des Cirebon-Kraftwerks weisen diese Anschuldigungen zurück. Sie sagen, die Anlage sei sicher und es gelange kein Schlamm in das Meer. Heru Dewanto, einer der Vizepräsidenten des Kraftwerkes, gibt zu, dass es möglicherweise Probleme „für die 200 bis 300 Miesmuschelzüchter oder Fischer“ gebe. Allerdings versorge das Kraftwerk auch eine halbe Million Häuser mit Elektrizität.

Edi Wibowo, Umweltingenieur im Kraftwerk, sagt, dass die Emissionen zwischen 856 und 875 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde betragen. Im Vergleich: Beim Einsatz von Öl sind es zwischen 600 und 700, bei Erdgas 400 und bei Erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne nahezu null Gramm CO2 an Emissionen.

Im Gegensatz zu Japan haben andere Industriestaaten wie die USA die Finanzierung von Kohlekraftwerken mit öffentlichen Geldern untersagt. Deutschland fördert noch solche Anlagen, sie werden allerdings nicht aus dem Klimafonds bezahlt.

Sogar vielen Umweltorganisationen war nicht bewusst, dass Japan den Bau von Kohlekraftwerken mit Klimageldern finanziert. „Klimafinanzierung ist ein großes Durcheinander. Das muss geklärt werden“, verlangt Karen Orenstein von der Organisation Friends of the Earth. „Es ist eine Schande, dass diese Mittel in fossile Technologien fließen. Das ist kontraproduktiv.“

Von

ap

Kommentare (3)

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Herr Riesener Jr.

02.12.2014, 10:36 Uhr

Wir Deutschen sollten uns nicht über andere aufregen. Wer klimafreundliche Kernkraftwerke abschaltet und die klimaschädlichsten Kraftwerke (Braunkohle) am Netz lässt und vor kurzem noch ausgebaut hat, sollte besser schweigen und sich schämen.

Account gelöscht!

02.12.2014, 10:49 Uhr

Die Japaner haben doch die Kernkraft und die ist CO2 arm. Somit werden die Japaner in Zukunft mehr in die Kernkraft investieren als in die Kohlekraft. Außerdem ist Kohle für Japan uninteressant. Die muss von Austrielen angeschippert werden und ist zur Kernkraft extrem teuer und macht Japan zu sehr abhängig von anderen Ländern.

Herr Christian Wetzel

02.12.2014, 15:48 Uhr

Dafuer hat die UNO also Geld und in Syrien wird die Hilfe
fuer Hungernde eingestellt.

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