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04.02.2014

12:09 Uhr

Heimat abgebaggert

Verschwundene Braunkohle-Orte

Braunkohle schafft Energie, aber über 25.000 Menschen mussten in der Lausitz deswegen ihre Heimat verlassen. Das Archiv verschwundener Orte erinnert an 136 abgebaggerte Dörfer. Welcher Ort wird Nummer 137 sein?

Braunkohle im Tagebau in Jänschwalde: Dörfer sollen den Baggern weichen. dpa

Braunkohle im Tagebau in Jänschwalde: Dörfer sollen den Baggern weichen.

HornoHeimat, das ist mehr als irgendein Ort. Sie gehört zur menschlichen Identität. Wenn es stimmt, was Psychologen sagen, dann verloren die Einwohner von Horno einen Teil ihrer Seele. Zehn Jahre ist es nun her, dass das Dorf in der Niederlausitz abgebaggert wurde, damit mehr Braunkohle gefördert werden kann. Doch der Schmerz sitzt tief - auch wenn sich das Leben im umgesiedelten Neu-Horno inzwischen „normalisiert“ hat, wie Dorfvorsteher Bernd Siegert sagt. Die Freiwillige Feuerwehr, der Männerchor, der Spielmannszug: „Es ist uns einigermaßen gelungen, das gesellschaftliche Miteinander zu bewahren.“

Horno (niedersorbisch Rogow) ist nur ein Ort von vielen, die in den vergangenen fast 100 Jahren der ostdeutschen Braunkohleindustrie zum Opfer fielen. In Neu Horno - einem Stadtteil der Kreisstadt Forst im Südostzipfel von Brandenburg - haben sie einen „Gedenkort“. Das „Archiv verschwundener Orte“.

Seit 2006 erinnert es an sämtliche Orte, die in der Lausitz bereits abgebaggert wurden. 136 Dörfer mussten dort seit 1924 dem Braunkohlebergbau ganz oder teilweise weichen - wurden „abgerissen, devastiert“, wie Archivleiterin Dörthe Stein erklärt. Mehr als 25.000 Menschen verloren ihr Zuhause.

Basis des Dokumentationszentrums ist ein großer Teppich, eine begehbare Landkarte der Lausitz. Alle verschwundenen Orte sind dort verzeichnet und rot markiert - auch das alte Horno. Wer den Teppich betritt, muss in weiße Überzieher schlüpfen, die an OP-Schuhe erinnern. Dann können die Besucher die einzelnen nicht mehr existenten Orte digital ansteuern und sich Filme vom alten Dorfleben ansehen. Die Stimmung ist ein bisschen wie auf einem Friedhof.

Finanziert hat das „Archiv verschwundener Orte“ der Energiekonzern Vattenfall. Er will auch in Zukunft Geld mit der Kohle aus der Lausitz verdienen. Weitere Orte sollen den riesigen Braunkohlebaggern weichen. Alleine für den Ausbau der Braunkohle-Lagerstätte Jänschwalde-Nord bei Cottbus sollen drei Dörfer weichen: Grabko, Kerkwitz und Atterwasch. Viele der Bewohner kämpfen gegen ihre Umsiedlung, andere haben bereits aufgegeben.

Kommentare (3)

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holger29

04.02.2014, 13:07 Uhr

"Klimaschädlich"... Welchen Einfluss soll denn der Braunkohleabbau auf das Klima haben?

loco

04.02.2014, 15:39 Uhr

Na der Spaß baggert sich nicht von selbst. Schauen Sie sich doch mal die rießigen Mondlandschaften an!

Account gelöscht!

04.02.2014, 18:53 Uhr

Braunkohle Förderung ist die größte Dummheit die ein Staat begehen kann
und gleichzeitig ein ökonomische Wahnsinn.
Dringend benötigte Agrarflächen werden durch den Schornstein gejagt.

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