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21.11.2013

16:44 Uhr

Hepatitis-Medikamente

Die Milliardenhoffnung der Pharmaindustrie

VonSiegfried Hofmann

Neue Arzneien gegen die Virusinfektion Hepatitis C sollen besser auf die Krankheit zugeschnitten sein. Nicht nur die Patienten profitieren davon, sondern auch die Hersteller: Die Mittel versprechen gigantische Umsätze.

Hepatitis-Medikamente könnten der Pharmabranche Milliarden einbringen. dpa

Hepatitis-Medikamente könnten der Pharmabranche Milliarden einbringen.

FrankfurtHepatitis C ist eine tückische Krankheit. Bei manchen Menschen führt die Virusinfektion zu einer akuten Leberentzündung, bei vielen aber verursacht sie kaum Beschwerden und bleibt unbemerkt. Langfristig indessen kann das HPC-Virus auch in diesen Fällen zu Leberzirrhose oder gar Leberkrebs führt.

Behandelt wird die Infektion bisher, wenn überhaupt, mit einer Kombination aus den Medikamenten Ribavirin und Interferonen. Bei 50 bis 70 Prozent aller Patienten sind die Mittel erfolgreich, doch die Therapie dauert bis zu zwölf Monate und ist mit beträchtlichen Nebenwirkungen verbunden. Viele verzichten daher auf eine Behandlung.

Nun aber bahnt sich ein Umbruch an. Ein halbes Dutzend Hersteller, darunter Boehringer Ingelheim als einziger deutscher Vertreter, sind auf gutem Wege, in den nächsten zwei bis drei Jahren neue Wirkstoffe auf den Markt zu bringen, die gezielt auf das Hepatitis-Virus zugeschnitten sind. In klinischen Studien zeigten sie, bei deutlich kürzeren Behandlungszeiten, weniger Nebenwirkungen und höhere Heilungsquoten. Voraussichtlich werden sie auch einen Verzicht auf den heiklen Interferon-Einsatz ermöglichen.

Der Startschuss für die neue Ära der Hepatitis-C-Therapie fällt vermutlich Anfang Dezember, wenn die US-Arzneimittelbehörde FDA über die Zulassung des Wirkstoffs Sofosbuvir der US-Biotechfirma Gilead Sciences entscheidet. Ein Beratergremium der FDA hat sich bereits einstimmig für die Genehmigung ausgesprochen. Weitere Neuentwicklungen befinden sich in fortgeschrittenen Studien oder bereits im Zulassungsverfahren.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte gesundheitliche Risikofaktor?

Die Evolution in der Hepatitis-Behandlung ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich die Pharmabranche immer wieder neue Märkte erschließen kann. Aus einem bislang eher kleinen Segment mit bis zu vier Milliarden Dollar Jahresumsatz könnte eine weitaus gewichtigere Kategorie werden. Der Marktforscher Datamonitor sieht das Hepatitis-C-Geschäft der Pharmabranche bis Ende des Jahrzehnts bei mehr als 15 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Manche Experten rechnen sogar mit 20 Milliarden Dollar. Der Hepatitis-Markt dürfte damit neben Krebs, Diabetes und Rheuma zu den wichtigsten Wachstumsfeldern der Branche gehören.

Basis für die Schätzungen ist die Kombination aus hohen Preisen und Patientenzahlen. Weltweit sind nach Schätzung der WHO etwa 170 Millionen Menschen mit Hepatitis-C infiziert, davon etwa sieben bis acht Millionen in den westlichen Industrieländern. In Deutschland geht das Robert-Koch-Institut von 400 000 bis 500 000 Betroffenen aus. Die Preise für die neuen Medikamente werden bei mehr als 50 000 Dollar je Therapiezyklus erwartet. Selbst wenn nur fünf Prozent der Infizierten zu solchen Konditionen behandelt würden, errechnet sich ein globales Marktvolumen von theoretisch mehr als 400 Milliarden Dollar über die nächsten zehn bis 20 Jahre.

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