Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.10.2013

17:11 Uhr

Hilfe im hohen Alter

Alte Menschen gehen zu selten in Psychotherapie

Nicht mehr mobil oder auf die Hilfe anderer Leute angewiesen zu sein sorgt bei vielen älteren Menschen für psychische Probleme. Doch in psychotherapeutische Behandlung begeben sich nur wenige.

Senioren auf einer Parkbank: Viele haben Angst, beim Besuch eines Therapeuten für verrückt erklärt zu werden. dpa

Senioren auf einer Parkbank: Viele haben Angst, beim Besuch eines Therapeuten für verrückt erklärt zu werden.

HamburgAlte Menschen kommen nach Ansicht des Hamburger Psychiaters Reinhard Lindner viel zu selten in psychotherapeutische Behandlung – etwa wegen Depressionen oder einer Angststörung. „Gerade Hochbetagte über 75 Jahre bleiben häufig unbehandelt“, sagte Lindner. „Viele können sich gar nicht vorstellen, dass Psychotherapie auch im hohen Alter hilft – aber es ist so.“

Zu psychischen Beeinträchtigungen könne etwa führen, nicht mehr mobil oder auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein. Häufig kämen auch Traumata aus der Kindheit oder Jugend im Zweiten Weltkrieg wieder hoch. „Die um die 80-Jährigen haben eine Kindheit im Faschismus hinter sich, eine Kriegskindheit, zum Teil auch die Erfahrung von Vergewaltigungen. Die aktuellen Probleme haben immer auch mit der Lebensgeschichte zu tun.“

Viele Hochbetagte hätten traditionelle Vorstellungen vom Alter als „etwas Erstarrendem“, erklärte der Psychiater: „Da ist erstmal nicht die Idee da, in eine Psychotherapie-Praxis zu kommen.“ Manche hätten Angst, beim Besuch eines Therapeuten für verrückt erklärt zu werden.

Auch die Bedingungen könnten ein Hemmnis sein: „Wie kriege ich einen Psychotherapeuten in ein Pflegeheim? Oder umgekehrt einen alten Menschen in eine Praxis im vierten Stock?“ Bei diesen Patienten könne es sinnvoll sein, wenn der Therapeut zu ihnen nach Hause kommt.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RDA

07.10.2013, 19:42 Uhr

Tja, bei Privatpatienten und Beihilfeberechtigten wird der Therapeut bestimmt gern ins Pflegeheim kommen. "Chipsletten" hingegen werden wohl leider, leider auf der langen Warteliste landen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×