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02.10.2014

17:28 Uhr

Hilfen für Abhängige

Wenn Drogen zur Psychose führen

Ein Joint in Ehren? Für immer mehr junge Menschen werden Kiffen und andere Drogen irgendwann zum handfesten Psychoproblem. Ein besonderes Therapiezentrum in Berlin kann helfen.

„Ist doch nur ein Joint“: Psychosen sind die unterschätzen Folgen von Drogenkonsum. dpa

„Ist doch nur ein Joint“: Psychosen sind die unterschätzen Folgen von Drogenkonsum.

BerlinVon heute auf morgen sind die Stimmen da. Sie flüstern hässliche Dinge, kommentieren alles, beruhigen, schimpfen erneut drauf los - ohne Pause. „Von rechts der Teufel, von links der Engel“, erinnert sich Anna (30) an den Ausbruch ihrer Psychose im Jahr 2010. „Dann kam der Verfolgungswahn hinzu. Ich bekam unglaubliche Angst, auf der Straße, im Dunkeln.“ Drei Jahre später war sie so zermürbt, dass sie an Selbstmord dachte - und nach einem Anruf beim Krisennotdienst schließlich im FRITZ landet. Das ist ein Berliner Therapiezentrum für junge Erwachsene wie Anna.

In Berlin ist das Problem besonders verbreitet. Einer Studie der Fachstelle für Suchtprävention (2014) zufolge hat beispielsweise mehr als zwei Drittel der jungen Menschen zwischen 16 und 27 Jahren schon Cannabis konsumiert - fast jeder dritte Konsument tut es mehrmals pro Woche oder täglich. Das sind mehr als in anderen Bundesländern und auch in anderen Großstädten.

Sprechstunde: Chefarzt Andreas Bechdolf der Ambulanz des Vivantes Klinikums am Urban für junge Erwachsene mit Psychosen spricht mit der Patientin Anna. dpa

Sprechstunde: Chefarzt Andreas Bechdolf der Ambulanz des Vivantes Klinikums am Urban für junge Erwachsene mit Psychosen spricht mit der Patientin Anna.

„Mit zwölf hab ich angefangen, Drogen zu nehmen: Partydrogen, Ecstasy, Amphetamine. Gekifft hab' ich auch“, sagt Anna heute. „Alles aus Neugier. Ich sah älter aus und bin problemlos in Clubs reingekommen“, ergänzt die hübsche junge Frau mit der dunkelblonden Lockenmähne. Sie ist sorgsam geschminkt, aber die Spuren der Vergangenheit sind ihr anzusehen: Jahrelanges Partyleben liegt hinter ihr. Vorher Hauptschulabschluss, Auszug aus einer kaputten Familie und Umzug aus einer anderen Großstadt nach Berlin. „Ich hab in der Gastronomie gearbeitet – da wird eben getrunken und was eingenommen. Geld gibt es bar auf die Hand. Arbeit und Party sind gar nicht richtig zu trennen.“

Doch irgendwann, Anna hat gerade versucht eine zweite Lehre als Tierarzthelferin zu beginnen, kippt die Situation. „Die Probleme kamen total plötzlich. Ich wusste zwar, dass man durch Drogen Stimmen hören kann. Trotzdem konnte ich es erst gar nicht glauben“, erinnert sie sich. Angst schnürt sie immer mehr ein. Von den Stimmen kann und will sie niemandem erzählen. Und irgendwann ist da der Plan, sich umzubringen, wenn sie die Lehre nicht schaffen sollte. Einen ersten Versuch, sich in einer Klinik Hilfe zu suchen, bricht sie ab. „Ich nahm zwar Drogen, aber hatte Riesenangst vor Medikamenten“, sagt sie.

Kommentare (1)

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Frau Heike Schneider

02.10.2014, 20:04 Uhr

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