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27.12.2013

11:23 Uhr

Hirnscan-Studie

Auf den Spuren der Meditation

Joggen war gestern. Um Stress abzubauen und innere Kraft zu schöpfen, setzen sich immer mehr Menschen hin und meditieren. Aber wie und wo genau wirkt Meditation überhaupt?

Meditation: Mehr als nur der nächste Trend. dpa/picture alliance

Meditation: Mehr als nur der nächste Trend.

BerlinRichard Gere tut es mit Hingabe. Topmodel Christy Turlington ebenso. Und auch in Deutschland sind es längst nicht nur vom Burnout bedrohte Manager, die Meditation für sich entdecken, um Stress abzubauen, zu mehr Gelassenheit und innerer Ruhe zu gelangen. Ein neuer Trend nach Joggen und Pilates? Mehr als das, sagt die Hirnforscherin Prof. Tania Singer. Die Direktorin des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig arbeitet seit Jahren daran, die günstigen Auswirkungen von Meditation auf das menschliche Gehirn nachzuweisen - mittels harter Wissenschaft und Hirns-Scans. Derzeit läuft dazu eine weitere große Studie in Berlin und Leipzig.

Wie Sie zu Ihrem Ich finden können

Achtsamkeitsmeditation

Sie steht im Mittelpunkt eines verbreiteten und wissenschaftlich untermauerten Verfahrens, das der US-Mediziner Jon Kabat-Zinn vor über 30 Jahren zur Stressbewältigung entwickelt hat: der sogenannten Mindfulness-Based-Stress-Reduction (MBSR). Es geht dabei darum, das Im-Moment-Sein einzuüben und den Wust von Gedanken, Bewertungen oder Gefühlen davonziehen zu lassen. Der Einstieg dazu geschieht meist über eine ATEMMEDITATION, bei der Atemzüge gezählt werden.

Mitgefühlsmeditation

Hierbei fokussieren die Meditierenden vor allem darauf, ihrer Umwelt und ihren Mitmenschen mit Wohlwollen zu begegnen.

Gehmeditation und Yoga

Nicht nur klassisch im Sitzen, auch in der Bewegung kann meditiert werden. So etwa beim bewussten, langsamen Aufsetzen der Füße beim Gehen, im Tai-Chi oder auch in der sanften Ausführung von Yoga-Übungen.

Religiöse Meditationen

Buddhisten, Hindus, Daoisten und auch Christen kennen Meditationsübungen, die die Selbsterforschung um spirituelle und religiöse Komponenten erweitern. So im Zen-Buddhismus, in bestimmten Yoga-Formen oder in christlichen Exerzitien.

Das US-Wissenschaftsjournal „Science“ widmete ihren Arbeiten jüngst eine große Story. Denn Singer bewegt sich in einer Grauzone, die lange auch von Kollegen skeptisch beäugt wurde. Soziale Neurowissenschaft heißt das junge Fachgebiet, in dem sich weltweit erst wenige Experten tummeln. Grundlagen der Meditationsforschung legten dazu neben US-Pionierin und Harvard-Psychologin Sara Lazar unter anderem auch das Team um den Psychologen Ulrich Ott vom renommierten Bender Institute of Neuroimaging (BION) der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Meditation wirkt, wie viele Meditierende berichten. Aber wie und wo genau? Das wollen die Forscher wissen, messen Hirnströme, schieben Probanden in die MRT-Röhre. Denn viele frühere Studien kranken daran, dass sie wissenschaftlich kaum belastbar sind - meist, weil Kontrollgruppen fehlten. Ernüchternd waren dann 2007 auch die Ergebnisse einer großen US-Metaanalyse, die in den über 800 ausgewerteten Meditations-Studien kaum Aussagekräftiges fand.

Doch neuere Untersuchungen versuchen solche methodischen Schwachpunkte zu vermeiden. Forscher aus Gießen und Harvard etwa untersuchten erstmals die Auswirkungen eines bewährten Achtsamkeits-basierten Meditationsverfahrens namens MBSR (Mindfulness-Based-Stress-Reduction) mittels Hirnscan. Während die Teilnehmer nach acht Wochen MBSR-Praxis berichteten, besser mit Stress umgehen zu können, zeigten sich auch deutliche Veränderungen in der Hirnstruktur: Weniger Dichte der grauen Substanz an der Amygdala, die für die Verarbeitung von Stress und Angst wichtig ist, mehr Dichte dafür im Hippocampus und Regionen, die für Selbstwahrnehmung und Mitgefühl zuständig sind.

„Aber“, so betont Ott, „die Effekte verschwinden wieder, wenn man mit dem Meditieren nicht weiter macht.“ Neueste Stoßrichtung ist in Gießen nun die Suche nach handfesten Belegen für erste Hinweise, dass Meditation das Altern des Gehirns verlangsamt. „Das könnte auch bei der Vorbeugung von demenziellen Abbauprozessen eine Rolle spielen.“

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