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16.01.2014

07:41 Uhr

Hirnschrittmacher

Stromstöße fürs Gehirn

VonUlrich Kraft

Bislang profitieren hauptsächlich Parkinson-Patienten von der Tiefen Hirnstimulation. Jetzt werden die Schrittmacher für das menschliche Gehirn auch bei Krankheiten wie Alzheimer, Epilepsie und Depressionen erprobt.

Das menschliche Gehirn: Eine noch recht junge Technologie lindert Symptome von Krankheiten wie Parkinson.

Das menschliche Gehirn: Eine noch recht junge Technologie lindert Symptome von Krankheiten wie Parkinson.

Dass er unter der Parkinson-Krankheit leidet, verrät A.J. gleich zu Anfang des gut vier Minuten langen Video-Clips. Davon anzumerken ist ihm aber zunächst nichts. Der Mann aus Auckland, Neuseeland, setzt sich in einen Sessel, schaut ganz entspannt in die Kamera und spricht ein bisschen über seine Krankengeschichte – wohl artikuliert und bestens verständlich. Augenscheinlich vollkommen normal wirken auch die schnellen Bewegungen von Händen und Fingern, die er anschließend vorführt. Diese Übungen müsse er beim Arzt immer machen, erklärt der 39-Jährige., um die motorischen Fähigkeiten zu prüfen. Denn Parkinson ist eine Erkrankung, die vor allem die Motorik beeinträchtigt.

Dann nimmt A.J. ein schwarzes Kästchen, das aussieht wie eine Fernbedienung, schaltet von ON auf OFF und hält es sich an die Brust. 20 Sekunden später könnte man meinen, ein böser Geist hätte von seinem Körper Besitz ergriffen. Erst Wackeln nur seine Hände wild hin und her, kurz darauf schlagen beide Arm auf und ab. Der Kopf neigt sich krampfartig zur Seite, die Sprache wird immer langsamer und verwaschener. A.J. greift nach der Fernbedienung, mit Mühe finden seine Finger den richtigen Knopf und von einer Sekunde auf die nächste ist der Spuk vorüber. Er stößt einen tiefen Seufzer aus, es geht ihm wieder gut.

Das Video, das A.J. auf seine Website http://youngandshaky.com/ gestellt hat, macht eindrucksvoll deutlich, welches Ausmaß die Bewegungsstörungen bei Parkinson annehmen können und welch gravierende Auswirkungen das auf das Leben der Betroffenen hat. Vor allem zeigt es aber, wie effektiv sich die Symptome mit einer relativ neuen medizinischen Technologie lindern lassen – der Tiefen Hirnstimulation oder kurz THS. Anfang 2013 verankerten Chirurgen zwei Elektroden in A.J.`s Gehirn, die mit einem unterhalb des Schlüsselbeins implantierten Impulsgeber verbunden sind. Dieser Hirnschrittmacher, der kontinuierlich schwache elektrische Reize an die Nervenzellverbände um die Elektroden abgibt, habe sein Leben verändert, sagt der Mann aus Auckland.

„Es ist immer wieder erstaunlich, wie schlagartig und deutlich sich die Beschwerden von Parkinson-Patienten nach der Operation bessern“, bestätigt Rejko Krüger. „Manche sprechen sogar von einem kleinen Wunder.“ Krüger leitet die Ambulanz für Tiefe Hirnstimulation am Universitätsklinikum Tübingen. Seit 1999 wird die Methode dort zur Therapie der Parkinson-Krankheit, unter der weltweit über sechs Millionen Menschen leiden, eingesetzt. Wie sie wirkt, konnte die Wissenschaft allerdings bis heute noch nicht vollständig klären. Fest steht, dass den Bewegungsstörungen eine veränderte Aktivität der Nervenzellen in für die Motorik wichtigen Hirnregionen zu Grunde liegt. Dazu gehört der Nucleus subthalamicus, in den die Stimulationselektroden üblicherweise platziert werden. „Vermutlich sorgen die Stromimpulse dafür, dass die Neurone in diesem Hirnareal nicht mehr überaktiv sind“, sagt Krüger, der am Tübinger Hertie-Institut für klinische Hirnforschung die THS wissenschaftlich untersucht. „Durch die Hirnstimulation werden die Nervenzellen ausgebremst.“

Kommentare (1)

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mon_yburns@central.banktunnel.eu

16.01.2014, 12:04 Uhr

Ich warte ja nur noch auf den Tag an dem man mit gezielten Stromstößen und ein wenig Lobotomie nicht nur Muskelkrämpe/Epilepsie zu behandeln versucht sondern auch politisch unbequeme Haltungen.

Übrigens: Bei der unfreiwilligen Samenspende - in der Tierzucht - soll stellenweise Elektrostimulation zum Einsatz komemn.

Und wer als Journalist ordentlich recherchiert wird beim Thema früher oer später auf Usenetgruppen stoßen in denen es um Mißßbrauch von Hypnosepatienten unter derselben geht.

http://www.hypnoenergetics.de/hypnosepraxis/hypnoenergetics_wissensarchiv.php?run=49

http://www.pi-news.net/2014/01/kika-feiert-tahsins-beschneidungsfest/

"In diesem Fall kann das Sperma durch die Anwendung einer Elektrostimulation mit spontaner Ejakulation (Simulation von Prostata mit elektrischen Impulse) gewonnen werden."

http://www.kriobank.pl/index.php?option=com_content&view=article&id=73&Itemid=77&lang=de

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